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ersten dominanten Vorgaben

Chapter 14 by rallebonn

Er deutet auf das Sofa, und ich setze mich wieder hin. Die Bewegung wirkt nebensächlich, doch in mir bleibt ein leises Unbehagen zurück. Ich überschlage die Beine, halte mich an meinem Glas fest und nippe verlegen an dem Drink. Er beobachtet mich mit einem Lächeln, das schwer einzuordnen ist. „Du wirkst jetzt noch tausendmal interessanter als vorher“, sagt er und trinkt ebenfalls einen Schluck. Einen Moment lang weiß ich nicht, ob es ein Kompliment sein soll oder eine Prüfung. Dann reden wir weiter, beinahe beiläufig, über Länder, in denen wir schon gewesen sind — als wäre nichts geschehen und als hätte doch alles eine neue Bedeutung bekommen.

Nach und nach entspanne ich mich wieder. Gerade als ich glaube, den Raum besser einschätzen zu können, sagt er: „Ach, darf ich dir übrigens den jungen Mann vorstellen? Das ist Kai, mein persönlicher Sekretär. Er erledigt für mich alles — und erkennt manchmal Wünsche, bevor ich sie ausspreche.“ Kai lächelt mich an, höflich und ruhig, doch sein Blick bleibt einen Augenblick zu lange bei mir. „Ja, das stimmt“, sagt er. „Und im Moment scheint sein Wunsch zu sein, dass Sie die Beine nicht überschlagen.“ Er sagt es so sachlich, dass ich erst nicht weiß, ob es ein Scherz, eine Beobachtung oder etwas ganz anderes ist. Ich reagiere nicht, sondern nippe nur wieder an meinem Drink.

Da rutscht Kai einen Schritt näher. Sein Grinsen ist kaum mehr als ein Schatten, aber es reicht, um die Stille zwischen uns zu verändern. „Jetzt“, sagt er leise. Nicht laut, nicht drängend — eher so, als hätte er den Moment nur benannt, der ohnehin schon im Raum stand. Seine Hand bewegt sich in meine Richtung, hält jedoch inne, bevor aus der Geste etwas Eindeutiges werden kann. Ich merke, wie ich zögere. Dann löse ich die Haltung von selbst, langsam und mit dem unangenehmen Gefühl, dass diese kleine Bewegung mehr verrät, als ich sagen möchte.

Kai rückt wieder zurück, als wäre nichts geschehen. Rainer dagegen mustert mich mit einer Deutlichkeit, die kein weiteres Wort braucht. „Du bist wunderschön“, sagt er, nimmt einen Schluck und stellt das Glas langsam ab. Dann fragt er, ob ich tanzen möchte. Ich zögere. Sein Lächeln verändert sich kaum, und doch liegt plötzlich etwas Unausweichliches darin. „Das war eher keine Bitte“, sagt er ruhig. „Ich möchte, dass du tanzen gehst.“ Mir steigt die Röte ins Gesicht. Einen Moment lang bleibe ich sitzen, gefangen zwischen Trotz und dem seltsamen Gefühl, dass längst alle auf meine Antwort warten. Dann stehe ich langsam auf und gehe zur Tanzfläche. Die Musik empfängt mich wie etwas Vertrautes. Zuerst bewege ich mich vorsichtig, fast widerwillig, doch mit jedem Takt löst sich ein wenig von meiner Anspannung. Wie so oft zieht mich die Musik aus meinen Gedanken heraus, bis ich nicht mehr über jeden Blick, jedes Wort und jede Falte meines Kleides nachdenke. Für einen Augenblick gehört der Raum nicht mehr den anderen, sondern mir.

Ich tanze, bis mir die Zeit entgleitet. Eine Ewigkeit scheint vergangen zu sein, und doch spüre ich Rainers Blick noch immer, als hätte er mich keine Sekunde aus den Augen gelassen. Als ich schließlich zurückkomme, gelöster als zuvor und außer Atem, greife ich noch im Stehen nach einem Glas Wasser und trinke es in einem Zug leer. Erst danach merke ich, wie still es zwischen uns geworden ist. Ich will mich setzen, doch Rainer hebt nur kaum merklich den Kopf und nickt ein leises Nein. Die Geste ist klein, fast beiläufig, aber sie trifft mich sofort. Plötzlich bin ich wieder unsicher, schüchtern und viel zu bewusst in diesem Raum. Ich bleibe stehen, ohne zu wissen, ob ich es tue, weil er es erwartet — oder weil ich längst begonnen habe, auf solche Zeichen zu achten.

Er lächelt mich an, reicht mir meine Handtasche und steht auf, als wäre damit etwas beschlossen, worüber niemand mehr sprechen muss. „Du solltest jetzt nach Hause fahren und auf deinen Mann warten“, sagt er ruhig. Der Satz klingt höflich, beinahe fürsorglich, und doch bleibt darin etwas zurück, das ich nicht sofort einordnen kann. Gemeinsam gehen wir zum Wagen. Während der Fahrt reden wir wieder über ganz gewöhnliche Dinge, über Alltag, Wege, kleine Zufälle — alles klingt normal, fast beruhigend. Aber je näher wir meinem Zuhause kommen, desto deutlicher wird mir, dass seine Art längst Spuren hinterlassen hat. Und vielleicht nicht nur seine. Auch meine Reaktion darauf beginnt mir bewusster zu werden, leise und unausweichlich, wie ein Gedanke, den man nicht mehr zurück an seinen Platz schieben kann.

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