Welcher Song hat wohl eine solche Reaktion ausgelöst?
Vorerst sind andere Sachen wichtiger
Der Rest der Fahrt lief ohne besondere Vorkommnisse ab - sie waren über acht Stunden bis an ihr Ziel unterwegs, wobei sie dieses Mal keinen Unterschlupf ansteuerten, sondern eine Tiefgarage in der Berliner Innenstadt, deren Betreiberfirma ein Subunternehmen des Metapartner-Konzerns war. Ebene 3 wurde dort "zufällig" gerade renoviert, als sie ankamen, und so waren sie dort während der letzten Vorbereitungen unbeobachtet. Sie würden hier die Autos wechseln. Connor hatte ihnen welche mit getönten Scheiben besorgt, die man von außen nicht so leicht einsehen konnte - hätten sie sich bereits mit solchen Scheiben dem Regierungsviertel genähert, wäre das möglicherweise aufgefallen.
Tom checkte beide Wagen und ihre Ausrüstung noch einmal komplett durch, um sicherzustellen, dass es später keine bösen Überraschungen gab. Pandora überprüfte alle Backdoors, die sie im Netz vor Ort installiert hatte, während Malia sich streckte und dehnte und warm machte, um später so fit wie möglich zu sein. Steffen ging kurz einkaufen und besorgte für alle eine warme Mahlzeit, wobei er die Gestalt eines gutaussehenden gebräunten Mannes ziemlich eindeutig indischer Herkunft annahm - Malia hatte spekuliert, dass es sich dabei möglicherweise um Ashas Traumpartner handeln könnte, aber Steffen war nicht bereit gewesen, die Quelle für seine Tarnung offenzulegen. Jessie, Alex und Diana schliefen einfach nur ein wenig im Auto, um für heute Nacht wirklich fit zu sein - die ersteren hatten ja bereits die anstrengende Fahrt hinter sich, und Diana war so nervös gewesen, dass sie jetzt etwas Ruhe brauchen konnte.
Schließlich aber waren auch diese letzten Vorbereitungen abgeschlossen, und sie stiegen in die neuen Autos und fuhren los. Es war inzwischen nach Mitternacht, auf den Straßen war zwar immer noch einiges an Verkehr, wie üblich in der größten Stadt Deutschlands, aber es waren nur noch wenige Menschen zu Fuß unterwegs. Für später war das wichtig - sie wollten bei ihrer späteren Flucht ja auf gar keinen Fall Unbeteiligte in Gefahr bringen. Zwar hatten sie nur einen knappen Kilometer Weg hinter sich zu bringen, aber sicher war sicher.
Sie fuhren in eine Seitengasse zwischen zwei Gebäuden in direkter Nachbarschaft zu ihrem Ziel und stiegen dort aus. Tom hatte ein langes Carbonseil und einen Wurfanker mitgebracht und sah nach oben. "Okay", wisperte er, "alles wie geplant. Sobald ihr oben seid, haltet Ausschau nach uns anderen, und von dem Moment an, in dem wir auf den Hof fahren, fünfzehn Minuten für rein und raus. Geht keine Risiken ein, vor allem nicht, wenn ihr wieder rauskommt. Keine Ausrüstung zurücklassen, sonst schnallen sie später, was wir eigentlich getan haben. Fragen?"
"Sollte alles klar sein", gab Steffen zurück. "Haben wir nen Plan B, wenn jemand das Auto hier in der Gasse sieht?"
"Selbst wenn", gab Pandora zurück, "er wird's niemandem sagen können. Mit Beginn der Mission ist hier das Handynetz in fast zwei Kilometer Umkreis weg. Reaktionszeit auf so ein Ereignis ist siebzehn Minuten, wir sind also raus, ehe die ersten Alarmglocken deswegen angehen. Vielleicht gibt's Fotos vom Wagen, aber der wird ja eh nachher zurückgelassen."
Tom nickte. "Okay, dann auf gutes Gelingen", sagte er, blickte nochmal nach oben, und dann begann er den Wurfanker gekonnt zu schwingen, ließ ihn ein paar Mal kreisen und schleuderte ihn dann hoch auf eins der Hausdächer. Er zog prüfend am Seil-
-und der Anker kam mit einem kurzen Klappern zurückgesaust, so dass Tom ein Stück zur Seite treten musste, um nicht getroffen zu werden. Mit einem leisen Fluch und unter dem unterdrückten Kichern der anderen versuchte er es ein zweites Mal, und ein drittes Mal, aber es gelang ihm nicht, dass das Seil sich oben irgendwo festhakte.
"Dreck", meinte er schließlich leise nach dem vierten Versuch. "Von den Luftbildern her hätte das eigentlich klappen müssen. Hm. Jetzt müssen wir denen anders aufs Dach steigen. Kletterausrüstung haben wir nicht dabei, aber vielleicht kann Titania hochspringen?"
"Ähm-" Diana schluckte. "Das s-sind vier Stockwerke, Atlas. Da m-müsste ich schon sehr groß sein."
Steffen schüttelte den Kopf. "Kann auch schiefgehen, und wir riskieren, dass sie vorzeitig gesehen oder gehört wird. Nein, wir müssen in das Gebäude und die Treppe hoch."
Pandora hob eine Augenbraue. "Wir haben null Aufklärung in dem Haus da durchgeführt! Willst du echt blind da rein?"
"Was bleibt uns sonst noch übrig?" gab Steffen zurück. "Das Seil bekommen wir ja nicht aufs Dach, und wir müssen da hoch, wenn wir im Gesundheitsministerium einsteigen wollen. Also haben wir nur noch-"
"Werft mich", sagte Malia in diesem Moment völlig unvermittelt.
Steffen sah verständnislos zu ihr. "Was?"
Malia grinste zu ihm hoch. "Ich sage, ihr müsst mich werfen. Hoch, aufs Dach. Titania ist doch bestimmt stark genug, um das hinzukriegen, oder?"
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