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Chapter 3
by
Papas_Liebling
What's next?
Soraya
Nach dem Gespräch mit Lars Holmgren war Marie ernüchtert. Er hatte kaum etwas gesagt und doch war die Botschaft bei ihr angekommen: Sie war hier nicht erwünscht, wurde aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Kurz zusammengefasst: Weil sie eine Frau war, war sie weniger wert.
Marie legte das Telefon beiseite und merkte erst jetzt, wie leer ihr Magen war. Sie stand auf und suchte routiniert nach einer Minibar. Nichts. Nicht einmal Wasser, außer dem, das aus dem Wasserhahn im Bad kam. Es war kein Versehen, das spürte sie sofort, sondern Teil der Ordnung. Versorgung nach Rang, nicht nach Wunsch.
Ausgehen kam nicht infrage. Das wusste sie so sicher, dass sie den Gedanken nicht zu Ende denken musste. Eine Frau ohne Begleitung, fremd, sichtbar – selbst wenn es erlaubt gewesen wäre, hätte sie es nicht gewagt. Also blieb nur der Zimmerservice. Aber wie? Es gab kein Haustelefon, keine Gegensprechanlage. Sollte sie mit ihrem Smartphone die externe Rufnummer des Hotels herausfinden und dort anrufen? Oder könnte sie es wagen, allein hinunter in die Lobby zu fahren?
Noch während sie darüber nachgrübelte, klopfte es.
Marie richtete sich auf, strich geistesabwesend die Jacke ihres Businesskostüms glatt.
„Herein.“
Die Frau, die eintrat, schien den Raum sofort zu verändern. Sie war groß, mit langen, schwarzen Haaren, die perfekt gestylt offen über ihre Schultern fielen. Ihre Haut hatte einen warmen Ton, der im künstlichen Licht exotisch schimmerte. Ihr rotes Kleid war eng geschnitten und betonte jede ihrer ansehnlichen Kurven. Für Maries Geschmack war es zu tief ausgeschnitten, allerdings ohne vulgär zu wirken – es vermittelte eher den Eindruck, dass die Trägerin sich damit bewusst in Szene setzte.
Die Fremde lächelte, warm, freundlich.
„Guten Abend, Marie“, sagte sie mit weicher, dunkler Stimme. „Mein Name ist Soraya.“
Marie ließ sie eintreten. Sie war gebrieft worden, dass es in den USA üblich war, sofort ohne förmliche Vorstellung zum vertraulichen Anreden mit dem Vornamen überzugehen. Insbesondere gegenüber Frauen. Darum war sie nicht überrascht und ging ohne Umschweife darauf ein.
„Guten Abend, Soraya. Schön, dich kennenzulernen.“
„Herr Jenkins, der Verhandlungsführer unserer Regierung“, fuhr Soraya fort, während sie die Tür hinter sich schloss, „hat mich gebeten, mich um den Gast zu kümmern.“
Der Gast. Nicht die Diplomatin, nicht die Referentin. Marie nickte automatisch. Selbst mit einer Höflichkeitsgeste wurde sie auf ihren Platz verwiesen.
„Vielen Dank, das ist sehr freundlich. Vielleicht kannst du mir einen Tipp geben. Ich wollte mir etwas zu essen bestellen.“
Soraya lächelte erneut und wirkte dabei sehr zufrieden. „Selbstverständlich. Aber das ist nicht nötig. Ich bin gekommen, um dich in ein Restaurant auszuführen.“
Sie sah sich um und bewegte sich mit einer Selbstsicherheit durch den Raum, als wäre sie hier zu Hause. Ihre hohen Absätze waren auf dem dünnen Teppichboden kaum zu hören. Ihr Kleid umschmeichelte ihren Körper, ohne Interpretationsspielraum zu lassen. Nichts an dem, was sie tat, wirkte zufällig.
„Eine Sekunde, ich brauche nur meine Handtasche mit den Papieren“, nahm Marie die Einladung an.
„Auch das wäre nicht nötig, wenn du in meiner Begleitung unterwegs bist. Aber selbstverständlich kannst du alles mitnehmen, was du möchtest.“
Marie brauchte nicht lange, um ihre Sachen aufzunehmen.
„Arbeitest du für das Wirtschafts- oder das Außenministerium?“, fragte Marie, mehr um die Zeit zu überbrücken als aus echtem Interesse.
Soraya schüttelte den Kopf. „Nein.“
Kurze Pause.
„Ich arbeite für den Staat.“
Das sagte sie ohne Unterton. Eine Feststellung.
Marie trat auf den Flur und erst in diesem Moment wurde ihr bewusst, dass man ihr keine Zimmerkarte oder einen Schlüssel gegeben hatte. Wie sollte sie wieder zurückkommen? Aber das war ein Problem, das sie lösen würde, wenn es soweit war.
Soraya folgte ihr dichtauf und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Sie war der Beweis dafür, wie dieses Land Fürsorge für Frauen definierte.
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Amerika 2075
Eine dystopische Zukunft ... oder doch nicht?
**Diese Geschichte ist reine Fantasie und hat keinen Bezug zur Realität und stellt keinen Kommentar zu tatsächlichen Ereignissen oder Personen dar.** - Die USA haben gewählt und einen Präsidenten an die Macht gebracht, der das Land Zug um Zug in eine frauenfeindliche Diktatur umwandelte. Internationale Handelsbeziehungen wurden gekappt, die Grenzen abgeschottet. Fünfzig Jahre in unserer Zukunft lässt das Regime einige Ausländer ins Land, um ein Handelsabkommen auszuhandeln. Was werden sie vorfinden? Werden sie Amerika verändern oder wird Amerika sie verändern?
Updated on Jun 12, 2026
by Papas_Liebling
Created on Dec 29, 2025
by Papas_Liebling
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