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Chapter 2 by daimon daimon

What's next?

Besuch aus der Heimat (20. März)

Mustafa war vor vier Monaten nach einer abenteuerlichen Flucht in Deutschland angekommen. Er hatte bald nach seiner Ankunft vorläufigen Asylantenstatus bekommen und war seinem Gastland dafür **** dankbar. Voller Freude hatte er den Bart abrasiert, den die neuen Machthaber im östlichen Teil Syriens vorgeschrieben hatten. Danach fühlte er sich einerseits nackt, andererseits aber auch frei. Dass einige Menschen in misstrauisch beäugten, wunderte ihn nicht, bei den Übergriffen, die sich manche von der Situation überforderte Neuankömmlinge leisteten.

Er hatte die vorgeschriebenen Kulturseminare und Sprachkurse besucht, hatte sich fest vorgenommen, sich zu integrieren, einen Job zu finden und irgendwann ein guter Deutscher zu werden.

Mustafa war sich bewusst, dass die Regeln seiner Heimat in diesem Land der Ungläubigen keine Gültigkeit hatten. Wie die meisten Syrer seiner Generation war er ein eifriger Nutzer von Internet und sozialen Medien und war daher einigermaßen vorbereitet auf das überreiche Angebot an Nahrung, sowohl für den Bauch als auch für die Augen. Mustafa liebte das deutsche Wort "Augenschmaus", der besonders gut für die Einblicke zutraf, die die hiesigen Mädchen freizügig gewährten.

Dann hatte er seinen alten Freund Ali getroffen. Ali stammte wie er aus Deir ez-Zor, war aber schon seit drei Jahren in Deutschland. Mustafa hatte den Kontakt zu ihm die ganze Zeit über in den sozialen Medien aufrechterhalten. Eigentlich hatten sie vorgehabt, sich zu treffen, sobald Mustafa die Flucht aus Syrien geglückt wäre. Ihr Vorhaben hatte sich verzögert, weil Ali zunächst in Norddeutschland war und nicht zu ihm nach München kommen konnte. Er wollte aus irgendwelchen Gründen auch nicht, dass Mustafa zu Besuch kam. Jetzt war es endlich so weit. Er hatte, wie er sagte, seinen Traumjob in München gefunden.

Zuerst hätte er ihn fast nicht wiedererkannt. Er fuhr ein fettes Motorrad, trug eine schicke Lederkluft, hatte eine modische Frisur und nannte das neueste Smartphone sein eigen. Ali lachte über die Pläne seines Freundes, als dieser ihm stolz die Zukunft ausmalte, die er sich erträumte.

„Lass dich nicht verarschen mein Freund! Das System ist hier genauso verlogen wie zuhause, nur eben anders.“

„Wie meinst du das?“

„Du wirst hier nie auf geradem Weg nach oben kommen. Glaub mir, ich habs versucht.“

„Hmm“

„Eine einfache Frage: hast du schon einmal gefickt, seit du hier bist?“

„…“

„Hast du? Hast du dich schon einmal gefragt, weshalb nicht? Glaubst du etwa, die Deutschen sind besonders prüde oder keusch? Keinesfalls. Die hiesigen Mädchen machen schon in der Schule für jeden, der fragt, die Beine breit . Für jeden, verstehst du, nur für uns nicht!“

„Aber es gibt doch Wichtigeres!“

„Das sagst du jetzt! Glaubst du, du denkst nach einem Jahr wichsen immer noch so? Du wirst Unterarme wie der Schwarzenegger haben, aber immer noch keine Muschi aus der Nähe gesehen haben. In Natura meine ich.“

Mustafa war entsetzt. Ali hatte sich sehr verändert. Was war aus seinem lebensfrohen Freund geworden, der bei allen beliebt war? Er beschloss, sich einfach über das Wiedersehen zu freuen und nicht mit ihm zu streiten.

Dabei hatte er allen Grund, ihm zu widersprechen. Er hatte einige deutsche Freunde, und zwar nicht nur solche, die ihn als Gutes Werk sahen, das ihnen Pluspunkte bei ihrem Gott einbringen würde. Nein, es waren Leute seines Alters, die er in einem Jugendzentrum kennengelernt hatte. Dort hatte er auch Maria getroffen. Er kam ins Schwärmen, wenn er nur an sie dachte. Sie war 18 wie er, hatte langes blondes Haar und einen Körper, der ihm den Verstand raubte. Sie hatten sich schon ein paar Mal nur zu zweit getroffen, waren abgehangen, wie sie das nannte. Einmal hatten sie sich beim nach Hause gehen an den Händen gehalten.

