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Der Preis des Schweigens

Chapter 31 by Levantin Levantin

Der Montagvormittag in der Schule war eine einzige Zerreißprobe für meine Nerven.

Jeder Schritt über den Linoleumboden des Schulflurs erinnerte mich unbarmherzig daran, was mich seit dem Wochenende gefangen hielt. Der Käfig rieb bei jeder Bewegung durch den festen Stoff meiner Jeans an den Oberschenkeln. Ich ging vorsichtig, versuchte Hektik zu vermeiden und redete mir ein, dass niemand etwas bemerkte. Doch die ständige Paranoia, jemand könnte die unnatürliche Wölbung oder die starre Haltung registrieren, klebte wie kalter Schweiß an meinem Nacken.

Vor der Doppelstunde Geschichte passierte es schließlich.

Ich stand an den Schließfächern, zog meine Bücher heraus und versuchte, mich mental auf den Unterricht vorzubereiten, als sich von der Seite jemand leise näherte. Der süßliche, unverkennbare Duft nach Rosen stieg mir noch vor jedem Geräusch in die Nase – derselbe Geruch, der mich am Donnerstag fast das Genick gekostet hatte.

Mein Herz stolperte. Ich erstarrte mit der Hand am Schließfach.

„Na, Fleckenkönig?“, hauchte eine Stimme dicht an meinem Ohr.

Emma lehnte sich mit der Schulter gegen die Reihe der Spinde, nur wenige Zentimeter von mir entfernt. Sie trug eine enge Lederjacke über einem Crop-Top, die Arme vor der Brust verschränkt, und sah mich mit diesem herablassenden, amüsierten Blick an, der mir den Magen umdrehte.

„Emma… hey“, presste ich hervor, schlug den Spind hastig zu und hielt die schweren Bücher demonstrativ wie ein Schild vor meine Leiste.

Ihre Lippen verzogen sich zu einem süffisanten Grinsen. Ihre Augen wanderten nicht zu meinem Gesicht, sondern musterten genau die Barriere, die ich mit den Heftern aufgebaut hatte.

„Hast du dich eigentlich gut erholt vom Donnerstag?“, flüsterte sie, ohne die Stimme so weit zu heben, dass die vorbeilaufenden Mitschüler es mitbekamen. „Du bist ja abgerannt, als wäre der Teufel persönlich hinter dir her. Und… hast du die Hose wieder sauber gekriegt?“

Mir schoss die Hitze bis in die Haarspitzen. Der metallische Druck zwischen meinen Beinen pulsierte prompt schmerzhaft auf, als mein Körper reflexartig reagierte – nur um sofort von den harten Streben des Harzkäfigs gestoppt zu werden. Das dumpfe Ziehen war wie ein Echo von Loonas Kälte daheim.

„Lass das, bitte“, murmelte ich leise und sah mich gehetzt um. Zwei Jungs aus der Parallelklasse lachten ein paar Meter weiter über ein Video auf ihrem Handy; niemand achtete auf uns. „Es… es tut mir leid, okay? Ich war völlig durch den Wind. Können wir das einfach vergessen?“

„Vergessen?“, wiederholte Emma leise, trat einen halben Schritt näher und legte den Kopf schief. „Bist du verrückt, John? Ich fand das eigentlich ziemlich faszinierend. So ein Vorzeige-Schüler, der große Mathe-Erklärer… und ein Kuss reicht, damit du die Kontrolle komplett verlierst wie ein kleiner Junge.“

Sie machte eine kurze Pause und ließ ihre Hand ganz beiläufig an den Saum meiner Jacke gleiten. Ich zuckte zurück, stieß mit dem Rücken hart gegen die Blechtüren der Schließfächer.

„Keine Angst, ich verrate es keinem“, schnurrte sie, doch in ihrem Tonfall schwang ein glasklares Versprechen mit: *Solange du funktionierst.* „Aber die Nachhilfe ist ab jetzt keine Bitte mehr. Morgen, sechzehn Uhr bei mir. Und diesmal machst du die Analysis-Aufgaben für mich fertig, bevor wir überhaupt anfangen. Verstanden?“

Mein Kopf raste. Dienstag, sechzehn Uhr – das war genau der Slot, den Loona argwöhnisch beäugte, die zwei Stunden, die ich minutiös einhalten musste, um nicht wieder zehn Minuten zu spät in der Küche zu stehen. Zwischen Emmas neuer, dreister Erpressung und Loonas Käfigschlüssel gab es für mich keinen Zentimeter Spielraum mehr.

Emma trat noch näher heran, musterte meine steife, unnatürliche Haltung und bemerkte, wie krampfhaft ich die Bücher an mich presste.

Ein Schatten von Neugier huschte über ihr Gesicht.

„Sag mal…“, flüsterte sie und senkte den Blick noch einmal direkt auf meine Körpermitte. Ihre Augen verengten sich prüfend. „Warum stehst du eigentlich so seltsam da? Versteckst du schon wieder was vor mir?“

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