What's next?
in der Loge nach der Pause
In der Pause werden Getränke gereicht: Wasser, Wein und Champagner. Ich nehme ein Wasser und einen Wein. Rainer führt mich herum, stellt mich verschiedenen Leuten vor und gibt sich dabei als vollendeter Gentleman. Seine Art fasziniert mich. Er bewegt sich mit einer Selbstverständlichkeit durch den Raum, als würde er jeden kennen – und tatsächlich scheint ihn jeder zu kennen.
Als er mir einen älteren Herrn vorstellt, verändert sich plötzlich seine Stimmung. Seine Stimme wird leiser, fast warnend. „Das ist einer meiner ältesten Kunden. Er zahlt gut, hat aber einen schwierigen Ruf und interessiert sich auffällig für dich.“ Mir schießt die Röte ins Gesicht. Rainer bemerkt es und lächelt knapp. „Keine Sorge. Ich habe euch nur vorgestellt, damit er weiß, dass du zu mir gehörst – und dass es Grenzen gibt.“
Ich atme tief ein, doch die Unruhe bleibt. Unwillkürlich mustere ich den Mann. Sein Blick ist schwer zu deuten, höflich an der Oberfläche, aber unangenehm aufmerksam. Für einen Moment fühle ich mich, als wäre ich nicht mehr nur Gast dieses Abends, sondern Teil eines Spiels, dessen Regeln ich noch nicht kenne.
Langsam gehen wir zurück zur Loge. Kurz bevor wir eintreten, beugt sich Rainer leicht zu mir. „Wenn das Stück beginnt, bleib bitte genauso ruhig und aufmerksam wie vorhin. Beine geöffnet ruhig etwas weiter es passiert dir ncihts“ Ich sehe ihn an, schlucke und nicke schließlich. In der Loge wird das Licht dunkler, der Vorhang hebt sich, und ich nehme meinen Platz ein – angespannt, aber bemüht, mir nichts anmerken zu lassen folge ich seiner Anweisung.
„Schön“, höre ich Rainer leise sagen. Dann reicht er mir erneut ein Glas Champagner. Diesmal geschieht nichts weiter. Nach und nach gelingt es mir sogar, dem Stück zu folgen. Die Stimmen auf der Bühne, das gedämpfte Rascheln im Zuschauerraum und das Klirren der Gläser in der Ferne verschmelzen zu einer seltsamen, beinahe unwirklichen Atmosphäre.
Kurz vor dem Ende des Stücks neigt Rainer sich zu mir. „Entspann dich. Danach gehen wir nebenan mit dem Bürgermeister essen. Ich möchte, dass du ruhig bleibst, aufmerksam zuhörst und dich zurückhältst. Deine Beine sind beim Sitzen immer so geöffnet wie gerade“ Noch bevor ich etwas erwidern kann, steht er auf. Der Applaus brandet auf, doch ich nehme ihn nur gedämpft wahr.
Im Restaurant wirkt alles noch formeller. Ich setze mich so, wie Rainer es erwartet, und versuche, Haltung zu bewahren. Er bestellt für mich, der Wein wird eingeschenkt, und ich spüre langsam, wie der lange Abend und der Alkohol ihre Wirkung zeigen. Das Essen ist gut, die Gespräche höflich, doch unter der Oberfläche bleibt eine Spannung, die nicht nachlässt. Gegen Mitternacht verabschieden wir uns schließlich und gehen zum Wagen.
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