Ist irgendwas mit Jochen passiert?

Ich war misstrauisch

Chapter 117 by Hentaitales Hentaitales

Jetzt kam mir die ganze Sache doch ein bisschen spanisch vor. Warum sagte uns der Polizist nicht klipp und klar, was los war? Warum diese Anspielung auf meinen Bruder, der ja ganz oben im Norden von Deutschland wohnte? Versuchte er einfach nur, doch noch eine Aussage aus uns herauszubekommen? Zumindest was mich anging, hatte ich jetzt noch weniger Lust, ihm weiterzuhelfen.

Sarah allerdings schien die Sache anders zu sehen. "Wenn sie irgendwas über meinen Sohn wissen, müssen sie es mir sagen!" beharrte sie. "Das geht nicht an, dass sie mir als Elternteil Informationen vorenthalten!"

"Ihr Sohn ist doch volljährig, nicht wahr?" gab der Kommissar zurück. "Und in ihrem Haushalt lebt er auch nicht. Wenn ich ihnen also Informationen über ihn geben soll, dann wirklich nur inoffiziell, und nur, wenn sie auch mir helfen."

"Danke, aber wir verzichten", mischte ich mich ein, ehe Sarah hier noch einen Fehler beging. "Wir gehen jetzt nach Hause!"

Sarah sah zu mir. "Tina, ich will aber wissen, was mit Jochen ist!" beharrte sie.

Ich legte ihr eine Hand auf den Arm. "Dann lass uns heimgehen und Onkel Klaus anrufen", schlug ich vor. "Dafür brauchen wir keine Polizei."

"Tina hat recht", stimmte mir auch Jenny zu. "Mit der Polizei sprechen können wir immer noch später, wenn wir sonst nicht weiterkommen."

"Also, mein Angebot galt eigentlich nur für jetzt und hier", widersprach der Kommissar. "Ich freue mich natürlich, wenn sie später noch aussagen, aber ich verspreche ihnen keinesfalls, dass ich dann immer noch interne Informationen mit ihnen teile."

Andy hob die Schultern. "Was machen wir dann noch hier? Gehen wir!"

Gemeinsam verließen wir das Polizeirevier und fuhren zurück nach Hause - allerdings ohne Andy, denn nachdem wir nun die Babyschale mit Maja im Auto unterbringen mussten, hatten wir zu wenig Platz, und er machte den Beifahrersitz für ihn frei und nahm kurzerhand den Bus. Er kam aber auch nur eine Viertelstunde nach uns daheim an, noch rechtzeitig, ehe wir bei meinem Onkel anriefen. Klaus, Sarahs Bruder, hatte ganz im Norden an der Küste schon vor über zehn Jahren eine Import-Export-Firma gegründet und Jochen vor ein paar Jahren einen Ausbildungsplatz als Kaufmann gegeben. Wenn etwas mit ihm passiert war, würde Onkel Klaus es sicher wissen. Sarah hatte die Freisprecheinrichtung ihres Handys aktiviert, als sie ihn anrief, damit wir alle mithören konnten.

"Ja?" meldete sich Klaus. Ich erinnerte mich gar nicht mehr richtig an seine Stimme, so lange hatte ich schon nichts mehr mit ihm zu tun gehabt.

"Hallo Klaus, hier ist Sarah", antwortete meine Mutter. "Alles in Ordnung bei euch?"

Einen Moment war nur Schweigen zu hören. "Du rufst wegen Jochen an, stimmt's?" sagte mein Onkel dann.

Sarah atmete einmal tief durch. "Es ist also wirklich was mit ihm passiert", sagte sie. "Was ist los?"

"Und dabei hab ich noch gesagt, sie sollen das erst mal nicht an die große Glocke hängen!" gab Klaus verärgert zurück. "Da sieht man mal, wie gut man sich auf die Polizei verlassen kann!"

"Klaus!" Sarahs Stimme wurde scharf. "Was ist mit Jochen passiert?"