Das war der schönste Moment in seinem bisherigen Leben.

Dann, einige Zeit nach dem Treffen mit Ali, war all das in einem einzigen Moment zerbrochen. Er hatte Maria zufällig auf der Straße gesehen. Sie war nicht allein. Ein Typ hielt sie im Arm. Sie kicherte, er spielte mit ihren Haaren, etwas, das sich Mustafa nie erlaubt hätte. Dann blieben sie stehen und … küssten sich! Küssten sich mitten auf der Straße. Mustafa wusste, dass so ein Verhalten hier nichts Besonderes war, alle taten es. Aber seine Maria!

Gerade, als seine Welt den Bach runter ging, traf er Ali ein zweites Mal. Als der ins Schwärmen geriet, wie vielen Schlampen er es gerade wieder besorgt hatte, wurde Mustafa trotz der deutlichen Stimme der Vernunft, die in seinem Kopf dröhnte, hellhörig.

Er ließ sich von Ali zu einem Bier einladen und lauschte immer eifriger den Ausführungen seines prahlerischen Freundes. Der war offenbar als eine Art Security engagiert worden. Er durfte nichts Genaueres über seinen Job sagen. Zwei Fakten überzeugten den leicht beschwipsten Mustafa aber letztendlich: das viele Geld und die Möglichkeit, in sexueller Hinsicht ordentlich auf seine Kosten zu kommen.

So kam es, dass er Mustafa an diesem Morgen begleitet hatte. Sie waren in ein heruntergekommenes Industriegebiet am Stadtrand gefahren, das Mustafa an eine aufgelassene Raffinerie am anderen Ufer des Euphrats erinnerte, in der er (natürlich gegen den Willen seiner Eltern) als Kind gerne gespielt hatte.

Jäh aus seinen Erinnerungen gerissen, fand er sich zwei vierschrötigen Kerlen gegenüber, die ihn um einen Kopf überragten und aussahen, als wären sie aus einem sehr schlechten Action-Film entlaufen.

Ali schlenderte auf die beiden zu und hatte kaum seinen Mund aufgemacht, um sie anzusprechen, da packte ihn einer der Gorillas am Kragen und hob ihn mit einem Arm auf seine Augenhöhe.

„Du jetzt besser das Maul halten, Kanacke!“ brüllte er den zappelnden Syrer in ziemlich „kanackigem“ Deutsch an.

Dann warf er Ali in Richtung einer geschlossenen Schiebetür.

„Bist heute verdammt spät dran!“

Dann wandte er sich Mustafa zu, der am liebsten auf der Stelle im Boden versunken wäre.

„Du bleibst hier vor dem Tor! Lass niemanden hinein. Wenn irgendetwas passiert, ruf uns. Damit reichte er ihm ein modern aussehendes Funkgerät, zeigte ihm die Sprechtaste, ließ ihn kurz ins Mikrophon zählen, war mit dem Empfang zufrieden und verschwand in der Halle.

Schade, dachte Mustafa, so bekam er von all den tollen Frauen, die ihm Ali in allen Farben und vor allem Formen geschildert hatte, sicher nichts mit.

Nach und nach trudelten verschiedene Männer und eine blonde Frau ein. Niemand beachtete ihn. Hinter dem letzten Gast blieben die Flügel der Tür einen Spalt weit geöffnet. Mustafa konnte nicht widerstehen und spähte hindurch.

Er konnte nicht viel erkennen, weil die Rückseiten einiger Holzverschläge seine Sicht blockierten. Diese sahen aus wie etwas größere Spinde. Durch einen Spalt zwischen zwei dieser Holzboxen konnte er eine Art Bühne erkennen.

Irgendwann übertönte der spitze Schrei einer Frau das Gemurmel in der Halle, ansonsten passierte eigentlich gar nichts. Mustafa wollte sich schon von dem Spalt abwenden und sich einen gemütlichen Platz zum Sitzen suchen, da hörte er die laute, elektronisch verstärkte Stimme eines Mannes:

„Werte Dame und Herren …“

Gebannt lauschte Mustafa, der nicht fassen konnte, was sich hinter der mächtigen Tür abspielte. Er wurde Zeuge einer Versteigerung von Menschen.

Die Versteigerung schleppte sich eher mühsam dahin, als er auf eine Menschenansammlung neben den Holzverschlägen aufmerksam wurde. Die Bieter hatten um eine sich heftig wehrende junge Frau herum Platz gemacht. Sie wurde von zwei Wärtern gehalten. Einer davon war Ali. Ein dritter Mann zielte mit einem Wasserschlauch auf die nackte Frau. Als sie vom Wasserstrahl getroffen wurde, versuchte sie, sich abzuwenden und schaute in Mustafas Richtung.

