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Chapter 6 by daimon daimon

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Monika bricht zu neuen Ufern auf (20. März)

Einige Zeit später stand Monika wieder hinter ihrem Tresen. Sie hatte sich unter großen Schmerzen angekleidet. Sie hätte es beinahe nicht geschafft, ihre geschwollenen Brüste in das enge Outfit, auf dem ihr Chef bestand, zu quetschen. An Sitzen war ohnehin nicht zu denken, so wie ihr Unterleib schmerzte.

Ihre Gedanken kreisten einzig und allein um den Fluchtplan, der immer deutlicher Gestalt annahm. Natürlich konnte sie einfach gehen und sich selbständig machen. Kramov würde sie wahrscheinlich nicht aufhalten. Das Problem dabei war nur, dass es mit dreißig nicht so einfach war, wirklich Geld zu verdienen, zumindest nicht auf die einzige Art, die sie jemals gelernt hatte.

Sie lebte zwar keineswegs im Luxus, dennoch würde es unmöglich sein, ihren jetzigen Lebensstandard zu halten. Sie wollte also keinesfalls mit leeren Händen gehen. Schließlich nahm sie ihr Telefon und wählte eine gespeicherte Nummer.

„Hallo, hier spricht Monika. Wir haben uns ….

Ja, genau die. Es freut mich, dass Sie sich erinnern!

Ich möchte ihnen einen Vorschlag machen.

Ich wollte Kramov verlassen und bei Ihnen einsteigen.“

Es folgte eine kurze Pause in der Monika konzentriert zuhörte. Dann schloss sie kurz die Augen, fasste sich ein Herz und setzte fort:

„Ich verstehe, dass ihre Firma anders funktioniert als unsere und dass ich meinen Vorlieben nicht mehr so ohne weiteres während meiner Arbeit nachgehen werde können. Ich habe Erfahrung in jedem Bereich unseres Gewerbes und kann auch selbst anpacken, wenn Not am Mann ist. Das Entscheidende aber ist: ich würde nicht allein kommen. Ich habe ein wunderschönes Mädchen an der Hand. Das würde ich mitbringen …“

Monika wurde unterbrochen und lauschte mit besorgtem Gesicht.

„Ja genau die. Kramov möchte sie loswerden.

Nein, ich bin mir sicher, dass es kein Anschlag von Dschihadisten war.

Ja, eine reine Familienangelegenheit.

Es besteht keine Gefahr für uns, höchstens für sie, deshalb habe ich noch einen Vorschlag:

Ich könnte für Sie in Österreich eine Filiale eröffnen.“

Die Unterbrechung dauerte diesmal etwas länger. Langsam hellte sich Monikas Gesicht etwas auf.

„Ja, genau. Für arabische Touristen. Es gibt da einige Orte, die werden förmlich überschwemmt. Das sind normalerweise keine Kunden für das Escortgeschäft. Es wäre gut, ein kleines Etablissement vor Ort aufzubauen. Mit Mädchen, die die Kultur und Sprache kennen. Vielleicht nicht einmal so sehr für sexuelle Dienstleistungen. Die Araber, die ich kenne, stehen eher auf üppige blonde Europäerinnen als auf Heimatkost. Aber einige arabische Mädchen wären schon gut, im Service meine ich. So könnten wir ein Ambiente schaffen, in dem sich die Scheichs wohlfühlen.

In Ordnung! Wir können uns heute noch treffen.“

Kaum hatte Monika das Gespräch mit einem zufriedenen Grinsen beendet, brummte die Gegensprechanlage. Vor der Tür standen zwei von Kramovs Schlägern. Zwischen ihnen hing ein offenbar unter **** stehendes blondes Mädchen. Monika kannte sie. Irina. Ein schwieriger Fall. Sie war sehr **** aus Moldawien gekommen und wurde von Kramovs Einreitern gleich brutal rangenommen. Als die Herren nicht mehr weiterwussten und sich an sie wandten, hatte das Mädchen bereits derartige psychische und physische Schäden davongetragen, dass es einige Wochen brauchte, bis sie endlich arbeiten konnte. Obwohl Monika eher die harten Aspekte der Hurenschulung genoss, konnte sie die Mädchen auch auf die sanfte Art überzeugen.

„Chef, Oleg und Martin stehen mit Irina vor der Tür.“

„Sollen raufkommen. Ich erwarte sie beretis.“

Arme Irina. Frau Kramov würde sich an dem hübschen jungen Mädchen austoben. Sie mochte gar nicht daran denken, in welchem Zustand sie die Folterkammer heute Abend verlassen würde. Es war wirklich höchste Zeit, hier wegzukommen.

Kurz darauf schleiften die beiden Kerle das Mädchen an ihrem Tresen vorbei in Kramovs Büro. Wenig später kam Kramov mit seinen beiden Mitarbeitern wieder heraus und eilte zum Aufzug.

„Monika, du weißt, was du zu tun hast! Mach dich auf die Socken und erledige die Angelegenheit!“

Obwohl Kramov mit seiner Anweisung sicher nicht meinte, sie solle Fatima töten – Kramov hatte zum Glück seine Prinzipien – waren die Alternativen nicht wesentlich besser. Es war unmöglich, ein Mädchen, noch dazu eines, das eben erst in einen vermeintlichen Terroranschlag verwickelt war, auf die Schnelle zu einem vernünftigen Preis zu verkaufen. Sie würde also irgendwo im Bereich der Flatrate Erotik oder der Massenabfertigung landen und wohl auch enden, da die wenigsten Frauen die damit verbundenen körperlichen und geistigen Strapazen allzu lange aushielten.

Der Vorteil an der Sache war, dass sich Kramov keinen allzu hohen Gewinn aus dem Handel versprechen konnte. Es handelte sich lediglich um Schadensbegrenzung. Monika hatte gerade vorhin ihre Konten überprüft. Im Laufe der Jahre hatte sie ein ziemliches Sümmchen zusammengespart. Es müsste dafür reichen, Kramov zumindest Fatima abzukaufen. Mit Fatheya würde es schwierig werden.

Sie war sich der Tragweite ihrer Entscheidung bewusst. Sie hatte sich jeden Cent dieses Geldes hart verdient. Wie hart, das wurde ihr bei jeder kleinen Bewegung aufs Neue bewusst. Das enge Top übte einen ständigen Druck auf ihre geschändeten Brüste aus, an ihren Unterleib wollte sie gar nicht erst denken. Was wenn sie das Geld in den Sand setzte, wenn Fatima nicht hielt, was ihre atemberaubende Erscheinung versprach?

Sie wischte all diese Bedenken beiseite. Ein Gedanke an das Leid, das, nur durch eine zum Glück schalldichte Wand getrennt, soeben einem wehrlosen Mädchen angetan wurde, reichte, um sich völlig sicher zu sein, dass es so nicht weitergehen konnte. Irgendwo in ihrer verdorbenen Seele regte sich auch ein ganz klein wenig ihr Gewissen. Wie oft war sie Werkzeug und sogar willige Täterin gewesen beim Brechen von Mädchen wie Irina eines war.

Monika suchte ihre wenigen Habseligkeiten zusammen, die sie unter dem Tresen aufbewahrte, blickte sich noch einmal in dem Raum um, der so lange Zeit ihr Arbeitsplatz gewesen war, und eilte zum Aufzug.

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