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Chapter 37

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Raumgreifend

Fröhlich grinsend ging Yildiz auf Sina zu. Schwer ließ er sich neben ihr auf das Sofa nieder, lehnte sich bequem zurück, breitbeinig, raumgreifend. Ungefragt legte er eine Hand in ihren Nacken knapp unterhalb des Haaransatzes und begann, sie dort mit den Fingern zu streicheln. Sina lief es eiskalt den Rücken hinunter. Steif und aufrecht saß sie auf der Kante und wagte es nicht, sich zu bewegen, kaum noch zu atmen.

"Du bist mir ja ein Schätzchen, Sina."

Sie verstand nicht, was er damit ausdrücken wollte, und runzelte die Stirn.

"Sag mal, sind deine Eltern eigentlich reich?"

"Nein, wieso wollen Sie das wissen?", brach es aus ihr heraus.

"Ach, nur so. Ich habe gerade einiges Interessantes über dich erfahren und hätte gehofft, dass deine **** froh wäre, dich unversehrt wieder zu haben, und sich entsprechend dankbar zeigen würde. Schade. Das wäre für alle, besonders für dich, die beste und wünschenswerteste Lösung gewesen. Nun muss ich mir überlegen, was ich mit dir mache."

Sie hatte schon vermutet, dass es in dem Telefonat um sie gegangen war, so wie der Mann sie währenddessen angeschaut hatte. Nun war sie sicher. Es brannte ihr auf der Zunge, ihn darüber auszufragen, um endlich die erschreckenden Lücken in ihren Gedächtnis füllen zu können. Aber mittlerweile erschien ihr der graumelierte Mittfünfziger gar nicht mehr so nett und vertrauenswürdig wie zuvor. Sie beschloss, nicht mehr so offen und unbefangen mit ihm zu sein.

"Sie waren wirklich sehr freundlich zu mir und ich will Ihre Hilfsbereitschaft nicht über Gebühr in Anspruch nehmen. Wenn Sie mich einfach nur zurück in die Unterkunft bringen könnten, wo meine Schulklasse abgestiegen ist, würde ich Ihnen nicht weiter zur Last fallen", bat sie, "es soll auch nicht umsonst sein. Ich werde Ihnen Ihre Auslagen und Aufwände selbstverständlich ersetzen."

"Um Kleingeld geht es hier nicht, Schätzchen. Du hast offensichtlich keine Ahnung, was du inzwischen wert bist, oder?"

Sie schüttelte den Kopf. Was sie weniger als Antwort auf die Frage meinte, sondern aus Unverständnis darüber, was das alles bedeuten sollte. Ohne auf ihre Reaktion einzugehen, fuhr er fort.

"Am einfachsten wäre es scheinbar, wenn ich dich Charlie zurückbringen und einen Finderlohn von ihm bekommen würde. Aber dann müsste ich ihm erklären, wo ich dich gefunden habe. Das könnte kompliziert werden. Sobald du wieder bei ihm bist, wird er dich fragen, wo du warst. Und Lügen mag er nicht. Glaube mir, er kennt Methoden, um von jedem am Ende die Wahrheit zu erfahren. Da ist er sehr kreativ."

Schon wieder dieser Name! Sina zermarterte sich das Gehirn, aber sie konnte ihn einfach nicht einordnen. Erinnerungsfetzen schwappten an die Oberfläche, einzelne Bilder tauchten vor ihrem inneren Auge auf. Doch verstand sie die Zusammenhänge nicht. Noch nicht.

"Ich überlege ja, ob du es wert bist, dass ich mir selbst einmal etwas gönne", sinnierte er weiter, "lass dich anschauen!"

Er versuchte, seine Hand unter das Leintuch zu schieben, das sie eng um sich gerafft hatte. Aber sie klammerte sich daran, als sei es eine Schwimmweste und sie stünde kurz davor zu ertrinken. Überraschend und mit einer Behändigkeit, die man ihm nicht zugetraut hätte, sprang er auf die Füße, riss Sina mit sich und zerrte gleichzeitig an einem Zipfel des Lakens. Die junge Frau wurde weggeschleudert, stolperte, und im Bemühen, nicht hinzufallen, lockerte sich ihr Griff. Ratsch! Das Tuch entglitt ihr und Yildiz nahm es ihr mit einem letzten, kräftigen Ruck ab.

Taumelnd und quietschend versuchte sie, mit Armen und Händen ihre Blöße zu bedecken. Doch er war flink und hatte schon alles gesehen.

"Bei Gott, Mädchen, wie alt bist du?"

Sie lief vor Wut und Scham knallrot an und ballte ihre kleinen Fäuste. Warum nur musste sie sich immer dafür rechtfertigen, dass sie jünger aussah, als sie tatsächlich war?

"Ich bin über zwanzig!", kreischte sie aufgebracht.

"Ach, dann ist ja gut", meinte er feixend, "jetzt verstehe ich, warum Charlie so versessen darauf ist, dich zurückzubekommen."

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