Wie werden die Polizisten wohl reagieren?
Leider recht professionell
Alex sah aus seinem Versteck am Waldrand dem ganzen Treiben zu. Tom, Steffen, Connor, Jessie und Malia hatten mit ihrem Auftritt hoffentlich genügend Verwirrung verursacht, dass er den Polizisten gleich in die Flanke fallen konnte und so ohne viel Aufwand ein paar aus dem Verkehr ziehen konnte. Er hatte die Feldflasche mit Ashas Milch bereits geöffnet und wartete nur darauf, selbst ins Geschehen einzugreifen, sobald ihre Gegner versuchten, mit ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit die anderen zu überrennen. Und da öffneten sich auch schon die Türen des Mannschaftswagens, der hinter dem Transporter zum Stehen gekommen war, und Bewaffnete in Sturmausrüstung sprangen heraus-
-aber anstelle auf die vor ihnen stehenden "Superhelden" loszugehen, nahmen sie statt dessen eine strategische Position hinter dem Transporter ein. Alex konnte sehen, wie sie sich dort formierten - zehn Personen insgesamt - einer gab ihnen offenbar kurz Anweisungen, und dann trennten sich zwei kleine Zweierteams von ihnen, eins zur Linken des Transporters, eins zur rechten, und nur diese kamen dann Alex' Kameraden näher und eröffneten, immer noch in halber Deckung durch das große Fahrzeug, das Feuer.
Alex fluchte innerlich - das machte einen guten Teil ihrer geplanten Taktik hinfällig. Kurzentschlossen setzte er sich in Bewegung, während er die Feldflasche an die Lippen setzte und einen tiefen Zug von Malias Milch trank. Er konnte spüren, wie die Geilheit heiß in ihm aufstieg und sein Körper sich zu verändern begann - fast hätte es ihn ins Stolpern gebracht, während seiner Transformation zu rennen, aber er war koordiniert genug, um damit zurecht zu kommen. Und noch während er auf dem Weg war, hörte er auch schon Jessies einsetzenden Gesang:
"I won't let you down, I will not give you up, gotta have some faith in the sound, it's the one good thing that I've got."
Die Schüsse, die eben noch zu hören gewesen waren, verstummten, und Alex konnte sehen, wie drei der vier Polizisten ihre Gewehre fortwarfen und sich überrascht umsahen. Der vierte Uniformierte - nein, die vierte, es war eine Frau, wirkte einen Moment überrascht, und der Moment war lange genug, dass der Polizist neben ihr nach ihrem Gewehr greifen konnte, allerdings ließ sie es sich nicht abnehmen, stieß ihren unter Jessies Bann stehenden Kollegen von sich und legte auf Jessie an. Aber ehe sie ankam, war auch schon Malia auf sie zugestürmt, und obwohl sie noch eine Salve auf sie abgeben konnte, schienen die Schüsse sie nicht zu stören, und sie sprang sie wie eine Wildkatze an und riss sie um. Während die beiden miteinander rangen, traten Tom und Connor rasch hinzu, um ihrer Kameradin zu helfen, während sich Steffen daran machte, die fallengelassenen Gewehre aufzusammeln.
"I won't let you down, so please don't give me up, because I would really, really love to stick around."
Von den sechs zurückgebliebenen Polizisten schien einer seinen Kollegen vorne etwas zuzubrüllen, das Alex nicht genau verstand, aber es machte keinen Unterschied, denn jetzt war es Tom gelungen, der Polizistin ihren Helm vom Kopf zu zerren, und Connor beugte sich kurz über sie - mehr konnte Alex zwar nicht erkennen, aber er wusste ja, was Connor da mit ihr machte. Und tatsächlich hörte die Frau nur Sekunden später auch auf, sich zu wehren und setzte sich still auf die Straße.
"Heaven knows I was just a young girl, didn′t know what I wanted to be. I was every little hungry schoolboy′s pride and joy, and I guess it was enough for me."
Aber jetzt wurde es auch für Alex ernst, denn inzwischen hatten die in Deckung gebliebenen Polizisten ihn erspäht, wie er da über das Feld auf sie zugerannt kam, inzwischen unübersehbare zweivierzig groß und immer noch am Wachsen. Einer brüllte ihm den Befehl zu, sofort stehenzubleiben, da hatte er noch vierzig Meter vor sich, und natürlich machte er keine Anstalten, auch nur langsamer zu werden. Zwei Sekunden und zehn Meter später wurde auf ihn angelegt, zunächst nur von einem, und die erste knatternde Gewehrsalve verfehlte ihn knapp - er konnte die Kugeln an seinem Ohr vorbeiheulen hören. Eilig hob er die Arme vors Gesicht, während er weiter auf sein Ziel zurannte - ins Auge wollte er keinen Schuss abbekommen - und da jagte auch schon die zweite Salve auf ihn zu. Diesmal hatte der Polizist besser gezielt: Alex konnte die Schüsse in seiner Brust einschlagen fühlen, ein harter Schlag gegen sein Brustbein, und der Schmerz durchzuckte ihn heiß, aber es war definitiv weniger unangenehm als damals vor dem Ministerium gewesen - ein anderes Kaliber, oder vielleicht ein anderer Munitionstyp. Er kam nur ganz leicht aus dem Tritt, und es waren nur noch zwanzig Meter - aber nun wandten sich ihm noch drei andere Gewehrläufe zu! Gleich würde er auf kürzeste Distanz von vier Sturmgewehren beharkt werden-
"To win the race? A prettier face! Brand new clothes and a big fat place somewhere you can't find me."
