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Chapter 9 by Daemony Daemony

What's next?

Schritte

Carola lag auf dem Rücken auf der Steinplatte, die hart gegen ihre Schulterblätter drückte, ihre Wirbelsäule, ihre Beine. Die Sterne über ihr waren grausam schön, verstreut über den schwarzsamtenen Himmel wie tausend Augen. Sie beobachteten sie. Sie fühlte sich bloßgestellt. Als hätte George ihr nicht nur ihre Kleidung genommen, sondern auch ihre Würde – und sie hatte es zugelassen. Schlimmer noch: Sie hatte es gewollt.

Sie konnte sich nicht zudecken, selbst wenn ihre Hände nicht gefesselt gewesen wären. Die Decke, die sie im Zelt zurückgelassen hatte, schien ihr nicht mehr zu gehören. Nichts gehörte ihr. Nicht ihr Atem, nicht ihr zitternder Körper, nicht die fiebrige Hitze, die noch immer zwischen ihren Beinen brodelte. Nicht einmal ihre Gedanken.

Sie dachte über die Aufgabe nach, die er ihr gestellt hatte. Was für eine Strafe sollte sie verdienen? Ihre Gedanken kreisten um diese eine Frage. Eine Liturgie der Buße.

Carola hatte keine Antwort. Noch nicht. Sie wusste noch nicht einmal, was sie nicht bereit war zu tun. Und das erschreckte sie mehr als alles andere.

Ungewollt tauchten Bilder und Ideen in ihrem Geist auf. Seine Gestalt in der Dunkelheit. Die Leine. Ihre eigenen Schritte im nassen Gras. Das Kitzeln der Luft auf ihren Brüsten, die schamvolle Erregung bei dem Gedanken, dass jemand einen Reißverschluss öffnete – eine Taschenlampe, ein überraschtes Keuchen, ein Flüstern: Ist das Carola? Ist sie nackt? Wach auf, schau! Pater Georg führt sie an der Leine.

Sie schüttelte den Kopf, kniff die Augen zusammen. Das war nicht passiert. Aber es hätte passieren können. Und die Möglichkeit schwebte noch immer wie kalter Rauch in der Luft.

Eine Windböe raschelte in den Bäumen. Der Wald flüsterte. Der See hinter dem Camp gab ein hohles Glucksen von sich, wenn das Wasser ans Ufer schlug.

Sie dachte an Lucia. Lichtbringerin. Hoffnung. Gab es noch Hoffnung für sie?

Sie fragte sich, was Georg empfand, wenn er sie bei dieser Buße anleitete. Genoss er es oder hasste er sich selbst dafür? War er vielleicht ins Zelt zurückgekehrt, um unbeobachtet auf die Knie zu fallen und um Erlösung zu flehen? Oder lag er wach, die Augen in der Dunkelheit geöffnet, und überlegte, wie er sie noch weiter brechen könnte?

Und was, wenn er nie wiederkam? Wenn er sie hier liegen ließ? Nackt, gefesselt, hilflos. Bis in den Morgen, wenn die jungen Männer und Frauen aufwachten und zum Lagerfeuer strebten, um gemeinsam zu frühstücken?

Aber was, wenn er wiederkam, sie befreite und in ihr Zelt zurückbrachte, ehe jemand irgendetwas bemerkte. Wenn sie sich anzog, mit den anderen aufstand. Wenn das alles gewesen war und der Rest ihres Lebens unverändert weiterging – nur mit der Erinnerung an diese einzige Nacht, tief in ihr vergraben, die still wie eine Glut in ihr brannte?

Ein Zweig knackte.

Sie erstarrte.

Das unverkennbare Geräusch von Schritten auf Kiefernnadeln und Kieseln.

Jemand kam. Näher.

Ihr Herz blieb fast stehen. Dann schlug es wie wild.

Sie wollte den Kopf drehen, um nachzusehen, wer es war. Sie öffnete den Mund, um zu rufen... Aber - wenn es Georg war? Er hatte ihr nie erlaubt, sich zu bewegen. Ihr nicht gestattet, das Schweigen zu brechen.

„Lucia?“

Der Name lag ihr auf der Zunge, aber sie sprach ihn nicht aus. Sie schloss den Mund, bevor eine einzige Silbe ihn verlassen hatte.

Die Schritte kamen näher, langsam, bedächtig, zielstrebig. Nicht schlurfend wie ein Camper, der schlaftrunken zum Waldrand schlich, um zu pinkeln.

Jemand, der einen Grund hatte, hierher zu kommen.

Ihre Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt. Ihr Atem kam in kurzen, scharfen Stößen.

Und dann...

Die Schritte verstummten. Die Gestalt war stehen geblieben. Irgendwo außerhalb ihres Blickfeldes.

Die Nacht hielt den Atem an. Die Sterne über ihr spendeten keinen Trost.

Nur Stille.

Und Dunkelheit.

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