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Chapter 39 by Papas_Liebling Papas_Liebling

What's next?

Ausbruchsversuch

Für einen Moment schoss ihr Puls nach oben.

Scheiße.

Es war ein Fehler gewesen, zu den beiden ins Auto zu steigen. Eine Kurzschlusshandlung, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Sie hatte nur die Chance auf eine spannende Geschichte gesehen: knallharter Investigativ-Journalismus, Recherche aus erster Hand.

Die Risiken hatte sie ausgeblendet: Wird schon alles gut gehen.

Mensch, Caro, wie naiv kann man denn sein? Die einzige Story, die du danach schreiben kannst, heißt: Auf dem Rücksitz vergewaltigt von zwei Männern, denen sie sich freiwillig ausgeliefert hat.

Ihr erster Impuls war, an der Tür zu reißen und laut zu werden. Zu schreien, zu toben. Irgendwie gewaltsam auszubrechen aus der gefährlichen Situation, in die sie sich selbst manövriert hatte.

Aber sie tat es nicht. Stattdessen begann sie nachzudenken. Es war nicht das erste Mal, dass sie in einer schwierigen Lage war. Sie kannte das schon aus anderen Recherchen in Milieus, die man in keiner Weise als gutbürgerlich bezeichnen konnte. Doch wenn man als Journalistin etwas schreiben wollte, das bedeutsam war, musste man an Orte gehen, wo man sich auch schmutzig machen konnte.

Sie musste die Perspektive wechseln. Nicht das Opfer sein, sondern die Beobachterin. Caroline musste die Kontrolle zurückgewinnen.

Sie atmete bewusst langsam ein. Und noch langsamer aus.

Mit dem Atemzug schob sie die Panik ein Stück weit weg. Die Angst war nicht fort, aber kontrollierbar geworden.

Sie ließ die Hand von der Tür sinken.

Tom schaute sie an. In seinen Augen blitzte Lust auf. Er genoss die Überlegenheit des Jägers, der seine Beute in die Enge getrieben hatte und wusste, dass sie ihm nicht mehr entkommen konnte. Er wartete auf ihre Reaktion, auf ihren Ausbruchsversuch, der letzten Endes doch vergeblich sein musste und seinen Sieg umso süßer machen würde.

Caroline hob den Kopf, sah ihm direkt ins Gesicht.

Und lächelte.

Sie bemerkte die minimale Veränderung in seiner Mimik. Unsicherheit. Zögern.

Sie hatte einen winzigen Augenblick geschaffen, in dem die Situation kippen konnte – in die eine oder die andere Richtung. Und sie nutzte ihre Chance.

Caroline lehnte sich auf der Rückbank zurück, und schlug ein Bein über das andere. Die Bewegung nahm Raum ein und setzte gleichzeitig Grenzen.

David musterte sie im Rückspiegel. Sein Blick wirkte nicht mehr abschätzig lüstern, sondern anerkennend.

Tom schnaubte leise. Die Falte über seiner Nasenwurzel vertiefte sich und seine Augenlider zuckten.

„Und du meinst jetzt, du kannst bestimmen, was hier läuft?“

Sie hielt seinem Blick stand.

„Ich meine, dass ihr gerade im falschen Film seid, wenn ihr meint, ihr könnt mit mir machen, was ihr wollt, nur weil ihr dafür bezahlt. Es ist ein Geschäft. Auf Gegenseitigkeit. Mit Regeln. Und weil ihr das anscheinend noch nicht oft gemacht habt, und die Regeln nicht kennt, können wir darüber reden.“

Sie wusste, dass dieser Vorschlag nicht ohne Risiko war. Sie redete über Regeln, die sie nicht kannte. Das könnte auch böse schiefgehen. Ihr blieb nur, auf ihre Interviewerfahrung und professionelle Fragetechnik zu vertrauen, um Informationen aus ihren Gesprächspartnern herauszuholen, ohne preiszugeben, wie wenig sie selbst wusste.

Unerwartet kam ein lautes Lachen vom Vordersitz.

„Die hat Eier.“

Caroline nahm es als Kompliment und schmunzelte. Einen hatte sie schon mal im Sack. Aber Tom war anscheinend eine härtere Nuss, die sie noch knacken musste.

Sie verschränkte die Arme vor der Brust, um zu verhindern, dass sie **** nach der Tür griff und sich dadurch verriet.

Keine Angst zeigen. Sicherheit spielen.

Tom beugte sich vor.

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