Das wird wohl kein angenehmes Gespräch...
Darum schiebt es Alex auch noch etwas vor sich her
Nachdem ihm Lorena nicht wirklich weiterhelfen konnte, ließ Alex sie und ihre Töchter wieder alleine. Die Situation belastete ihn ziemlich - einerseits wollte er so bald wie möglich mit Tamara reinen Tisch machen, aber solange er sein Verhalten nicht irgendwie erklären konnte, räumte er sich dazu keine großen Chancen ein. Sie war wütend auf ihn, vielleicht zu Recht wütend, und er brauchte eine gute Idee, wenn er das wieder einrenken wollte. Im Moment fehlte ihm die.
Angesichts dieser Situation ging Alex lieber eine Aufgabe an, bei der er wenigstens etwas bewirken konnte: er ging wieder an die Arbeit an seinem Motorrad. Der verzogene Rahmen stellte ihn immer noch vor ein Problem, das er am liebsten mit anderem Gerät gelöst hätte, aber nachdem es nicht so aussah, als wäre das kurzfristig machbar, musste er es eben auf die altmodische Art machen und mit Hitze arbeiten, das Rohrgestänge quasi neu in Form schmieden. Das war etwas, von dem er zwar im Prinzip wusste, wie es zu bewerkstelligen war, das er aber noch nie selbst in Angriff genommen hatte. Er hoffte, er würde es hinbekommen - für heute stand hier allerdings erst einmal die Vorbereitung an, und die bedeutete, seine Maschine komplett in ihre Einzelteile zu zerlegen, alles aus dem Rahmen zu lösen. Schon damit verbrachte er mehrere Stunden.
Der Nachmittag war schon ein Stück fortgeschritten, als Malia zu ihm in die Garage trat. "Oh, was wird denn das?" wollte sie wissen. "Willst du dein Bike choppern oder so was?"
"Ist nur die Vorbereitung für die Rahmenreparatur", erklärte Alex. "Ich will es mit den Sachen hinkriegen, die wir hier zur Verfügung haben, also wird's etwas komplizierter. Warum fragst du?"
"Eigentlich hab ich dich beim Mittagessen vermisst", gab Malia zurück. "Hast du gar keinen Hunger?"
Tatsächlich knurrte ihm inzwischen doch der Magen - zwar war ihm nach den Ereignissen am Vormittag ein bisschen der Appetit vergangen, aber das hatte er inzwischen überwunden. "Ich kann ein paar Happen vertragen. Ist noch was übrig?"
Malia grinste. "Das nicht, aber ich wollte mir eben ne Pizza bestellen und brauchte noch jemanden, damit wir auf den Mindestbestellwert kommen. Was magst du denn auf deiner drauf?"
Dreißig Minuten später saßen die beiden im Auto auf einem kleinen Parkplatz ein Stück entfernt von der Villa und warteten auf die Lieferdrohne, Alex auf dem Fahrersitz und Malia auf der Rückbank. "Ihr nehmt das mit der Sicherheit echt ernst", meinte sie, "lasst noch nicht mal Essen direkt zu euch liefern. Schlechte Erfahrungen gemacht?"
"Keine Ahnung", gab Alex zurück. "Ich bin erst ein paar Tage dabei. Ich nehme mal an, es ist einfach ne Vorsichtsmaßnahme. Du weißt ja selbst, dass mit dem Staat nicht zu spaßen ist."
"Kannst du laut sagen." Malia starrte nachdenklich auf die Sitzlehne vor sich. "Ich hab immer noch keine Ahnung, wer mich damals verpfiffen hat. Ich bin alle durchgegangen, die mich kennen, aber außer meinen Eltern wissen vielleicht drei Leute, dass ich ein Zarathustra bin. Und alle drei würden nie im Leben dem Staat weiterhelfen."
Alex sah sie im Rückspiegel an. "Vielleicht bist du mal jemandem aufgefallen, ohne es zu merken? Ich meine, du hast jetzt keine besonders spektakulären Kräfte, aber vielleicht bist du mal ohne einen Kratzer von einem schweren Unfall davongelaufen? Oder irgendwo von was Hohem runtergefallen und hast nicht mal nen blauen Fleck davon behalten?"
Malia erwiderte seinen Blick. "Ich bin als Kind mal die Treppe runtergefallen und hab mir das Bein gebrochen. Die Fähigkeiten hab ich erst, seit ich dreizehn bin, und ich erinnere mich nicht, dass seither irgendwas passiert wäre, wo man es hätte merken können."
"Wie hast du dann rausgefunden, was du kannst, wenn du keine Unfälle oder so was hattest?"
"Och..." Malia grinste. "Man könnte sagen, ich hab ein bisschen experimentiert. Weißt du, alle meine Freundinnen an der Schule haben gesagt, das erste Mal Sex würde so eklig weh tun, weil man noch zu eng unten ist. Also hab ich ausprobiert, wie viel ich in mich reinstecken kann, bis es weh tut. Ich kam bis zu einer Zweiliterflasche Cola, ehe ich gemerkt habe, dass mir anscheinend gar nichts weh tut. Das war schon ein ziemlicher Augenöffner für mich."
Nun musste auch Alex grinsen. "Du halbe Portion, mit einer Zweiliterflasche Cola in deiner Möse. Muss echt eine Überraschung gewesen sein."
Malia nickte vergnügt. "Und damals war ich auch noch ein gutes Stück kleiner als heute. Aber schon da hab ich gemerkt, wieviel Spaß es mir macht, wenn ich schön gedehnt werde-" Sie hielt kurz inne. "Nur ganz nebenbei, hast du eigentlich schon mal ausprobiert, wie groß du eigentlich werden kannst, wenn du wächst?"
"Noch nicht wirklich", gab Alex zurück. "Warum fragst du?"
"Och, nur so." Malia lächelte breit. "Ich dachte mir, wir könnten das irgendwann mal austesten. Du und ich."
Alex überlegte noch, wie er darauf reagieren wollte, als die Lieferdrohne mit ihren Pizzen neben dem Auto auftauchte und das Geld kassieren wollte.
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