What's next?
[POV Stiefschwester] Hinter den Kulissen
Das kleine Café nahe dem Universitätscampus lag im Halbschatten alter Kastanienbäume. Draußen auf der Terrasse klirrten Teegläser, drinnen lief gedämpfter Jazz. In einer abgelegenen Sitzecke aus dunkelrotem Samt saß Loona, die Finger um eine weiße Keramiktasse geschlungen, während Nadja ihr gegenüber das Kinn auf die verschränkten Hände stützte.
„Du siehst zufrieden aus“, stellte Nadja fest. Ihre rehbraunen Augen glitzerten aufmerksam. Sie trug einen feinen, beigefarbenen Feinstrickpullover, der ihre zierlichen Schlüsselbeine betonte, und musterte Loona mit diesem typischen, sezierenden Lächeln. „Mehr als zufrieden. Das ist dieser Blick, wenn ein Plan nicht nur funktioniert, sondern perfekt einrastet.“
Loona nippte an ihrem Cappuccino, setzte die Tasse lautlos auf der Untertasse ab und lehnte sich zurück. „Unser Plan mit Emma. Er hat eins zu eins geklappt. Sie ist erledigt. Vollständig.“
„Echt jetzt?“ Ein leises, amüsiertes Glucksen entkam Nadjas Kehle. Sie beugte sich ein Stück weiter über den Tisch. „Deine Geduld hat sich also ausgezahlt. Ich wusste doch, dass es die richtige Idee war, sie erst in falscher Sicherheit zu wiegen.“
„Der beste Schachzug überhaupt“, erwiderte Loona mit einem grausamen Schmunzeln. „Genauso, wie wir es durchgesprochen haben: Ich habe mir monatelang ihr volles Vertrauen erschlichen, habe ihr vorgespielt, ihre Verbündete zu sein, und sie John nach Strich und Faden ausnutzen lassen. Sie hat sich so unantastbar gefühlt, dass sie mich ohne zu zögern in ihren inneren Zirkel vorgelassen hat. Und dein Tipp mit dem Zweithandy war Gold wert – die Krypto-Drogenbestellungen für den Abiball, die Affäre mit Leons bestem Freund… Sie weiß ganz genau, dass ein einziger Klick von mir genügt, um ihr ganzes hübsches Grunewald-Leben in Schutt und Asche zu legen.“
„Ein Traum“, murmelte Nadja stolz und nippte an ihrem Wasser. „Und was machst du jetzt mit ihr? Lässt du sie das Geld zurückzahlen, das sie von John erpresst hat?“
„Nein, das Geld ist mir völlig egal“, winkte Loona mit einer wegwerfenden Handbewegung ab. Ihre grünen Augen funkelten dunkel. „Die Kontrolle über sie ist tausendmal wertvoller. Ich hatte noch nie eine Frau zum Spielen – zumindest keine, die mir so absolut und bedingungslos ausgeliefert war. Ich werde sie dressieren, Nadja. Schritt für Schritt. Schulaufgaben macht John jedenfalls keine einzige mehr für sie. Diese Zeiten sind vorbei. Sie muss jetzt lernen, was es wirklich bedeutet, ganz unten in der Nahrungskette zu stehen.“
Nadjas Lippen verzogen sich zu einem langsamen, hungrigen Lächeln. Ein verräterisches Glitzern trat in ihren Blick. „Eine blonde Notarstochter als persönliches Spielzeug… Klingt verlockend. Wenn du sie dressierst, halte mir einen Platz in der ersten Reihe frei. Ich habe schließlich mit an der Schlinge geknüpft, also hätte ich durchaus auch Interesse daran, ihr ein paar Manieren beizubringen.“
„Du wirst deinen Spaß mit ihr haben, glaub mir“, versprach Loona leise und strich eine Strähne ihres glatten, schwarzen Haares nach hinten. „Wir teilen uns das hübsche Projekt. Aber eins nach dem anderen.“
„Und wie läuft es an der anderen Front?“, wechselte Nadja das Thema, die Stimme gedämpfter, fast verschwörerisch. „Wie schlägt sich unser Harry Potter?“
„Er blüht regelrecht auf in seiner Nutzlosigkeit“, antwortete Loona mit unverhohlener Häme. „Das Sportprogramm zeigt volle Wirkung. Er baut genau die Muskeln auf, die ich an ihm sehen will. Athletisch, definiert, breite Schultern. Selbst Vanessa ist es gestern aufgefallen, als er ihr nach dem Studio die Waden massieren musste.“
Nadja lachte leise auf, ein warmer, melodischer Ton. „Die Stiefmutter ahnt immer noch nichts?“
„Natürlich nicht. Für sie ist er das nützliche Haustier, das für vierzig Euro Taschenzuschuss die Verspannungen wegdrückt. Sie bezahlt ihn, und er gibt das Geld zwei Minuten später bei mir ab. Er gehört mir, Nadja. Jeder Atemzug, jeder Cent, jeder Muskelstrang.“
„Und… da unten?“ Nadja neigte den Kopf zur Seite, die rehbraunen Augen fixierten Loona mit unverhohlenem Vergnügen. „Sitzt das Harz?“
„Felsenfest“, sagte Loona, und ihr Blick wurde eisig. „Er bettelt nicht mal mehr. Er weiß, dass er nur dann atmen darf, wenn ich es erlaube. Gestern durfte er kurz. Auf Knien. Mit verbundenen Augen.“
Nadja zog die Augenbrauen hoch, sichtlich beeindruckt. „Du ziehst das wirklich mit chirurgischer Präzision durch. Keine Gnade.“
„Gnade verwässert das Ergebnis. Wenn wir bald den nächsten Schritt machen, muss das Fundament unerschütterlich sein.“
„Der Auszug?“, hakte Nadja nach.
„Genau. Das Schuljahr ist so gut wie vorbei. Die Klausuren sind reine Formsache, John schreibt seine Bestnoten im Schlaf. Danach ist Schluss mit dem Penthouse. Vanessa und sein Vater finanzieren die neue Wohnung – sie glauben ja, sie tun ihm und mir einen Gefallen, wenn wir für die Uni zusammenziehen.“
Ein breites, vielsagendes Lächeln legte sich auf Nadjas Lippen. Sie griff über den Tisch und tippte leicht mit dem Zeigefinger gegen Loonas Tasse.
„Ein eigenes Nest. Keine Stiefmutter, die überraschend zur Tür hereinkommt. Volle Kontrolle rund um die Uhr.“
„Genau das“, nickte Loona. „Und du wirst mir beim Umzug helfen. Ich will, dass du von Anfang an eine feste Konstante in dieser Wohnung bist. Aber ganz harmlos. Er soll bis zur letzten Sekunde glauben, dass du nur die nette, clevere Freundin von der Uni bist. Ich will sehen, wie er jedes Mal innerlich stirbt, wenn du im Raum bist – voller Panik, dass du seine Fesseln bemerkst.“
„Oh, das wird ein Fest“, raunte Nadja, und in ihren braunen Augen blitzte die pure Vorfreude auf das perfide Spiel auf. „Ich spiele die ahnungslose Studentin meisterhaft. Und wenn er schwitzt, wenn der Käfig unter seiner Hose spannt, während ich neben ihm stehe… werde ich ganz genau hinsehen.“
Loona hob ihr Glas. „Auf das Nest.“
Nadja stieß mit ihr an, das Glas klang hell im Raum. „Auf das Nest. Und auf dein neues Haustier-Duo.“
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