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Chapter 11
by
Papas_Liebling
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Der Maxwell-Konferenzraum
Steve schloss zu ihr auf, als sie ungeduldig vor der Aufzugtür wartete.
„Ich mag es, wenn Frauen gewissenhaft und pünktlich sind“, murmelte er mit geschlossenen Zähnen und wippte auf den Fußballen vor und zurück. „Gilt das in Europa auch als weibliche Tugend?“
„Ja. Das heißt, Pünktlichkeit wird generell positiv gesehen. Bei Frauen und Männern. Es heißt auch, Pünktlichkeit sei die Höflichkeit der Könige.“
Er schmunzelte. „Dann ist es ja gut, dass wir in den USA seit 300 Jahren keinen König mehr haben. Es wäre ungeheuerlich, wenn Frauen erwarten würden, dass ein Mann sich nach ihnen richtet. Er bestimmt, wann es Zeit wofür ist, und damit ist er immer zur rechten Zeit am rechten Ort.“
Marie schäumte innerlich. Offenbar war ihr erster positiver Eindruck von Steve falsch. Er war ein echtes Produkt seiner Macho-Kultur, überheblich und herablassend.
„Jedenfalls habe ich noch keine Frau erlebt, die sich beschwert hätte, wenn ich nach ihr komme“, schob er nach.
Das Ding des ankommenden Aufzugs rettete Marie davor, auf dieses miese Wortspiel reagieren zu müssen. Sie verdrehte nur die Augen und drückte auf den Knopf zur Konferenz-Etage.
Sie rannte die letzten Meter bis zur Tür des Maxwell-Raums. Davor blieb sie stehen, beruhigte ihren Atem und strich ihr Jackett und ihren Rock glatt. Noch sieben Minuten. Gut. Nicht zu wirklich spät. Aber von einer Referentin wurde erwartet, dass sie als Erste vor Ort war und kontrollierte, ob der Raum richtig vorbereitet war. Sie nahm an, dass sie sich von Étienne, ihrem Delegationsleiter, einiges würde anhören müssen über Zuverlässigkeit und adäquates Pflichtgefühl. Aber das käme später. Jetzt drückte sie den Rücken durch und trat gemessenen Schrittes ein.
Wie erwartet fand sie einen großen Besprechungsraum vor, mit einem langen Konferenztisch aus Eichenholz im Zentrum. Beigefarbener Teppichboden, dunkle Holzpaneele und abgehängte Messinglampen gaben ihm ein edles Ambiente. Die gesamte Rückwand bestand aus bodentiefen Fenstern und erlaubte einen fantastischen Ausblick auf den President’s Park mit der riesigen Chad-Maxwell-Statue, das Washington Monument und darüber hinaus.
Überrascht war sie allerdings darüber, dass außer ihr niemand anwesend war. Keiner der Plätze am Tisch war besetzt. Und ein schneller Blick durch den Raum zeigte ihr, dass keines der Delegationsmitglieder oder ihrer amerikanischen Gesprächspartner anwesend war.
Allerdings war sie nicht ganz allein. Entlang der Längswand knieten fünf Frauen, alle sehr knapp bekleidet mit einer Art schwarzen Bikini.
Steve war an ihr vorbeigegangen und scannte den Raum mit seinem professionell aufmerksamen Blick. Den Mädchen widmete er dabei keine drei Sekunden, offenbar schienen sie ihm nicht wichtig zu sein.
Marie klappte ihren Mund wieder zu. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Was war hier los?
