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Chapter 3
by
Meister U
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Das Manuskript
Die ersten Sätze packten sie sofort.
„Sie wusste, dass es falsch war, die Berührung seines Blicks auf ihrer Haut zu spüren – noch bevor er ein Wort gesagt hatte. Ein Frösteln stieg in ihr auf, das nicht von der Klimaanlage dieses sterilen Büros kam, sondern von innen. Er sah sie nicht an. Er sezierte sie. Und sie, die es gewohnt war, die Welt in korrigierte Sätze zu pressen, fand plötzlich keine Worte mehr.“
Lenas Nacken wurde heiß. Ihr Herz pochte in den Schläfen. Sie warf einen schnellen Blick durch den Raum – leer, natürlich. Trotzdem hatte sie das Gefühl, beobachtet zu werden. Mit trockenen Fingern blätterte sie weiter.
Symbiosis. Eine Lektorin, Elina, begegnet einem rätselhaften Autor. Die Ähnlichkeiten waren unheimlich. Elina war sie: dieselbe Karriere, dieselbe kontrollierte Fassade, dieselbe stille Unzufriedenheit, die niemand kannte.
Und dann kamen die erotischen Szenen. Keine plumpe Prosa, kein billiges Spiel – sondern Sätze, die sie atemlos machten. Tom beschrieb nicht nur Körper, die sich fanden, sondern das Ausgeliefertsein, das Loslassen, die befreiende Ekstase. Er schrieb über die empfindsame Haut an Elinas Hals, über die Pulsader, die unter den Lippen des Autors flatterte wie ein gefangener Vogel. Über Scham, die zu Lust wurde, und Angst, die zu fiebriger Erwartung.
Lena sprang auf, schloss die Tür, als hätte jemand sie beim Lesen erwischt. Ihre Hände zitterten. Hitze stieg ihr in den Bauch. Wie konnte dieser Fremde, dieser Tom, so tief in sie hineinsehen? Jede Zeile war ein Schlüssel, der ein verborgenes Schloss in ihr aufstieß. Eine Welle von Erregung – scharf, beschämend – riss sie mit. Das war keine Fantasie. Das war Entblößung.
Sie verschlang das Manuskript in einer einzigen Nacht. Je weiter sie las, desto stärker mischten sich Faszination und Beklemmung. Wer war dieser Mann? Einfühlsam? Oder gefährlich nah? Ihre professionelle Distanz war geschmolzen, verbrannt im Feuer seiner Worte.
Am nächsten Morgen, mit dunklen Ringen unter den Augen, aber einem unruhigen Funkeln im Blick, antwortete sie auf seine E-Mail. Der Text knapp, sachlich – so, wie man es von ihr erwartete.
„Sehr geehrter Herr Tom, Ihr Manuskript Symbiosis ist von außergewöhnlicher Intensität. Ich würde die Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch begrüßen, um die Möglichkeiten einer Veröffentlichung zu erörtern. Können wir uns treffen?“
Die Antwort kam Minuten später. Ein einziger Satz, der ihr Herz stocken ließ:
„Gerne. Heute, 16 Uhr, Café La Cigale. Ich erkenne Sie.“
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Updated on Dec 2, 2025
by Papas_Liebling
Created on Aug 30, 2025
by Papas_Liebling
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