Hoffentlich macht sie der Kommentar nicht sauer...
Sie bleibt cool
Wenn Pandora etwas gegen diese Charakterisierung einzuwenden hatte, ließ sie es sich zumindest einmal nicht anmerken. "Eins muss ich noch mit euch durchgehen", sagte sie. "Ihr wollt diese Asha dazu überreden, sich uns anzuschließen und ihr jetziges Leben hinter sich zu lassen, korrekt?"
"Das ist der Plan", gab Alex zurück. "Wenn alles klappt, nehmen wir sie gleich heute mit."
"Und wenn es nicht klappt? Wenn sie nicht mitwill?"
Jessie seufzte leise. "Dann lassen wir sie hier. Ist ihre Entscheidung."
Einen kurzen Moment schwieg Pandora, ehe sie wieder den Faden aufnahm. "Okay. Es ist also keine Option, dass ihr einen Kontakt hinterlasst, an dem sie sich melden kann, wenn sie erst später zu uns stoßen will?"
"Hey, das ist keine schlechte Idee", meinte Alex. "Damit nehmen wir den Druck aus-"
"Das ist eine Scheißidee", unterbrach ihn Pandora, "irre riskant, weil wir damit eine nachverfolgbare Spur legen. So was abzusichern ist fast unmöglich!"
Alex blinzelte verwirrt. "Warum hast du es dann vorgeschlagen?"
Pandora schnaubte. "Ich hab's nicht vorgeschlagen, ich wollte sicherstellen, dass ihr gar nicht erst auf den dummen Gedanken kommt. Wenn das hier für uns safe ablaufen soll, dann muss alles heute passieren. Kein zweiter Kontakt mit ihr. Macht ihr das klar! Nicht, dass sie denkt, sie hätte noch Zeit zum Überlegen."
"Verstanden", antwortete Jessie. "Wir sagen Asha, was Sache ist. Aber mit ihr reden dürfen wir noch selbst, ohne dass du dich einmischst, oder?"
"Selbstverständlich", gab Pandora zurück. "Sonst wärt ihr ja vollkommen unnötig hier, oder?"
Als sie schließlich in die Kleinstadt hereinfuhren, merkte Alex schnell, dass das hier kein so verschlafenes Nest war, wie er es befürchtet hatte. Zwar gab es hier einen historischen Stadtkern mit Gebäuden teilweise aus dem 18. Jahrhundert, aber dort hatten sich inzwischen moderne Shops und Boutiquen niedergelassen, und schon jetzt in den Morgenstunden war gut Betrieb. Pandora hatte ihn zu einem Parkhaus gelotst, bei dem sie ihm die Schranke öffnen konnte, so dass das Auto bei der Einfahrt nicht registriert wurde, und auf Alex' Handy hatte sie inzwischen eine Bezahlapp installiert, damit er auch beim Einkaufen keine nachverfolgbare Spuren hinterließ. Sie mochte eine ziemlich dominante Persönlichkeit haben, aber auf ihrem Gebiet schien sie ein Profi zu sein.
Jessie und er besorgten sich vor Ort etwas konservativere, unauffällige Kleidung, die zu Beamten passen würde, und dann schlenderten sie noch eine Zeit lang durch die Straßen des Städtchens. Es war kurz vor zehn, als Jessies Handy klingelte, und sie nahm ab. "Ja?"
"Kuckuck, ihr zwei", kam Pandoras Stimme aus dem Lautsprecher. "Schaut mal unauffällig nach links oben, zu der Straßenlaterne."
"Die Laterne...? Ah!" Jessie nickte, als sie die kleine Drohne dort bemerkte. "Du hast uns also schon im Blick."
Pandora schien davon amüsiert. "Ich hab euch schon im Blick, seit ihr aus dem Parkhaus raus seid", sagte sie. "Gut, dass ihr mich bis eben noch nicht bemerkt habt. Auch ihr werdet bis jetzt noch nicht überwacht, aber das kann sich ändern. Satellitenüberwachung kriegen die schnellstens in zehn oder zwölf Minuten geschaltet, dafür sind hier in der Stadt insgesamt vierundzwanzig Kameradrohnen unterwegs - das ist ein bisschen viel für einen Ort ohne große Vorkommnisse. Eine davon ist wohl dem Platz zugeteilt, an dem das Restaurant liegt. Ich geb euch in einen guten Moment ein Signal, wenn sie gerade nicht hinsieht - dann nehmt ihr Kontakt auf."
Beeindruckt nickte auch Alex in Richtung von Pandoras Drohne. "Du hast das echt im Griff", sagte er. "Fühl mich richtig sicher in deiner Gegenwart."
"Fühl dich nur nicht zu sicher", gab sie zurück. "Wachsam bleiben. Sechs Augen sehen mehr als zwei."
Zusammen mit Jessie drehte er noch eine Runde durch das Einkaufsviertel, dann machten sie sich auf den Weg zu ihrem Ziel - Ashas Restaurant lag am Rande eines Platzes, in dessen Mitte sich ein Springbrunnen und ein paar Sitzgelegenheiten befanden und um den herum sich hauptsächlich Straßengastronomie angesiedelt hatte - Hamburger, Döner, Tacos, aber eben auch das kleine indische Restaurant, das Asha betrieb. Im Moment war hier noch nicht viel Betrieb; nur wenige Leute waren unterwegs, da bis auf einen extrem kleinen arabischen Supermarkt und ein einfaches Hotel noch alle Geschäfte geschlossen waren. Pandora hatte sie ja schon auf die Überwachung vor Ort aufmerksam gemacht, und Alex musste auch nicht lange suchen, ehe er die recht große gelb-schwarz lackierte Helikopterdrohne sah, welche in etwa vier Meter Höhe durch die Luft surrte. Pandoras Gerät war dagegen wirklich extrem klein und unauffällig.
Alex und Jessie schlenderten auf den Springbrunnen zu und warteten auf das Signal, und das kam auch in Form eines Vibrationsalarms auf ihren beiden Handys. Sie nickten einander noch einmal zu und schritten dann zu Ashas Restaurant, wo Jessie an die Tür klopfte. Einen Moment lang geschah nichts, dann trat von innen ein Schatten heran. "Ja?" hörten sie eine angenehme weibliche Stimme.
"Gesundheitsinspektion", sagte Jessie vernehmlich. "Wir hatten uns vor ein paar Tagen angekündigt."
"Ah. Moment." Das Geräusch eines Schlüssels war zu hören, dann schwang die Tür auf.
Und vor Alex und Jessie stand eine in fast transparente Tücher gekleidete, üppig gebaute Frau Ende zwanzig, die sie freundlich anlächelte. "Bitte", sagte sie, "kommen sie doch herein."

0 comments
No comments yet
The story has no discussion yet. Leave a note here when a branch gives you something to say.
No chapter comments yet
No one has commented on this branch yet. Add the first note above.