Ein Seufzer kam aus dem Telefon. "Wenn wir das nur genau wüssten", sagte Klaus. "Gestern früh ist er nicht auf der Arbeit aufgetaucht, und auf dem Handy hab ich ihn auch nicht erreicht. Also bin ich zu seiner Wohnung gefahren. Aber da war auch schon die Polizei. Anscheinend hatte er spätabends noch Besuch, und es gab wohl eine lautstarke Auseinandersetzung, bei der ziemlich die Fetzen geflogen sind - seine Nachbarn haben das mitbekommen und die Polizei gerufen. Aber als die kam, war schon alles vorbei und die Leute waren weg. Und Jochen auch."

Sarah schluckte. "Sie haben Jochen mitgenommen?"

"Entweder das, oder er ist mit ihnen gegangen. Die Polizei hat mich nicht in seine Wohnung reingelassen, aber die Spurensicherung von denen war da drin. Sie haben mich auch nach ihm ausgefragt, und ob er noch woanders Familie hat. Jedenfalls hab ich seither nichts mehr von ihm gehört. Die Polizei sucht wohl nach ihm und will mich auf dem Laufenden halten."

"So ein Scheiß!" entfuhr es mir. "Sie haben ihn entführt!"

Aus dem Telefon kam ein kurzes Grummeln. "Nu mach ma halblang", sagte Onkel Klaus. "Wer bitteschön sollte denn ausgerechnet Jochen entführen? Wahrscheinlich ging's um irgendeine Frauengeschichte. Er hat doch dauernd Weiber um sich herum, der Schwerenöter! Bei dir hat er sich aber noch nicht gemeldet, oder, Sarah?"

"Nein", sagte ich, "und das hier ist nicht Sarah, ich bin Tina."

"Ach darum klingt die Stimme plötzlich anders", lachte Klaus. "Von dir hab ich ja auch schon ne Ewigkeit nix mehr gehört, Tina! Wie geht's dir?"

Ich wollte schon antworten, aber Sarah fiel mir ins Wort. "Du, dafür haben wir jetzt keine Zeit, Klaus", sagte sie unwirsch. "Wir haben Grund zur Annahme, dass Jochen was Ernstes passiert sein könnte."

Überraschtes Schweigen war die Reaktion. "Echt jetzt?" gab Klaus dann zurück. "Wie kommst du darauf?"

"Das ginge jetzt zu weit", wehrte Sarah die Frage ab. "Wichtig ist, wenn du was von ihm hörst, oder wenn dir die Polizei was von Jochen erzählt, gib mir auf jeden Fall Bescheid. Ist das klar?"

"Natürlich is das klar!" sagte Klaus. "Ich halt euch auf dem Laufenden. Aber ihr mich auch, okay?"

Sarah lächelte. "Selbstverständlich. Wir bleiben in Kontakt. Bis dann!"

Als sie das Gespräch beendet hatte, sagte ich das Offensichtliche: "Das muss Ashley gewesen sein. Das Timing ist einfach zu gut. Jochen verschwindet, und kurz darauf gibt sie mir Maja zurück. Sie hat ihn entführt. Absolut eindeutig."

"Das klingt schon plausibel", nickte Mai, "aber warum sollte sie das tun? Was zum Teufel will sie mit deinem Bruder?"

"Wenn ich das wüsste!" rief ich wütend. "Was soll der Scheiß? Warum entführt sie dauernd irgendwelche Familienmitglieder von mir? Das macht doch alles keinen-"

In diesem Moment schlug sich Moritz mit der Hand vor die Stirn. "Aber natürlich!" stieß er hervor. "Tina - du und dein Bruder, ihr habt beide die selben Eltern, richtig? Also nicht nur Sarah - Jakob ist auch der Vater von dir und Jochen, korrekt?"

Ich nickte. "Das ist korrekt", sagte ich. "Worauf willst du hinaus?"

"Ashley", sagte Moritz langsam, "hat jetzt wahrscheinlich Zugriff auf das vollständige Zarathustra-Gen."

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Wie meinte Moritz das?

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