Dem gefror das Blut in den Adern. Das konnte doch nicht sein! Seine Cousine Alana! Er hatte sie zwar länger nicht mehr gesehen. Sie hatte in Damaskus studiert, als das mit ihrer **** passierte. Aber dennoch. Ihre makellose Schönheit war unverkennbar.

Welche Schande! Welch unbeschreibliche Schmach für seine ****!

Durch den Schleier seiner Tränen sah er, wie seine Cousine auf die Bühne gezerrt wurde, dann war die Sicht durch die Verschläge verdeckt.

Mustafa sank zu Boden und schluchzte auf.

Dann hörte er wieder den Auktionator:

„Sehen sie hier, wertes Publikum, eine wahre Blüte des Orients. Fatima …“

Es war ihm ein geringer Trost, dass wenigstens ihr Name falsch war. Hoffentlich erkannte Ali seine Cousine nicht!

Mustafa versuchte, sich zu beruhigen, doch dann dröhnte die Stimme weiter:

„Ihr wisst ja, wie geil die Moslemweiber sind, wenn man sie endlich aus ihrem Schleier wickelt.“

Mustafa sah rot, das Blut pochte in seinen Ohren. Er musste an sich halten, um nicht sofort loszustürmen und diesen Kerl für seine Unverschämtheit zu bestrafen. In diesem Moment war der besonnene und zurückhaltende Mustafa zwar nicht gestorben, aber doch ganz weit vom Rächer für die Beleidigung seiner **** und seiner Kultur in den Hintergrund gedrängt worden.

Er lehnte sich etwas abseits an die Wand und wartete, bis alle Bieter die Halle verlassen hatten. Dann schlich er sich vorsichtig hinein. Er wurde nicht bemerkt, weil alle Anwesenden beschäftigt waren. Die beiden Gorillas von vorhin rannten herum und brüllten irgendwelche Anweisungen in ihre Funkgeräte. Der Auktionator, der in der einen Hand immer noch sein Mikrophon hielt, stand neben der Bühne und führte ein angeregtes Telefonat.

Mustafa konnte nur einige Wortfetzen auffangen, als er an ihm vorbeiging.

„Es war unmöglich! Diese ausgeleierten Weiber wollte keiner haben" …. "Was sollte ich denn machen?" … "Weiß ich doch nicht, was ihr mit denen macht, ist mir auch egal. Ich habe mein Bestes getan.“

Damit beendete er das Gespräch und steckte das Smartphone wütend in seine Hosentasche. Mustafa prägte sich sein Gesicht gut ein und wandte sich dann den Verschlägen zu. „Fatimas“ Box stand in der Mitte. Er trat vor sie hin und musterte sie durch die Gitterstäbe. Jeder Zweifel war ausgeräumt, es handelte sich um Alara.

Sein Zorn raubte ihm fast den Atem. Er packte zwei der Gitterstäbe und näherte sein Gesicht dem Mädchen, das ihn offensichtlich noch nicht erkannt hatte. Als ihr langsam dämmerte, wer ihr Besucher war, spuckte er ihr zwischen die Brüste (ihre Hände waren immer noch hinter dem Rücken gefesselt) und stieß ein leises „Sharmuta!“ aus.

Fatima verlor zum ersten Mal, seit sie in dieser Hölle gelandet war, die Fassung. All die Schmerzen, all die Demütigungen der letzten Tage hatten sie bei weitem nicht so getroffen. Der Speichel brannte wie Feuer. Der Elektroschock von vorhin war nichts dagegen.

Eine Hure hatte sie Mustafa genannt und damit das schlimmste Schimpfwort einer Frau gegenüber gebraucht, das ihre Kultur kannte.

Sie hatte Mustafa nicht so gut gekannt. Er war nicht der Klügste, hatte keine Schule abgeschlossen, war irgendwie durch den Rost gefallen. Außerdem gehörte er zum ärmeren Teil ihrer ****. Er war der Sohn der Schwester ihrer Mutter, die aus sehr einfachen Verhältnissen stammte. Ihr Vater musste sich die Hochzeit mit der jungen Bauerntochter, die nichts in die Ehe mitbrachte, außer ihrer Schönheit und Klugheit, erkämpfen. Seine **** setzte erfolglos alle Hebel in Bewegung, um die Verbindung zu verhindern.

