What's next?
Sie öffnete die Tür
Der Lärm schlug ihr entgegen, warm und stickig, durchzogen von dem Geruch nach Schweiß, Deo und süßem Likör. Sie sah die Jungs auf den Betten sitzen, sah Elvira, die schon ihren Pullover über den Kopf zog, sah die grinsenden Gesichter, die sich zu ihr drehten.
Und in diesem Moment, als alle Blicke auf sie fielen, spürte sie, wie die Angst sich mit dem Kribbeln vermischte und etwas Neues wurde – ein Gefühl, das sie nicht benennen konnte, aber das sie trotzdem weitertrieb. Sie trat ein, und die Tür fiel hinter ihr zu.
Jetzt gab es kein Zurück mehr. Jetzt war sie nicht mehr die, die entschied. Jetzt war sie die, die sich entscheiden ließ. Und der Gedanke daran ließ ihr Herz so laut schlagen, dass sie das Bassgewummer der Musik kaum noch hörte.
Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss, und für einen Sekundenbruchteil stand Sabine da, verloren im grellen Licht der Stehlampe, die jemand auf den Nachttisch gestellt hatte. Die Vorhänge waren zugezogen, der Raum roch nach Bier und dem süßlichen Dunst von Erdbeerlikör, der in Plastikbechern auf dem Boden stand. Vier Jungs saßen auf den Betten, zwei auf dem Boden, einer lehnte an der Fensterbank – sieben Paar Augen, die sich zu ihr drehten.
Doch ihr Blick blieb an Elvira hängen, die in der Mitte des Zimmers stand, den Pullover bereits in der Hand, die nackte Haut unter der Neonröhre blass und selbstverständlich. Ihr BH war schwarz, Spitze, und sie machte keine Anstalten, sich zu beeilen. Sie lächelte, ein breites, forderndes Lächeln, das Sabine nie bei ihr gesehen hatte.
Sabine wollte zu ihr treten, wollte das Gleiche tun – schnell, die Knöpfe ihres Schlafanzugs aufziehen und die Sache hinter sich bringen, bevor die Angst sie komplett überwältigte. Sie machte einen Schritt nach vorn, ihre Finger schon am obersten Knopf, als eine Hand sich um ihr Handgelenk legte.
"Ist ja gut, ist ja gut", sagte Johannes. Er stand neben ihr, größer als sie, mit diesem halb ironischen Grinsen, das er immer aufsetzte, wenn er wusste, dass er die Kontrolle hatte. "Immer der Reihe nach, Sabine. Erst die Elvira, dann die anderen. Wir haben ja Zeit."
Seine Finger waren warm um ihre Haut, aber nicht sanft. Es war ein Halt, der keine Widerrede duldete. Und Sabine, die eigentlich nur noch wegwollte von diesem Moment, spürte, wie sich ihr Magen verkrampfte. Sie war gezwungen, stehen zu bleiben, gezwungen, zuzusehen. Das Kribbeln in ihrem Bauch wurde zu einem flattern-den Schmetterlingsschwarm, der gegen ihre Rippen schlug – aber es war nicht mehr die aufregende Vorfreude von vorhin. Es war die Angst, die sich mit einer seltsamen Faszination vermischte.
Also sah sie zu.
Elvira hatte ihren BH geöffnet, langsam, mit einer Geste, die sie bei einer Gala gelernt haben musste. Sie ließ die Träger über ihre Schultern gleiten, drehte sich einmal um die eigene Achse, als wolle sie sich allen Seiten zeigen. Die Jungs pfiffen – ein schriller, zweistimmiger Ton, der von Lukas und Christian kam. Elvira lachte, ein tiefes, kehliges Lachen, das Sabine nie zuvor gehört hatte. Dann warf sie den BH in die Ecke, als sei es das Natürlichste der Welt, und stand da, die Brüste frei, die Nippel hart von der Kühle oder von der Erregung – Sabine wusste es nicht.
"Na, wer traut sich?", fragte Elvira, und ihre Stimme klang ganz anders als noch vorhin im Mädchenzimmer. Sie klang besitzergreifend, als gehöre ihr dieser Raum, diese Nacht, diese Jungs.
Daniel, der auf dem Bett saß, beugte sich vor. Seine Augen glitten über ihren Körper, langsam, genüsslich, wie jemand, der ein Bild betrachtet, das er kaufen will. "Komm her", sagte er, und es war kein Bitten, es war ein Befehl. Und Elvira, die sich sonst von niemandem etwas befehlen ließ, ging. Sie ging zu ihm, ließ sich auf sein Knie sinken, und als seine Hand nach ihrer Brust griff, zuckte sie nicht mal zurück. Sie lehnte sich in seine Berührung, als würde sie eine Massage bekommen, und Sabine sah, wie Daniels Finger sich um ihre Brustwarze legten, wie er sie zog, leicht, aber bestimmt.
