What's next?
Grillabend
Am Samstag hatten mein Mann und ich keinen Dienst. Wir erledigten den Wocheneinkauf, kümmerten uns ein wenig um den Garten und ließen den Tag scheinbar ruhig an uns vorbeiziehen. Doch unter dieser Ruhe lag etwas Unausgesprochenes. Mein Mann beobachtete mich genauer als sonst. Ich spürte seine Fragen, noch bevor er sie stellte. Warum ließ ich mich auf diesen Fremden ein? Warum wirkte ich nicht abgeschreckt, sondern beinahe angezogen von der Sicherheit, mit der er auftrat?
Er schwankte zwischen Eifersucht und Neugier. Manchmal klang seine Stimme angespannt, manchmal fast verständnisvoll, als wolle er sich selbst beweisen, dass er die Kontrolle über die Situation nicht verlor. Am Abend waren wir gemeinsam von Rainer zu einer Grillparty eingeladen. Ich hatte ein sehr kurzes Minikleid ausgewählt: unten aus blauem Jeansstoff, oben aus feinem weißem Stoff, schlicht und doch auffällig genug, um Blicke auf sich zu ziehen. Dazu trug ich Sneaker. Mein Mann sah mich lange an. „Wow“, sagte er schließlich, und in seinem Ton lag mehr als nur Bewunderung. Er selbst trug Jeans, Shirt und Sneaker, aber während er mich musterte, wirkte er, als hätte ich mich bereits einen Schritt weiter von ihm entfernt.
Gegen siebzehn Uhr wurden wir abgeholt. Die Fahrt verlief stiller, als ich erwartet hatte. Mein Mann sah aus dem Fenster, ich spürte seine Zurückhaltung neben mir wie eine zweite Person im Wagen. Als wir schließlich vor Rainers Villa hielten, war ich überrascht. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Party hier stattfinden würde. Im Garten standen mehrere Pavillons, daneben eine Grillstation, verschiedene Salate und eine Bar. Alles wirkte großzügig, sorglos und perfekt vorbereitet — zu perfekt, um zufällig zu sein.
Als wir ausstiegen, begrüßte Rainer uns freundlich und höflich. Noch waren nicht viele Gäste da, und genau dadurch hatte er Zeit, sich ganz auf uns zu konzentrieren. Er tat es mit einer Ruhe, die nichts Zufälliges hatte. Nach dem ersten Champagner wandte er sich an meinen Mann. „Du musst keine Angst haben“, sagte er leise, aber bestimmt. „Ich nehme dir nichts weg. Aber deine Frau reagiert auf Führung. Wenn du versuchst, sie festzuhalten, wirst du sie verlieren. Wenn du ihr Raum gibst, kann es auch für dich leichter werden.“ Dann sah er uns beide an und lächelte. Es war kein herausforderndes Lächeln, eher eines, das bereits wusste, wie die Antwort ausfallen würde. „Kommt“, sagte er schließlich, „ich stelle euch ein paar Gästen vor.“ Und jedes Mal stellte er uns betont als Ehepaar vor, als wolle er die Grenze sichtbar lassen — und zugleich prüfen, wie sicher sie noch war.
Der Abend entwickelte sich zunächst leichter, als ich erwartet hatte. Es wurde viel gelacht, die Gespräche flossen mühelos ineinander, und mit jedem weiteren Glas schien die Stimmung gelöster zu werden. Wir lernten neue Menschen kennen, doch immer wieder bemerkte ich diese kurzen, prüfenden Blicke, die besonders an mir hängen blieben. Niemand sagte etwas Unangemessenes, und doch lag eine Aufmerksamkeit in der Luft, die mich verunsicherte und zugleich wachsam machte. Als die ersten Gäste gingen, bat Rainer uns, uns zu einer kleineren Runde älterer Herrschaften zu setzen. Kaum hatte ich mich hingesetzt und aus Gewohnheit die Beine überschlagen, hörte ich nur ein leises Räuspern. Sofort änderte ich meine Haltung. Als ich zu Rainer sah, lag ein kaum merkliches Lächeln auf seinem Gesicht. Mein Mann wurde direkt in die Unterhaltung einbezogen; schnell sprachen die Männer über Sport, Ergebnisse und alte Vereinsgeschichten. In der Runde saßen außerdem zwei jüngere Frauen, beide auffällig und selbstbewusst gekleidet. Sie wirkten ruhig, beinahe geübt in dieser Umgebung, während ich versuchte, die unausgesprochenen Regeln dieses Abends zu verstehen.
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