All das war vorbei. Seit einigen Momenten gab es für sie kein Zurück mehr, auch wenn sich die Lage in Syrien irgendwann wieder stabilisieren sollte und ihre Eltern noch am Leben wären. Eigentlich müsste sie sich jetzt selbst das Leben nehmen oder hoffen, dass ihr irgendein männlicher Verwandter diese Sünde ersparte. Es spielte in ihrer Kultur keine Rolle, ob sie etwas dafürkonnte. Sie hatte die **** entehrt. Die Schande musste gesühnt werden.

Mustafa näherte sich inzwischen dem Mann, der seine Cousine in aller Öffentlichkeit derart beleidigt hatte.

Die nackten Frauen, derentwegen er hergekommen war, würdigte er keines Blickes. Er fragte den Auktionator, der soeben eine Zigarette rauchte, ob er Feuer haben könne. Der schaute ihn fragend an, weil er nirgendwo an Mustafa eine Zigarette erkennen konnte, zuckte dann mit den Achseln und reichte ihm sein nagelneues Zippo.

„Wiedersehen macht Freude!“

Mustafa nahm das Feuerzeug und ging in den hinteren Teil der Halle, der vollgeräumt war mit Maschinenteilen, irgendwelchen Holzkisten und Bergen von Holzpaletten. Dort setzte er sich hin und wartete. Schließlich begann der eingebildete Lackaffe laut zu zetern:

„He, wo ist der Kerl mit meinem Feuerzeug? Haaallloo!“

„Was brüllen Sie denn so?“

„Na einer von euch hat sich mein Feuerzeug ausgeliehen und ist damit verschwunden!“

„Was meinen Sie mit einer von uns?“

„Na, einer von euren arabischen Helferlein.“

„Warte mal! Aaaali, her zu mir!“

Mustafa blickte hinter den Paletten hervor und sah, wie sein Freund vor den Auktionator geschoben wurde.

„War es der da?“

„Weiß nicht. Sehen doch alle irgendwie gleich aus.“

„Da haben Sie natürlich recht! Also, Kanacke, hast du das Dings, das …“

„Feuerzeug,“ warf der Bestohlene ein.

„Ja, hm, hast du das Feuerzeug dieses Herrn hier gestohlen?“

„Nein! Welches Feuerzeug? Ich rauche nicht!“

„Sehen Sie, er hat es nicht gestohlen. Sollen wir ihn ein bisschen durchsuchen?“

„Nein lass, ich glaube, der hat anders ausgesehen, war schmächtiger.“

„Wissen Sie was, ich hab gerade schrecklich viel zu tun. Warum schauen Sie sich nicht selbst um? Kann ja nicht weit sein das Bürschchen.“

Als der Auktionator begann, halbherzig nach ihm zu suchen, zog sich Mustafa weiter in den Schatten hinter den Paletten zurück.

Die Wärter hatten inzwischen begonnen, die Mädchen aus der Halle zu führen. Nach und nach leerte sich die alte Fabrik.

„Kommen Sie, wir wollen schließlich auch irgendwann nach Hause!“

„Ich geh hier nicht weg, ohne mein Feuerzeug!“

„Na gut, wissen Sie was? Ich lasse Ihnen einfach den Schlüssel da, dann können sie in aller Ruhe suchen. Vergessen Sie nicht, zuzusperren und das Licht auszuschalten.“

„Also wirklich! Ich werde …“

„Was auch immer. Wünsche noch einen schönen Tag!“

Der Auktionator intensivierte jetzt seine Suche. Da jener Teil der Halle, in dem sich Mustafa versteckte, nur sehr schwach beleuchtet war, aktivierte er die Taschenlampe seine Smartphones. Als er an Mustafas Versteck vorbeigegangen war, trat dieser leise hinter ihn und packte ihn mit aller Kraft. Er drückte ihm einen Bleistift, den er noch vom letzten Deutschkurs in der Hosentasche hatte, in den Rücken und fauchte:

„Keine Bewegung, oder du bist tot!“

Der Auktionator erstarrte. Mustafa schleppte ihn zu einer Stahlstrebe und wies ihn an, sich dagegen zu lehnen. Dann stellte er sich hinter ihn und befahl ihm, die Hände nach hinten zu strecken. Zögernd kam er der Aufforderung nach. Mustafa nahm sich mit der freien Hand einen besonders langen Kabelbinder und fädelte die Hände des jammernden und sich vor Angst einnässenden Mannes in die Schlaufe ein. Dann nahm er blitzschnell beide Hände zu Hilfe und zog die Schlinge zu.

