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Chapter 3 by Lysarion Lysarion

What's next?

Steigende Kreise

Die Antwort kam schneller, als ich erwartet hatte.

„Du glaubst also, du könntest das?“

Kein offener Widerspruch. Kein direktes Einlassen. Aber schon eine gewisse Aufmüpfigkeit. Aber darunter lag etwas. Ein Zweifel. Oder ein bewusst gesetzter Reiz.Ich betrachtete den Satz einen Moment.Nicht defensiv. Nicht ablehnend. War das prüfend gemeint? Jedenfalls hatte sie nicht versucht das Ganze in Geld umzumünzen.

Ich begann zu tippen, hielt dann kurz inne und formulierte neu. Verwarf den Text und begann wieder zu tippen. Ich war mir selber nicht sicher, aber ich entschloss mich zur Provokation.

„Was glaubst du, wie sich der **** einer Gerte anfühlt?“

Ich schickte die Nachricht ab, ohne weiteren Zusatz.

Keine Erklärung. Keine Einordnung. Nichts das ihr einen Hinweis geben würde.

Nur die Worte und die Leerstellen dazwischen die sie selbst ausfüllen musste.

Ihre Antwort ließ etwas länger auf sich warten. Ich arbeitete weiter.

„Sie scheidet in mich, stechend intensiv.“

Ich lehnte mich zurück. Dachte über eine Antwort nach, da kam „ping“ eine neue Nachricht.

„Sie schneidet in mein Leben. Kommt darauf an, wer sie hält.“

Ausweichend. Und gleichzeitig nicht. Sie blieb im Spiel, ohne sich festzulegen. Deutete Konsequenzen an ohne diese auszumalen. Ich trank genüsslich eine Tasse Kaffee. Dieses Spiel fing an wirklich interessant zu werden.

Ich tippte erneut. Jetzt wollte ich sie nicht vom Haken lassen.

„Dann stell es dir vor wie sie in Dein Leben schneidet.“

Eine kurze Pause. Ich ließ mir Zeit, bevor ich weiterschrieb.

„Beschreib mir, wie es wäre, wenn du die Kontrolle abgibst.“

Diesmal dauerte die Antwort etwas länger.

Ich arbeitete nebenbei, zumindest oberflächlich. Ein paar Mails, ein Blick in ein offenes Projekt. Das musste warten meine eigentliche Konzentration war woanders. Aber meine Aufmerksamkeit kehrte immer wieder zu dem kleinen Symbol zurück, das anzeigte, dass sie tippte… dann wieder nicht… dann wieder doch.

Als die Nachricht kam, war sie länger.

„Auch das ist ****, wenn der Falsche in das Leben schneidet. Angst geführt zu werden... Wohin? Vielleicht über den Regenbogen, vielleicht in die Hölle.“

Ich las sie langsam. Das war noch immer vage, andeutend. Vorsichtige Annäherung an die Idee, ohne sich vollständig darauf einzulassen. Aber nicht plump.

Ich lächelte, wahrscheinlich fragte sie sich mit wem sie schrieb. Mein Instaprofil war nichtssagend professionell. Keine verräterischen Formulierungen. Keine anstößigen Bilder.

Trotzdem antwortete sie, auch wenn sie an den entscheidenden Stellen auswich.

Aber nicht vollständig. Gerade genug, um weiterzugehen. Gerade genug, um den Einsatz zu erhöhen.

Ich ließ mir Zeit mit der Antwort. Wenn man interessant ist, dann machte man sich am besten rar. Nicht aus Unsicherheit, sondern weil es Teil der Dynamik ist.

„Du bleibst an der Oberfläche.“

Ich schickte es ab. Dann, etwas später:

„Was genau hält dich zurück?“

Und noch eine Nachricht, gezielter:

„Was macht dir daran Angst?“

Die Antwort kam schneller. Zu schnell, um vollständig kalkuliert zu sein.

Ich las sie zweimal. Sie bestand aus einem Wort:

„Du“

Da war er. Nicht offen ausgesprochen, aber erkennbar: ein tatsächlicher Gedanke, kein reiner Köder. Was auch immer am Anfang Ihre Motivation gewesen war,ich spürte, wie sich etwas verschob. Bei ihr – bei mir – konnte ich schon uns sagen?

Im Laufe des Abends steigerte ich die Anforderungen. Wir schrieben den ganzen Abend und die halbe Nacht. Auch wenn es persönlicher wurde, präziser und ich sie mehr ausführen ließ, blieb ich aber selbst auf Abstand.

