Geht es also mal wieder in ein Ministerium?

Ja, aber anders als zuvor

Chapter 219 by Hentaitales Hentaitales

"Ins Verteidigungsministerium willst du rein. Die Hardthöhe." Tom lachte humorlos. "Alles klar. Wohin soll ich deinen Grabstein schicken lassen?"

"Also, im Gesundheitsministerium hat es doch auch geklappt", meinte Jessie. "Was ist denn am Verteidigungsministerium anders?"

Tom sah mitleidig zu ihr. "Zuallererstmal ist es nicht ein Gebäude mitten in einer Stadt wie das letzte Mal. Die Hardthöhe ist ein eigener Stadtteil. Es ist im Prinzip eine Militärkaserne und genauso geschützt wie eine Militärkaserne. Beziehungsweise, es ist geschützt wie eine extrem wichtige Militärkaserne, sowohl von Personal als auch elektronisch. Da reinkommen ist nur unwesentlich einfacher als aufs Gelände von Shangri-La zu kommen, und das auch nur, weil die Sicherheit nicht von den Amis optimiert wurde."

Pandora war immer noch am Grübeln. "Lass mich trotzdem den Gedanken noch etwas weiterführen", sagte sie. "Ich müsste in keinen echten Hochsicherheitsbereich. Mir langt ein Zugang zu einem normalen Computer von den Verwaltungsbeamten dort. Ich suche nicht nach militärischen Geheimnissen, ich suche nach den Verträgen, die sie mit den Firmen geschlossen haben, die am Bau von Shangri-La beteiligt waren. Das ist was anderes als direkt an die Server ranzukommen, wie im Gesundheitsministerium."

"Trotzdem kriegen wir dich da nicht so ohne Weiteres rein", widersprach Tom. "Du müsstest dich ausweisen, bräuchtest einen legitimen Grund für deine Anwesenheit auf dem Gelände, und dann hättest du wohl auch noch ständig Begleitung. Mit Viktor kämst du vielleicht rein, aber du musst ja auch noch einen Rechner finden, den du benutzen kannst, die Infos rausziehen und dann wieder raus. Wie schnell denkst du denn, dass du das schaffst?"

"Reine Onlinezeit?" Sie überlegte kurz. "Zwanzig, dreißig Minuten, wenn ich ein Passwort für den Zugang habe. Ansonsten nochmal zehn Minuten mehr fürs Reinhacken."

Tom hob die Schultern. "Und fünf bis zehn Minuten, nachdem Viktor bei jemandem war, merkt der, dass etwas faul ist und schlägt Alarm. Das reicht vorne und hinten nicht."

Mit einem leichten Räuspern hob Viktor die Hand. "Also, das stimmt schon, aber da gibt's ne einfache Lösung: Wir bringen einfach alle um, die uns zum Problem werden können. Solange ich vor Ort bin, wird sich keiner wehren und-"

"Äh, nein." Lorena schüttelte den Kopf. "Einfach nur nein. Wir werden nicht damit anfangen, mit Toten zu planen."

"Eben." Tom lehnte sich zurück. "Und darum wird das nicht klappen. Wir müssen anders rauskriegen, wie Shangri-La organisiert ist. In die Hardthöhe kommt keiner einfach so rein.

Die ganze Zeit über war Steffen verdächtig leise gewesen. Jetzt aber sah er auf. "Weißt du, was mich beschäftigt, Atlas?"

Tom sah zu ihm. "Was denn?"

"Wenn da keiner einfach so reinkommt", wollte er wissen, "wie bestellen die da drinnen sich eigentlich eine Pizza, wenn sie mal zwischendrin Hunger kriegen?"


Die Idee mit der Pizza half ihnen zwar nicht weiter - natürlich gab es im Verteidigungsministerium eine eigene Kantine, die auch Essen auf der ganzen Basis auslieferte - aber es brachte ausgerechnet Asha auf einen ganz neuen Gedanken, und als sie den näher besprachen, stellte sich heraus, dass sie doch einen Weg hatten, zu ihrem Ziel zu kommen. Es verschaffte ihnen einen Grund, eine Stunde vor Ort zu sein, ohne Verdacht zu erregen, es brachte Pandora an einen der Computerzugänge heran, und was das Beste war: niemand würde herausfinden, dass sie überhaupt dagewesen waren. Der Plan war nicht ganz risikolos; vor allen Dingen brauchte er einiges an Vorbereitung, aber er war umsetzbar, und das relativ kurzfristig.

Sechs Tage später und ein paar hundert Kilometer entfernt machte sich ein Lastwagen einer kleinen Bonner Spedition auf den Weg zu einem Getränkegroßhandel in der Gegend, um wie jede Woche eine Lieferung für das Verteidigungsministerium abzuholen. Die Fahrer kannten das ganze Prozedere bereits aus dem Effeff; sie machten den Job schon zwei Jahre lang, und so waren sie etwas überrascht, als bei der Ankunft ein Staplerfahrer auf sie wartete, den sie noch nicht kannten. "Ich bin Matze", stellte der sich vor, "ich spring für Dennis ein. Der hat sich was eingefangen."

