Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)

Chapter 2 by Emmchen2010 Emmchen2010

Bleibt Melinda oder kann sie Fliehen?

Lina´s Begegnung im Zug

Es war ein gewöhnlicher Mittwochabend. Lina saß in einem fast leeren Zugabteil und starrte gedankenverloren aus dem Fenster. Draußen rauschten die Lichter der Stadt vorbei, und das stetige Rattern der Gleise wirkte beinahe beruhigend auf sie. Ihr Tag war lang gewesen, und sie freute sich auf die vertraute Ruhe ihrer kleinen Wohnung, wo sie sich endlich entspannen konnte.

Sie fuhr oft alleine Zug, aber heute fühlte es sich anders an. Es war später als gewöhnlich, und das Abteil, in dem sie saß, war leer. Nur das schwache Brummen der Klimaanlage und das gelegentliche Quietschen der Gleise begleiteten sie in dieser Einsamkeit. Sie schlang ihre Jacke enger um sich, obwohl es nicht wirklich kalt war. Ein unbestimmtes Gefühl der Beklommenheit hatte sich in ihrem Magen breitgemacht, und sie konnte nicht genau sagen, warum.

Vielleicht bin ich einfach nur müde, dachte sie und rieb sich die Schläfen. Sie sah auf die Uhr. Noch zwanzig Minuten bis zu ihrer Station. Bald bin ich zu Hause.

Plötzlich hielt der Zug an. Eine kleine, unscheinbare Station, kaum mehr als ein Bahnsteig mit einem einzigen Lichtmast. Sie hatte den Namen der Station schon vergessen, denn hier stieg fast nie jemand ein oder aus. Doch diesmal trat ein Mann ein. Sein Anblick ließ Linas Herz einen Moment lang schneller schlagen.

Er war groß, breitschultrig, und obwohl er teuer gekleidet war – ein schwarzer Anzug, der tadellos saß – hatte er etwas an sich, das sie sofort beunruhigte. Es lag nicht nur an seinem Auftreten, sondern auch an seinem Blick. Seine Augen glitten über das Abteil und blieben auf Lina haften, wie ein Raubtier, das seine Beute entdeckt hatte.

Lina spürte, wie sich ihre Nackenhaare aufstellten. Warum muss er sich ausgerechnet hier hinsetzen?, fragte sie sich, als der Mann direkt auf ihr Abteil zusteuerte. Ihre Hände verkrampften sich in ihrem Schoß, während sie zwanghaft versuchte, ruhig zu bleiben. Es wird schon nichts passieren. Er ist nur ein gewöhnlicher Passagier, beruhigte sie sich selbst.

Der Mann setzte sich ihr gegenüber, obwohl das Abteil fast leer war. Seine Bewegungen waren langsam und kontrolliert, als ob er sich jedes Detail seiner Umgebung genau einprägte. Ohne ein Wort zu sagen, musterte er Lina. Es war, als würde er sie studieren, jeden Zug ihres Gesichts, jede ihrer unbewussten Gesten.

Sie konnte den Blick nicht länger ertragen und wandte sich hastig ab, zurück zum Fenster. Ihr Puls beschleunigte sich, und sie spürte die unterschwellige Panik in ihrem Inneren aufsteigen. Vielleicht sollte ich einfach aufstehen und in ein anderes Abteil wechseln, dachte sie, doch ihre Beine fühlten sich wie Blei an. Sie wollte keine Szene machen, aber irgendetwas an diesem Mann war gefährlich, auch wenn sie es nicht genau benennen konnte.

Dann, ohne Vorwarnung, begann der Mann in seiner Tasche zu kramen. Lina warf ihm einen verstohlenen Blick zu, ihre Anspannung wuchs mit jeder Sekunde. Was holte er da heraus?

Zu ihrem Erstaunen zog er eine kleine Puppe hervor – eine unscheinbare, abgenutzte Stoffpuppe, die in seinen riesigen Händen beinahe grotesk wirkte. Ihre Kleidung war altmodisch, der Stoff an einigen Stellen bereits ausgefranst. Es sah aus wie ein Spielzeug, das vielleicht ein kleines Mädchen in ihren Puppenwagen legen würde. Aber der Mann war kein Kind und dieses Szenario fühlte sich alles andere als harmlos an.

Er legte die Puppe auf den Tisch zwischen ihnen, als wäre es das Normalste der Welt. Lina runzelte die Stirn, unfähig zu verstehen, was hier vor sich ging. Was macht er da? Ihr Instinkt sagte ihr, dass sie sofort aufstehen und gehen sollte, aber ihre Beine wollten nicht gehorchen.

"Du solltest besser sitzen bleiben", sagte der Mann plötzlich. Seine Stimme war ruhig, aber kalt wie Eis.

What's next?

Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)