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Chapter 11 by Don Corleone Don Corleone

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Das Wochenende (Samstagmorgen)

Kapitel 11 – Das Wochenende (Samstagmorgen)

Der Samstag begann mit dem Versuch, Normalität zu erzwingen.

Lina stand um halb zehn auf, duschte lange und heiß, zog sich bewusst elegant an – helle Jeans, eine schlichte weiße Bluse, leichter Kaschmircardigan, flache Loafers. Sie wollte sich selbst beweisen, dass sie noch die alte Lina Berger war. Die erfolgreiche Maklerin. Die Frau, die alles im Griff hatte.

Es funktionierte genau zwanzig Minuten.

Im Shoppingcenter war samstäglich viel los. Familien, Paare, Jugendliche. Der Geruch von Kaffee, Parfüm und frischem Gebäck lag in der Luft. Lina schlenderte durch die hellen Gänge, einen Kaffee-to-go in der Hand, und versuchte, sich auf die Schaufenster zu konzentrieren. Sie brauchte nichts. Sie wollte nur raus aus der Wohnung, weg von dem Kittel, der immer noch in ihrer Tasche lag wie eine tickende Bombe.

Dann sah sie sie.

Im langen, breiten Gang zwischen den Geschäften, direkt vor dem großen Drogeriemarkt, kniete eine Putzfrau.

Sie war vielleicht Mitte fünfzig, osteuropäischer Typ, kräftige Arme, dunkles Haar mit grauen Strähnen streng unter einem dünnen Haarnetz zusammengebunden. Sie trug einen hellblauen, leicht verwaschenen Kittel, der an den Seiten schon etwas ausgefranst war. Darüber eine fleckige Schürze. Und an den Händen – natürlich – lange gelbe Gummihandschuhe.

Lina blieb wie angewurzelt stehen, vielleicht fünfzehn Meter entfernt, halb verdeckt hinter einer Säule. Ihr Herz begann sofort zu rasen.

Die Frau schrubbte mit energischen, routinierten Bewegungen den Boden. Der gelbe Handschuh quietschte leise auf den Fliesen, wenn sie den Lappen auswrang. Kleine Schweißperlen standen auf ihrer Stirn. Sie arbeitete schnell, effizient, ohne nach links oder rechts zu schauen. Einfach nur putzen. Für andere Menschen. Für einen Hungerlohn. Während alle um sie herum in teuren Klamotten flanierten und sie kaum wahrnahmen.

Lina starrte.

Sie sah die kräftigen Oberschenkel unter dem Kittel, die sich beim Knien spannten. Sie sah, wie der billige Stoff an den Knien schon etwas heller war vom vielen Scheuern. Sie sah, wie die gelben Handschuhe glänzten, nass vom Putzwasser, und wie die Frau mit der rechten Hand kurz über die Stirn wischte – ein quietschendes, gummiartiges Geräusch, das selbst aus dieser Entfernung in Linas Ohren drang.

Und dann kam der Vergleich. Unaufhaltsam. Brutal.

In einer Woche knie ich genauso da.

Nicht in einem teuren Shoppingcenter, sondern in irgendeinem Bürogebäude oder einer teuren Altbauwohnung. Neben Alina und Sarah. Neben echten, erfahrenen Putzfrauen. Im gleichen Kittel. Mit den gleichen grellgelben Handschuhen. Während die beiden Mädchen kichern oder sich unwohl fühlen, werde ich schon feucht sein. Weil jemand „Fester, Lina!“ sagt. Weil Frank Kessler vielleicht vorbeikommt und ihr auf den Arsch schaut. Weil Herr König irgendwann auftaucht und sie nur kurz zunickt – als wäre sie jetzt genau das, was sie tief drinnen immer sein wollte.

Lina spürte, wie ihre Knie weich wurden. Wie sich zwischen ihren Beinen wieder diese verräterische Hitze ausbreitete. Sie presste die Oberschenkel zusammen, hielt den Kaffeebecher so fest, dass der Deckel knirschte.

Die Putzfrau richtete sich kurz auf, streckte den Rücken durch und seufzte leise. Für einen winzigen Moment trafen sich ihre Blicke. Die Frau lächelte müde, fast entschuldigend – als wollte sie sagen: „Tja, jemand muss es ja machen.“

Lina lächelte zurück. Ein gequältes, starres Lächeln. In ihrem Kopf schrie eine Stimme:

In ein paar Tagen wirst du die sein, die den Blick senkt.

Sie sah sich selbst vor ihrem inneren Auge: wie sie neben dieser Frau knien würde. Wie ihre eigenen gelben Handschuhe genauso nass und quietschend wären. Wie jemand – vielleicht eine der echten Kolleginnen – ihr zeigen würde, wie man richtig in die Ecken kommt. Wie Sarah Demir vielleicht eine spöttische Bemerkung machen würde. Und wie sie selbst, Lina Berger, 31 Jahre alt, Top-Maklerin, rot werden und „Ja, mach ich sofort“ flüstern würde.

Ihr Atem ging flach. Sie musste wegsehen. Musste weitergehen. Aber ihre Füße gehorchten nicht sofort.

Erst als die Putzfrau sich wieder hinkniete und weiterarbeitete, schaffte Lina es, sich abzuwenden. Sie ging hastig in die nächste Parfümerie, kaufte sinnlos teures Parfüm, nur um etwas zu tun. Doch der Geruch von Putzmitteln, der noch in ihrer Nase hing, ließ sich nicht vertreiben.

Zwanzig Minuten später saß sie bereits wieder im Auto. Die Tüte mit dem Parfüm lag auf dem Beifahrersitz. Ihre Hände am Lenkrad zitterten.

Zu Hause angekommen, schloss sie die Tür zweimal ab. Die Wohnung war still. Zu still.

Sie stellte die Tasche ab und zog sofort den Kittel heraus, den sie heimlich aus dem Büro mitgenommen hatte. Der Stoff raschelte billig in ihren Händen. Sie hielt ihn sich vors Gesicht, atmete den leichten chemischen Geruch ein – und hasste sich dafür, wie sehr ihr Unterleib darauf reagierte.

Da vibrierte ihr Handy.

Eine Nachricht von Herrn König.

Sie öffnete sie mit klopfendem Herzen.

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