„Sind wir im falschen Raum?“
Steve sah auf sein Handgelenk. „Nein – ah, Moment.“
Er tippte auf seine Smartwatch und legte einen Finger an sein Ohr. Vermutlich trug er ein unsichtbares Mikro-Earphone. Er nickte ins Leere und sah zu Marie. „Alles klar. Der Beginn der Konferenz wurde auf 13 Uhr verschoben.“
„Ach. Und niemand hat daran gedacht, mich zu informieren?“
„Soweit ich verstehe, ging das Kennenlerntreffen ziemlich lang bis in die Morgenstunden und war für die Teilnehmer… erschöpfend. Deshalb haben Mr. Jenkins und Mr. Moreau entschieden, allen ein wenig Zeit zu geben, sich zu erholen. Und außerdem“, er zwinkerte Marie zu, „wärst du heute Nacht auch nicht erreichbar gewesen.“
Sie errötete. Um das Thema zu wechseln, deutete sie auf die fünf knienden Frauen.
„Warum sind sie da?“
Der Leibwächter folgte ihrer Bewegung, als habe er vergessen, dass noch jemand außer ihnen anwesend war. „Checke ich.“
Anstatt sie zu fragen, wies er eine von ihnen an, ihre Hand zu heben. Er hielt seine Smartwatch in die Nähe ihres Unterarms, wo eine flache Erhebung zeigte, dass darunter ein Chip implantiert war. Nach einem leisen Piepen las er die Daten ab.
„Sie gehören … zum Handelsministerium. Sie wurden für die Verhandlungen hierher bestellt.“
Aufgrund seines kurzen Zögerns vermutete Marie, dass er eigentlich „gehören dem Handelsministerium“ sagen wollte. Welche Rolle die Frauen bei den Gesprächen erfüllen sollten, musste sie nicht weiterfragen. In Gedanken benannte sie es klar beim Namen: Sie waren Prostituierte, die die Europäer ablenken und einlullen sollten, damit die Amerikaner unfaire, unlautere Klauseln in den Vertrag hineinverhandeln konnten. Man hatte mit miesen Methoden gerechnet, aber dies hier war eine Steigerung, die niemand vorhergesehen hatte.
Nun zahlte es sich aus, dass die EU darauf bestanden hatte, ein weibliches Delegationsmitglied entsenden zu dürfen. Sie würde wachsam und kritisch bleiben müssen. Und sie nahm sich vor, ihren Kollegen – verbal oder im Notfall auch wortwörtlich – ans Schienbein zu treten, wenn diese anfingen, mit ihrem Schwanz zu denken.
Wie gut, dass sie, Marie, gegen solche Reize unempfänglich war. Sie lächelte in sich hinein. Doch dann schob sich wieder das Bild von Soraya vor ihr inneres Auge. Ihr wurde heiß.
„Was jetzt?“
Steves Frage riss sie aus ihren Gedanken. Sie schüttelte den Kopf, um ihn freizubekommen.
„Ich schlage vor, du nutzt die Zeit auch, um dich zu entspannen“, konkretisierte er.
Das wäre vermutlich das Sinnvollste. Allerdings hatte Marie keine große Lust, in das kleine, karge Hotelzimmer zurückzukehren.
Steve musste ihr die Skepsis am Gesicht abgelesen haben. Er trat einen Schritt näher. Sein Schatten fiel über sie.
„Ich habe da einen Vorschlag.“
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Amerika 2075
Eine dystopische Zukunft ... oder doch nicht?
**Diese Geschichte ist reine Fantasie und hat keinen Bezug zur Realität und stellt keinen Kommentar zu tatsächlichen Ereignissen oder Personen dar.** - Die USA haben gewählt und einen Präsidenten an die Macht gebracht, der das Land Zug um Zug in eine frauenfeindliche Diktatur umwandelte. Internationale Handelsbeziehungen wurden gekappt, die Grenzen abgeschottet. Fünfzig Jahre in unserer Zukunft lässt das Regime einige Ausländer ins Land, um ein Handelsabkommen auszuhandeln. Was werden sie vorfinden? Werden sie Amerika verändern oder wird Amerika sie verändern?
Updated on Jun 12, 2026
by Papas_Liebling
Created on Dec 29, 2025
by Papas_Liebling
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