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Perfekt

Chapter 6 by kokosmilch kokosmilch

Falk stand dicht hinter ihr. Näher, als ihr lieb war. Aber sie drehte sich nicht um, löste den Blick nicht von den Unterlagen.

Er will mich verunsichern. Ablenken, damit ich etwas in den Akten übersehe.

Der Gedanke bestärkte sie darin, noch genauer hinzusehen. Da musste irgendetwas sein, das sie nicht entdecken sollte. Sie blätterte weiter.

Bestellung. Rechnung. Zahlungseingang. Auslieferungsbestätigung.
Bestellung. Rechnung. Zahlungseingang. Auslieferungsbestätigung.
Und wieder.
Bestellung. Rechnung. Zahlungseingang. Auslieferungsbestätigung.

Alles stimmte. Perfekt. Zu perfekt.

Was versteckt er?

Auf eine direkte Frage würde er nicht antworten. Und er war zu schlau, um auf eine Täuschung hereinzufallen. Sie brauchte eine andere Strategie. Vielleicht könnte sie einen seiner Angestellten leichter knacken.

"Wer führt Ihre Buchhaltung?"

"Mehrere Mitarbeiter."

"Namen?"

"Die finden Sie im Organigramm in Ordner zwölf."

Er beugte sich nach vorne, um den genannten Ordner aus der Reihe zu ziehen. Sein Arm strich an ihrer Wange entlang. Kurz spürte sie das Gewicht seines Oberkörpers auf ihrer Schulter.

Es hätte Zufall sein können. Eine ungeschickte Bewegung im Übereifer.

Aber Eylem war sicher, dass er ganz genau wusste, was er tat.

Umgekehrt war sie sich nicht mehr vollkommen sicher, was sie tun sollte. Dort, wo er sie berührt hatte, prickelte ihre Haut noch immer ganz leicht, als habe eine elektrische Entladung stattgefunden.

Sie verzog keine Miene, doch innerlich ärgerte sie sich. Fast noch mehr über die ungewollte Reaktion ihres Körpers als über ihn.

Es ist nicht deine Schuld, sagte sie sich, wusste im selben Augenblick aber schon nicht mehr, ob sie sich noch selbst trauen konnte. Sie musste ihre Wut auf ihn umlenken. Er überschritt Grenzen und glaubte, dass es keine Konsequenzen gäbe. Sie würde ihm das Gegenteil beweisen.

Sie schoss aus ihrem Stuhl hoch wie eine gespannte Feder, drehte sich um.

"Sie gehen zu weit." Sturmwolken bildeten sich auf ihrer Stirn.

Er wich nicht zurück. Einer seiner Mundwinkel zuckte, als müsse er ein Lachen zurückhalten.

Er nimmt mich nicht ernst.

Ein Schleier schien sich vor Eylems Augen zu schieben. Unwillkürlich schob sich ihre Hand in Richtung der Stelle, wo die Handschellen an ihrem Gürtel befestigt waren. Sie stellte sich vor, wie sie ihn in den Polizeigriff nahm, auf den Boden zwang und ihn fesselte.

Es war eine höchst zufriedenstellende Vorstellung.

Falk hob seine Hand.

Sofort zuckten Eylems Fäuste hoch in Verteidigungshaltung.

Aber er griff nicht an. Sachte, fast zärtlich strich er ihr eine Strähne, die sich aus ihrer strengen Frisur gelöst hatte, hinters Ohr.

Das war zu viel.

Sie packte sein Handgelenk, verdrehte ihm den Arm, wie sie es im Nahkampftraining gegen körperlich überlegene Gegner geübt hatte.

Falk aber hielt nicht mit seiner Kraft dagegen. Er drehte sich mit, floss beinahe wie Wasser aus ihrem Griff und lenkte ihre eigene Energie so um, dass sich seine Arme um ihren Oberkörper schlossen und er sie an sich drückte.

"Lassen Sie mich sofort los!" Ihre Stimme überschlug sich.

Er beugte sich vor –
und küsste sie.

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