Heisst es bald Aussteigen?
Wie Hündin zum Ausstieg
Zwei Stationen vor der Endstation steht Lukas plötzlich auf und greift nach der Leine.
„Mitkommen, Sklavin.“
Mein Herz setzt einen Schlag aus. Er führt mich wie eine Hündin – für alle gut sichtbar – durch den ganzen Waggon. Die Leine ist straff, mein Kopf leicht gesenkt. Die Gruppe der jungen Männer von vorhin verstummt fast vollständig. Ich spüre ihre Blicke wie Nadelstiche im Rücken. Gerade noch hatten sie einen gewissen Respekt vor mir nach der Ohrfeige – jetzt sehe ich förmlich, wie er wieder schwindet. Ich bin nicht mehr die starke Frau, die zurückschlägt. Ich bin die Sklavin, die an der Leine geführt wird.
Es ist zutiefst erniedrigend.
Am Bahnhof der kleinen Stadt haben wir zum Glück Glück: Es sind nur wenige Menschen unterwegs. Lukas hakt die Leine aus, sobald wir den Bahnsteig betreten. Ich atme auf. Er erlaubt mir sogar, die High Heels gegen bequeme Sneakers zu tauschen, die er vorausschauend eingepackt hatte. Meine Füße danken es mir sofort.
Dann kommt der nächste Befehl, ruhig und unerbittlich:
„Sklavin, jetzt machen wir eine längere Wanderung. Du läufst immer zwei bis vier Meter Abstand hinter mir. Es ist auch verboten, auch nur ein Wort zu sprechen.“
Ich nicke stumm. Kein „Ja, Meister“. Nichts.
So gehen wir los.
Ich trotte hinter ihm her, den Blick meist auf seinen Rücken gerichtet, den Abstand genau einhaltend. Die helle Bluse, der kurze enge Rock, die Strümpfe mit Strapsen darunter – das Outfit passt definitiv nicht zu einem sonntäglichen Spaziergang in der Natur. Ich spüre die fragenden und gierigen Blicke der wenigen anderen Spaziergänger. Ein älteres Paar schaut irritiert. Ein Mann mittleren Alters dreht sich sogar nach mir um.
Je länger wir laufen, desto mehr realisiere ich, wie perfide diese Art der Demütigung ist. Hinterherlaufen mit Abstand. Es sieht aus, als hätten wir Streit. Als wäre ich ihm hinterhergeschlichen, kleinlaut und bestraft. Gleichzeitig können die Leute mich viel ungenierter anstarren – weil Lukas ein paar Meter vorausgeht und sie nicht fürchten müssen, von ihm dabei erwischt zu werden.
Meine Wangen glühen. Die Mischung aus Scham und Erregung wird immer stärker. Jeder Schritt erinnert mich daran, was ich bin: seine Sklavin. Heute. Den ganzen Tag. Ohne eigene Stimme. Ohne eigene Entscheidungen.
Die Landschaft um uns herum wird schöner – ein kleiner Fluss, Wiesen, leichte Hügel. Die Sonne scheint warm. Aber ich nehme es nur am Rande wahr. Mein ganzer Fokus liegt auf Lukas’ Rücken, auf dem Abstand, auf dem Verbot zu sprechen und auf den Blicken der Menschen, die uns begegnen.
Nach einer guten halben Stunde spüre ich, wie meine Beine schwerer werden und meine Gedanken ruhiger. Eine seltsame, demütige Ergebenheit breitet sich in mir aus.
Ich weiß nicht, wohin er mich führt. Ich weiß nur, dass ich ihm folge.
Und dass ein Teil von mir genau das gerade braucht.
Geht Wanderung noch lange?
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