-doch noch ehe das geschah, sprang Malia in ihrer roten Rüstung zwischen ihn und die Polizisten und baute sich mit einem lauten Schrei vor ihnen so groß auf, wie ihr das mit ihren knappen einsfünfzig möglich war - sie wurde ja nicht mehr vorne gebraucht. Den Schreckmoment hatte sie auf jeden Fall auf ihrer Seite: die Gewehrmündungen richteten sich augenblicklich auf sie, und die Schüsse der vier Polizisten hagelten gegen ihren Körperpanzer. Auf die Distanz und in dieser Menge waren sie definitiv mehr, als die Keramik verkraftete; Alex konnte das Material splittern und knacken hören, aber Malia hatte auch schon ihr Ziel erreicht und Alex den Feuerstoß lange genug vom Hals gehalten - mit einem Satz sprang er über seine kleine Kameradin hinweg, mitten in die Menge der Polizisten hinein, rammte einen bei seiner Landung aus dem Weg und schnappte sich einen anderen sofort am Schlawittchen, um ihn hinter sich und aus der Deckung des Transporters herauszuschleudern. Wenn Jessie ihn sehen konnte, würde ihr Lied auch auf ihn wirken.
"But today the way I play the game is not the same, no way - think I'm gonna get myself happy."
Aber noch hatte Alex die Formation nicht ganz gebrochen - die Polizisten waren wirklich gut ausgebildet. Der eine am Boden rappelte sich auch schon wieder auf, die anderen vier zogen sich geordnet in Richtung ihres Mannschaftswagens zurück, wobei sie wieder ihre Gewehre auf ihn und Malia richteten. Die Kleine war auch schon wieder auf den Beinen und sprang erneut vor Alex, wo sie sich prompt wieder eine Salve einfing, und Alex bereitete sich darauf vor, erneut in ihre Reihen hineinzuspringen. Die Wunde an seiner Brust pochte leicht, aber sie würde ihn nicht sehr aufhalten. Immerhin schien Jessie auch den Mann erwischt zu haben, den er vorhin umgestoßen hatte - auch der ließ gerade seine Waffe fallen.
"I think there′s something you should know: I think it's time I told you so. There′s something deep inside of me, there's someone else I've got to be"
Er wollte eben loslegen, als ein lautes Brausen in der Luft ertönte, und die Polizisten stellten das Feuer ein und sammelten sich statt dessen Schulter an Schulter, um langsam rückwärts zu marschieren. Alex und Malia sahen sich alarmiert um, und da sahen sie auch schon die drei fliegenden Kampfanzüge in der Luft: Die Zarathustra-Einsatztruppe war hier; mit Sicherheit hatten sie den Gefangenentransport aus der Entfernung eskortiert, sonst wären sie nicht in so kurzer Zeit hier aufgetaucht. Das konnte in der Tat ein ernsthaftes Problem werden - wenn sie aus der Luft das Feuer eröffneten, konnte Malia die Kugeln nicht wirklich abfangen, und ihre Rüstungen gaben ihnen zusätzlich noch verstärkte Körperkraft. Alex kam vielleicht mit einem zurecht, aber drei auf einmal - das würde knifflig werden. Sicher konnte er im Moment wieder einen Schluck von Ashas Milch vertragen und noch etwas wachsen, aber selbst dann-
"Take back your picture in a frame, take back your 'Singin' in the rain'"
Und in diesem Moment scherte plötzlich einer der Einsatztruppe aus der Formation aus, drehte einen kurzen Looping und rammte dann von oben einen der anderen Kampfanzüge. Beide wirbelten in der Luft herum, gerieten in einen Taumelflug nach unten und krachten dann in fünfzehn Metern Entfernung ins Feld.
Pandora hatte gezeigt, warum sie auf dieser Mission dabei war.
"I hope you understand sometimes the clothes do not make the man."
0 comments
No comments yet
The story has no discussion yet. Leave a note here when a branch gives you something to say.
No chapter comments yet
No one has commented on this branch yet. Add the first note above.