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Chapter 28 by kokosmilch kokosmilch

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Unausgesprochen

Julia schielte, so dicht stand er vor ihr. STAND ER. Der Duft, den sie mit jedem Atemzug inhalierte, sagte mehr als alle Worte. Leon schaute auf sie herab. Nicht fordernd, nicht drängend. In seinem Blick lag eine unausgesprochene Frage: "Willst du?"

Es war der eine Moment vor der Entscheidung. Noch könnte sie einfach aufstehen und gehen.

Sie blieb.

„Ich… äh... das gehört alles zur Recherche,“ stammelte sie, halb an ihn gerichtet, halb an sich selbst. Gleichzeitig wusste sie, es war nicht mehr als eine Schutzbehauptung.

„Dann hoffe ich,“ sagte Leon ruhig, „dass du zu Ende recherchierst.“

Sie fasste seinen pochenden Stab, spürte die Hitze, fühlte das Pulsieren einer Ader unter der Haut. Ihr eigener Puls raste. Ihre Kehle war wie zugeschnürt. Sie öffnete ihren Mund.

Er schmeckte ein wenig bitter, ein wenig erdig.

Was dann passierte?

Sagen wir so: Julia hat ihre journalistische Sorgfaltspflicht sehr gründlich erfüllt.

Es war ein Gespräch auf Augenhöhe. Ihre Augen - sein Bauchnabel. Wie bei jedem guten Interview kam es nicht nur auf die richtigen Fragen an, sondern auf den Rhythmus. Langsam anfangen, aufwärmen, dann Tempo machen, die richtigen Pausen einlegen, und auch mal die Stille wirken lassen. Aber den Partner nie hängen lassen.

Ihre Lippen und ihre Zunge leisteten ganze Arbeit. Nur zum Reden und Fragen stellen kam sie nicht mehr. Und doch bekam sie mehr aus ihm heraus, als sie erwartet hatte. Manche Antworten hört man nicht – man spürt sie. Und muss schlucken, was man bekommt.

Danach fühlte sie sich ausgelaugt – aber auch merkwürdig erfüllt.

Recherche kann so anstrengend sein.

Leon griff nach der Kamera. „Du brauchst doch noch Bilder für deine Story, oder?“

Julia riss die Augen auf. „Jetzt? So wie ich aussehe?“

„Na klar. Authentizität ist alles im investigativen Journalismus.“

Er grinste, und ehe sie protestieren konnte, hörte sie das vertraute Klick.

Klick. Klick - klick - klick.

„Perfekt. Das sieht nach echter Recherche aus.“ Leon zeigte ihr die Bilder auf dem Display.

Sie mit zerzausten Haaren, verwischtem Lippenstift, mit hochrotem Kopf. Der Kimono verrutscht, offen. Alles sichtbar.

Die Fotos erzählten mehr, als sie je schreiben könnte.

„Das... das kann ich niemandem zeigen.“

„Unsinn,“ meinte Leon. „Das ist genau das, was deine Leser sehen wollen: eine Reporterin, die sich richtig ins Thema hineinkniet.“

Julia verdrehte die Augen. „Sehr witzig.“

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