Der Auktionator hatte, kaum hatte der Druck des vermeintlichen Messers nachgelassen, versucht, sich zu befreien, doch eh er sich’s versah war er so fest an die Strebe gebunden, dass er sich kaum bewegen konnte.

„Warum …“?

„Weißt du eigentlich was du da gesagt hast, vorhin auf der Bühne? Was du getan hast?“

„Aber das ist doch nur ein Job!“

„Du hast meine Cousine beleidigt!“

„Welche Cousine?“

„Alara!“

Nach einigem Nachdenken war er sich sicher:

„Alara war keine dabei!“

„Ihr nanntet sie bei ihrem zweiten Namen, Fatima!“

„Alleine schon dafür, dass du sie nackt gesehen hast, hast du den **** verdient.“

„Das kannst du doch nicht machen! Ich bin doch nur ein kleines Rad. Ich habe ****!“

„Auch ich habe ****, und die hast du beleidigt und durch den Dreck gezogen!“

Als er sich gerade noch überlegte, was er mit dem Kerl anstellen sollte, wurde er von hinten kräftig gestoßen und konnte sich gerade noch fangen, sonst wäre er der Länge nach auf den Boden geschlagen.

„Bist du verrückt, Mann? Ich habe dich überall gesucht! Was willst du mit dem Typen?“

Ali starrte ihn wütend an. Mustafa konnte ihm beim besten Willen nicht erklären, weshalb er diesen Mann **** und gefesselt hatte.

„Ist ja eigentlich auch ziemlich egal. Du, die machen uns kalt, wenn sie das herausfinden! Die machen uns kalt und zwar auf sehr unangenehme Weise. Du hast keine Ahnung, mit wem du dich da anlegst!“

„Ich sag dir, was wir machen. Komm mal mit“

Ali ging einige Meter, bis sie außer Hörweite waren.

„Wir müssen verhindern, dass der irgendjemandem davon erzählt!“

„Wie meinst du das?“

„Hast du dein Feuerzeug noch?“

„Woher weißt du…?“

„Du warst außer mir der einzige Araber in der Halle!“

Mustafa reichte ihm sein Diebesgut. Er konnte sich nicht erinnern, weshalb er es entwendet hatte.

„Ich weiß, wie wir den Kerl zum Schweigen bringen und gleich auch noch alle Spuren vernichten.“

Mit diesen Worten begann er, Papier und Stofffetzen, die in der Halle herumlagen, auf und unter der Bühne zu deponieren. Nachdem er etwas in der Halle herumgestöbert hatte, kam er mit zwei Kanistern zurück, in denen sich irgendwelche undefinierbaren Chemikalien befanden. Er leerte einen Kanister im Bühnenbereich aus und sprenkelte das stinkende Zeug aus dem zweiten Kanister gegen die Wände der Halle.

„Hier ist so viel Holz gelagert, das wird brennen wie Zunder.“

Er nahm sich eine zusammengerollte Zeitung, zündete sie mit dem Feuerzeug an und hielt sie so lange an die stinkende Pfütze auf der Bühne, bis die Flammen mit einem bösartigen Fauchen in die Höhe schossen. Dann gab er Mustafa sein Feuerzeug zurück und rannte aus der Tür.

„Wir sollten uns länger nicht sehen! Tschüs!“

Mustafa stand immer noch fassungslos in der Halle. Schon begannen seine Augen im dichten Qualm zu tränen. Er musste schnellstens das Weite suchen, konnte sich aber nicht vom Fleck rühren. Das wütende Pochen in seinen Ohren war zu einem ständigen, aber erträglichen Klopfen geworden. Er konnte das nicht tun. Er konnte einfach nicht!

Ohne weiter über die Konsequenzen nachzudenken, rannte er zu dem gefesselten und **** um Hilfe rufenden Mann. Er suchte hektisch nach irgendeinem Gegenstand, mit dem der die Fesseln durchschneiden konnte.

Endlich kam ihm die rettende Idee. Er nahm sein Feuerzeug und hielt die Flamme an das gespannte Plastik des Kabelbinders, während der Auktionator heftig an seinen Fesseln zerrte. Nach wenigen Sekunden riss die Fessel und der Mann war frei. Er wandte sich noch einmal zu Mustafa um, überlegte, ob er sich auf ihn stürzen sollte, doch dann siegte die Vernunft und er rannte aus der Halle.

Mustafa folgte ihm wie in Trance. Der Ausgang war durch den dichten Qualm kaum mehr zu sehen. Im Blindflug taumelte er schließlich aus dem Tor direkt in die Arme der gerade anrückenden Feuerwehr.

Was treibt Simone eigentlich im Moment?

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