Sabines Atem stockte. Sie wollte wegsehen, aber ihre Augen gehorchten nicht. Sie sah, wie Elvira den Kopf in den Nacken legte und leise stöhnte, ein Geräusch, das gespielt wirkte und doch echt klang. Sie sah, wie Lukas von der Seite kam und seine Hand auf Elviras Oberschenkel legte, wie er sie hinaufgleiten ließ, unter den Rand ihres Rocks, den sie noch trug.
"Immer langsam", murmelte Elvira, aber sie hielt Lukas nicht auf. Sie ließ es zu, dass seine Finger zwischen ihre Beine wanderten, ließ zu, dass Christian sich von hinten näherte und ihre Schultern küsste, während Johannes, der Sabine immer noch am Handgelenk hielt, leise pfiff.
Sabine fühlte, wie ihre Knie weich wurden. Sie war gefangen – nicht nur von Johannes' Griff, sondern von dem, was sie sah. Es war wie ein Autounfall, von dem man nicht wegschauen kann. Elvira, die sich von drei Jungs gleichzeitig anfassen ließ, die den Kopf hin und her drehte, um mal dem einen, mal dem anderen ein Lächeln zu schenken, die ihre Hüften bewegte, als tanze sie zu einer Musik, die nur sie hörte.
"Gefällt dir, was du siehst?" Johannes' Stimme war nah an ihrem Ohr, sein Atem warm auf ihrer Wange. Sabine zuckte zusammen. Sie hatte vergessen, dass er da war, dass er sie festhielt. Sie wollte schütteln, nein sagen, aber ihre Stimme war wie weggefegt.
Elvira hatte jetzt ihren Rock ausgezogen. Sie stand nur noch im Slip, ein schmaler Streifen roter Spitze, und sie drehte sich wieder, diesmal langsamer, als wolle sie jeden Moment genießen. Die Jungs hatten sich um sie versammelt, wie um ein Lagerfeuer. Max – Sabine hatte ihn gar nicht bemerkt, aber da war er, ganz hinten, lehnte an der Wand, die Arme verschränkt – sah zu, ohne zu lächeln. Sein Blick war anders als der der anderen. Er war ruhiger, fast nachdenklich. Und als sich ihre Blicke für einen Sekundenbruchteil trafen, spürte Sabine etwas in ihrer Brust, das sie nicht deuten konnte.
Dann griff Elvira nach Daniels Hand und führte sie zwischen ihre Beine, direkt auf den Stoff ihres Slips. "Na, ist das nicht heiß?", fragte sie, und ihr Lachen war wie Glas, das zerbricht. Daniel grinste, drückte zu, und Elvira ließ den Kopf sinken, ein lautes, übertriebenes Stöhnen, das Sabine durch Mark und Bein fuhr.
Sabines Finger zitterten an ihrem Schlafanzug. Sie wollte nicht so sein wie Elvira. Sie wollte nicht das Zentrum sein, um das sich alle drehten, nicht die, die sich anfassen ließ, als sei es ein Spiel. Aber ein Teil von ihr – der kleine, heiße Teil, der sie hierhergetrieben hatte – flüsterte: Warum nicht? Warum nicht einfach loslassen?
Elvira warf den Kopf zurück und lachte. "Wer kommt als Nächster?", rief sie, und ihre Stimme überschlug sich fast. "Ich hab noch nicht genug."
Die Jungs drängten sich um sie, Hände überall, auf ihrer Haut, zwischen ihren Schenkeln, an ihren Brüsten. Und Sabine stand da, festgehalten von Johannes, und sah zu. Sah, wie Elvira sich zu einer Show machte, zu einem Objekt, das sich freiwillig preisgab – und wie sie dabei strahlte, als hätte sie gerade den Hauptgewinn gezogen.
In Sabines Bauch kribbelte es immer noch, aber das Kribbeln hatte sich verändert. Es war nicht mehr die Vorfreude auf die eigene Entscheidung, nicht mehr die Hoffnung, auserwählt zu werden. Es war die nackte, rohe Angst davor, dass sie gleich an der Reihe sein würde – und dass sie niemals so sein könnte wie Elvira. Dass sie stehen würde, nackt und stumm, während die Jungs sie musterten, während ihre Haut sich unter ihren Blicken zusammenzog, während sie nicht wusste, ob sie lachen oder weinen sollte.
Johannes' Griff um ihr Handgelenk lockerte sich. "Bist du bereit?", fragte er, und seine Stimme war ruhig, fast freundlich.
Sabine schluckte. Sie sah zu Elvira, die jetzt mit geschlossenen Augen auf dem Bett lag, umringt von Händen, die sie überall berührten. Sie sah zu Max, der noch immer an der Wand lehnte, der sie ansah, als warte er auf etwas.
Und sie wusste: Gleich würde sie an der Reihe sein. Gleich würde sie sich ausziehen. Gleich würde sie nicht mehr zusehen, sondern gesehen werden.
Ihr Herz schlug so laut, dass sie nichts anderes mehr hörte.
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