Was Matze nicht sagte, war, dass sein Name eigentlich Alex war, und dass Dennis sich nichts eingefangen hatte, sondern gerade im Büro unter Anna lag, die ihn nach allen Regeln der Kunst verwöhnte. Und er sagte auch nichts davon, dass eines der Gebinde, die er auflud, nicht nur alkoholfreies Bier in 120-Liter-Fässern enthielt, sondern noch etwas anderes. Aber er machte seinen Job okay; der Vierzigtonner war in einer knappen halben Stunde beladen, und die beiden Fahrer machten sich arglos auf den Weg zu ihrem Ziel.

Auch am Tor der Hardthöhe fielen sie nicht auf. Der Anhänger des LKWs wog exakt so viel, wie er laut Frachtpapiere hätte wiegen sollen, nicht ein Kilo zu viel, und beim Durchröntgen sahen die Beamten auch nur die Ladung, die sie erwartet hatten. Dementsprechend prüften sie noch die Identität der beiden Fahrer, konnten sie bestätigen und ließen die Lieferung dementsprechend passieren. Niemand beachtete den Vierzigtonner auf dem Weg zur Kantine besonders; es fuhren ständig zivile Fahrzeuge ein und aus, und auch dieses hier kannten alle, die für die Sicherheit zuständig waren.

Am Ziel angekommen fuhren der LKW an die Laderampe der Kantine heran, und die Fahrer öffneten die Türen, so dass der Soldat, der den Gabelstapler vor Ort fuhr, seine Arbeit beginnen konnte. Es war ein älterer Hauptgefreiter, der sich zwar militärisch noch nie hervorgetan hatte, aber sämtliche Ausbildungsnachweise hatte, die man als Soldat sammeln konnte, und zu diesen gehörte auch der Staplerschein. Er machte sich routiniert, wenn auch ohne große Eile an die Arbeit und begann mit den nahe der Tür stehenden großen Gebinden aus Bierfässern, die er ganz ans hintere Ende der Lagerhalle fuhr. Er machte die Tour einmal, zweimal, dreimal, und als er das dritte Mal wegfuhr, sah er nicht mehr, dass sich eines der Fässer vom ersten Gebinde in der Mitte auftat, Pandora eilig herausstieg, das Fass wieder zusammensetzte und dann in das Lagerbüro huschte, wo alle Eingänge verwaltet wurden.

Es brauchte wieder eine knappe halbe Stunde mit dem Stapler, bis der Vierzigtonner leer war, und dann noch einmal eine halbe Stunde, bis das Leergut aus dem Lager wieder aufgeladen war. Dem Hauptgefreiten fiel bei seiner letzten Tour auf, dass jemand vergessen hatte, das eine noch übrige Fässergebinde noch korrekt zu verzurren, und grummelnd erledigte er den Rest der Arbeit noch selbst und nahm sich vor, später demjenigen einen ordentlichen Einlauf zu verpassen, der das verbummelt hatte. Dann machte er noch die letzte Staplerfahrt, so dass der Vierzigtonner voll beladen war und sich auf den Rückweg machen konnte.

Bei der Ausfahrt fiel den Wachen dann auf, dass der Anhänger etwas schwerer war, als er mit Leergut beladen hätte sein sollen. Aber das kam ständig vor: jemand stellte halbleere Flaschen zurück in die Kiste, oder ein Bierfass wurde angebrochen und dann doch nicht ganz geleert. Und nur wegen so einer Kleinigkeit hätte niemand die Ladung noch einmal ganz überprüft. Der LKW hatte die ganze Zeit nur vor der Kantine gestanden; niemand hätte ungesehen Waffen oder andere wichtige Dinge darin verstauen können. Dementsprechend machte man am Tor nur kurz einen Vermerk und ließ die Fahrer dann passieren. Erst Tage später fiel in der Kantine auf, dass die Spedition dieses Mal versehentlich ein leeres Fass geliefert hatte, es wurde eine kurze Beschwerde geschrieben, und damit war das Thema erledigt. Jenseits der Mannschaftsdienstgrade bekam niemand etwas davon mit.

Als die Speditionsfahrer schließlich wieder am Getränkemarkt ankamen, war zu ihrer Überraschung Dennis wieder im Einsatz, wenn er auch wirklich noch etwas fiebrig wirkte. Aber er erledigte seinen Job, lud das Leergut wieder aus und sagte nichts zu dem, was ihm widerfahren war. Und erst, als er aus der Lagerhalle verschwunden und zurück in seinem Büro war, kam Pandora wieder aus ihrem Versteck und lief zum bereitstehenden Wagen, während Alex sich darum kümmerte, das präparierte Bierfass zurück ins Auto zu schaffen. Als letztes folgte ihnen Anna, die im Büro Dennis noch das versprochene Finale verschafft hatte.

"Und?" erkundigte sie sich, als sie mit einer großen Flasche unter dem Arm einstieg.

"Hab's", grinste Pandora.

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