Nicht der **** interessierte mich. Nicht einmal die Andeutung von Intimität. Was mich faszinierte war die Kontrolle. Es war die Art, wie sie reagierte, wo sie zögerte und wo sie nachgab. Wo sie unsicher war und vor allem: wo sie es bewusst tat.

Ich hatte wenig geschlafen, als die Vögel mich weckten. Ich schwang die Beine aus dem Bett und begab mich ins Bad. Ich ließ kaltes Wasser über mein Gesicht laufen. War das wahr? Ich schaute auf das Handy, ja es war es! Ein Bild einer sich verneigenden Frau und „Guten Morgen“. Ich schüttelte den Kopf. Normalerweise halfen mir meine Morgenspaziergänge im Wald den Kopf freizubekommen. Doch heute funktionierte es nicht. Etwas blieb hängen das mich reizte, etwas blieb hängen das mich warnte.

Der Vormittag war angefüllt mit Projektbesprechungen Telefonkonferenzen, Finanzmeetings. Erst am Nachmittag kam ich dazu mir ihre Bilder systematisch anzusehen.

Nicht flüchtig. Sondern strukturiert. Zwei KI-Assistenten setzte ich zusätzlich an. Ich sah es mir an: Post für Post. Schaute auf die Details, Hintergründe. Kleidung. Umgebung.

Da waren keine offensichtlichen Hinweise auf Wohlstand. Keine Marken. Keine Inszenierung von Luxus. Also all das, was ich erwarten würde. Nichts, was eindeutig in die typische Richtung wies. Nicht das, was das typische Influencer Getue war.

Das passte nicht ganz. Wenn es ein Geschäft war, dann ein ungewöhnlich zurückhaltendes. -Oder ein anderes.

Ihre nächste Nachricht kam ohne direkten Bezug zum vorherigen Verlauf.

„Was, wenn das kein virtuelles Spiel ist?“

Ich las den Satz erneut. Dann die zweite Nachricht:

„Was, wenn ich dich zu mir einlade?“

Himmel! Diese Dynamik war mir zu schnell. Ich reagierte nicht sofort.

Das war zu direkt. Zu früh. Oder aber – ich stand auf und ging zum Fenster - oder aber es war genau richtig platziert. So als wüsste sie mehr über mich als ich ahnte.

Ich stand auf, ging ein paar Schritte durch den Garten. Der Tag war licht und hell und doch war ich an einem Punkt, an dem sich Dinge verschieben konnten, an dem es beginnen konnte schief zu gehen, oder auseinanderfallen.

Als ich wieder zum Schreibtisch zurückkehrte, war eine weitere Nachricht eingegangen.

Kein Text. Nur eine Verbindung. Eine Eisenbahnverbindung der Deutschen Bahn.

Ich öffnete sie. Freitag. Abfahrt am frühen Nachmittag. Ziel ein Bahnhof in der Schweiz.

War das zu schnell oder präzis auf mich zugeschnitten? Oder der Weg zweier Menschen die dasselbe umtreibt?

Ich lehnte mich zurück. Die Frage nach dem Geld war immer noch offen. Vielleicht kam sie noch. Vielleicht war sie subtiler verpackt. Wenn ich sie besser kannte, so eine Bitte um Hilfe, weil etwas unvorhergesehenes passiert sei. Dann konnte ich immer noch ablehnen. Nein, ich schüttelte den Kopf das hier war anders. Meine Intuition sagte mir das es nicht das übliche Abzockespiel war.

Oder…Ich öffnete ihr Profil erneut. Ging die Bilder noch einmal durch. Natürlich waren da keine Veränderung und auch keine neuen Hinweise.

Eine andere Möglichkeit drängte sich auf. Unwahrscheinlich. Aber nicht denkunmöglich.

Ich spielte den Gedanken durch. Meine Arbeit war manchmal eine sehr diskret, um nicht zu sagen heikle. Wer hätte ein Interesse daran, diesen Aufwand zu betreiben?

Und vor allem: warum? Gab es etwas, was mich auf den Schirm der Organisationen, welche die Fähigkeit zu solchen Operationen hatten, gebracht haben konnte?

Ich ging gedanklich meine Projekte durch. Auftraggeber, Kontakte. Entscheidungen der letzten Jahre. Nichts ergab ein schlüssiges Bild. Natürlich konnte man nie sicher sein, aber für einen validen Ansatz war das zu viel Konstruktion und zu wenig Substanz.

Ich kehrte zum Chat zurück. Drei Nachrichten von ihr. Die letzte: ein Einfaches „?“

Ich ließ mir Zeit, bevor ich antwortete.

Dann schrieb ich: „Du gehst schnell vor. Aber ich werde kommen. Genieß die Tage Deiner Freiheit.“ Dazu packte ich ein Foto einer Reitgerte.

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