Who am I?

Das Schicksal der Familie Roth

Chapter 3 by Broken toy Broken toy

“Guten Morgen, Herr Roth”. Christian, der von seiner Leiter aus an der Hecke zu gange war, richtete sich auf, um Blickkontakt zu der jungen Frau auf dem Feldweg hinter seinem Garten herstellen zu können.

Da er die Stimme bestens kannte, hatte er ein warmes Lächeln auf dem Gesicht. “Guten Morgen, Tanja. Ich werde dich wohl nie dazu bringen, mich Christian zu nennen, was?”

Tanja lächelte ebenso warm wie Christian, während sie sich einige ihrer hübschen, widerspenstigen schwarzen Locken aus dem Gesicht strich.

Es dauerte einen Moment, bevor Christian ein bedeutender Unterschied an der zierlichen Kindheitsfreundin seiner ältesten Tochter auffiel. “Du läufst ja ohne Krücken!”

Tanja wurde mit einer Fehlstellung in der Hüfte geboren und war, so lange er denken konnte, immer auf Krücken oder nach den zahlreichen Operationen auf einen Rollstuhl angewiesen.

Aus Tanja warmem Lächeln wurde erst ein, strahlendes, stolzes und erleichtert es Lächeln bei dem sich eine Träne in ihren Augenwinkeln bildete und dann ein herzliches Lachen als Christian beim Versuch eilig von der Leiter zu kommen auf seinem Gesäß landete und eine untenstehende Gießkanne auf seinen Hosenbeine entleerte, zwei kurze Handgriffe am liedschäftigen Tor später presste er die junge Frau in einer herzlichen Umarmung an sich. Tanja erwiderte die Umarmung des Mannes, der seit ihrer Kindheit immer für sie da war und in dem sie einen Mentor und Freund sah sofort. Erst jetzt merkte sie wirklich, wie viel noch in ihr aufgestaut war und wie schon in Österreich, bei Sina, als sie die ersten Schritte ihres außerhalb der Physiotherapie ohne Krücken tat, gab es kein Halten mehr für ihre Tränen.

Die beiden standen mehrere Minuten einfach dort. Langsam sammelte sich Tanja wieder.

“Ich war die letzten Wochen bei Sina und ihrer Verlobten und ich habe mich endlich getraut, es ohne Krücken zu versuchen.” Tanja strahlte ihn an, während sie sich langsam aus der Umarmung löste.

“Moment Sina, wie in unsere Sina?”

“Yup.”

“Und sie heiratet?!”

“Yup, sie werden alt Herr Roth. Sonja könnte auch bald soweit sein.”

Wieder war Tanja am Lachen aufgrund der überzogenen Schauspielerei des älteren Mannes.

Noch bevor Christan etwas erwidern konnte, mischte sich eine ebenfalls bekannte, wenn auch weniger wohl gelittene Stimme aus dem nächsten Garten ein.

“Sowas kommt eben dabei raus, wenn der Oberbürgermeister so ein Weichei ist. Was kommt als nächstes, lassen sich die Schlampen von den Halbaffen ficken die ihr ins Land holt!? Schick die beiden gerne mal vorbei, einmal richtig durchgenommen und sie sind wieder normal im Hirn.”

Dem abstoßenden Kommentar folgten ein schallender Schlag und ein Winseln.

Tanja stolperte einen Schritt nach vorne, gegen Christian.

“Sorry, die Beine werden weich, ich glaube, ich muss mich mal setzen.”

Noch eher sie Anstalten machen könnte, sich auf den Weg zu setzen, hatte Christian sie schon hochgehoben und trug sie am gut gepflegten Obst-, Kräuter- und Gemüsegarten vorbei auf die Terrasse und in einen der bequemen Stühle.

Christian öffnete die Terrassentür und rief seiner Frau zu “Schatz, Decke bitte für einen Gast mit ein, Tanja isst bei uns mit.”

Tanja rollte die Augen, aber protestierte nicht, sie wusste, dass es ohnehin nicht bringen würde. Wenn der Oberbürgermeister der Stadt Freiburg erstmal etwas beschlossen hatte, konnte er stur sein wie ein Bock.

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