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Chapter 4
by
Emmchen2010
What's next?
Im Netz
Sister Grenz stand regungslos auf dem rissigen Gehweg. Die Nacht schien dichter zu werden, als ob die Dunkelheit selbst sie umfing und ihr die Sinne raubte. Die drei Frauen vor ihr bewegten sich in einem langsamen, fast unnatürlichen Rhythmus, ihre scharfen Augen ruhten auf ihr, als hätten sie etwas in ihr erkannt, das sie selbst nicht verstand.
Was war mit mir los? Die Gedanken in Sister Grenzs Kopf waren wie festgefroren, ihre Glieder schwer wie Blei. Sie konnte den Blick der Frau, die ihr am nächsten stand, nicht erwidern, aber sie konnte auch nicht wegsehen. Die Worte, die die Frau flüsterte, schienen direkt in ihr Inneres zu dringen, tiefer als jede menschliche Stimme es tun sollte.
"Du gehörst zu uns", sagte die Frau wieder, ihre Lippen formten die Worte mit einer gefährlichen Sanftheit. Ihre Augen glitzerten unter den flackernden Straßenlaternen. „Dein Blut ruft nach uns.“
Sister Grenz wollte protestieren, wollte sich losreißen und dem Gefühl der Lähmung entkommen, das sich wie eine unsichtbare Kraft um ihren Körper gelegt hatte. Sie konnte sich kaum bewegen, als ob die Welt um sie herum in Zeitlupe verfallen war und nur sie allein darin gefangen blieb. Mein Blut? Das klang so falsch, so unbegreiflich, aber gleichzeitig… fühlte es sich vertraut an. Tief in ihrem Inneren, dort, wo sie niemals hingeschaut hatte, begann ein Funke von Verständnis zu glimmen.
Sie erinnerte sich an ihre ****, an ihre Großmutter, die in einem kleinen Dorf in Osteuropa aufgewachsen war, lange bevor sie nach Amerika ausgewandert war. Diese Geschichten waren nie wirklich Teil ihres Lebens gewesen – sie waren wie ein ferner, vergessener Traum, ein Relikt aus einer anderen Zeit, das sie nie ganz verstanden hatte. Doch jetzt, hier, in dieser dunklen, fremden Straße, fühlte sie, wie diese Vergangenheit plötzlich lebendig wurde.
„Nein“, flüsterte sie, mehr zu sich selbst als zu den Frauen. Ihre Stimme war schwach, kaum mehr als ein Hauch, aber es war alles, was sie aufbringen konnte. „Ich gehöre nicht hierher. Ich… bin eine Missionarin.“
Die Worte fühlten sich hohl an, leer und ohne Überzeugung. Das Bild der frommen Sister Grenz begann vor ihren Augen zu verschwimmen, als ob es nie wirklich existiert hätte. Wer war sie wirklich? Diese Frage drängte sich plötzlich auf, scharf und bohrend. War sie wirklich das, wofür sie sich hielt, oder war sie etwas anderes, tiefer Verborgenes? Etwas, das sie ihr ganzes Leben lang unterdrückt hatte?
Die fremde Frau lachte leise, ein dunkles, kehliges Lachen, das durch die Stille der Nacht schnitt. „Du kannst nicht leugnen, was du bist“, sagte sie, während sie ihre Hand auf Souceks Wange legte. Die Berührung war kühl und gleichzeitig brannte sie wie Feuer auf ihrer Haut. „Du fühlst es, nicht wahr? Dieses Verlangen, diese Sehnsucht…“
Sister Grenz spürte einen Schauer durch ihren Körper laufen. Sie wollte sich von der Berührung lösen, doch es war, als ob sie verwurzelt wäre, festgehalten von einer unsichtbaren Macht. Ihr Körper fühlte sich fremd an, als ob er nicht mehr ihr eigener war. Jede Faser ihres Seins schien auf diese Worte zu reagieren, als ob ein längst vergessener Teil von ihr plötzlich erwacht wäre.
„Ich… ich weiß nicht, wovon ihr sprecht“, stammelte sie, während ihre Augen sich mit Tränen füllten. Doch tief in ihrem Inneren wusste sie, dass es eine Lüge war. Etwas in ihr wusste genau, wovon die Frauen sprachen.
Eine zweite Frau trat vor, ihre langen, schwarzen Haare fielen wie ein Schleier um ihre Schultern. Sie lächelte sanft, fast mütterlich, und ihre dunklen Augen funkelten wie Onyx im schummrigen Licht. „Es ist dein Blut, das spricht, Irina“, sagte sie leise, während sie eine Strähne von Grenzs Haar zwischen ihren Fingern drehte.
Irina. Der Name hallte in ihrem Kopf wider. Es war ein Name, den sie nie zuvor gehört hatte, und doch fühlte er sich auf eine seltsame Weise vertraut an, als ob er immer ein Teil von ihr gewesen war, ein Schatten ihres wahren Selbst. Nein, ich bin nicht Irina, dachte sie ****. „Ich bin Sister Grenz, eine Missionarin. Ich gehöre zu Gott.“
Doch die Worte, die sie aussprach, hatten keine Kraft mehr. Sie klangen schwach und weit entfernt, als ob sie nicht wirklich von ihr kamen. Es war, als ob der Boden unter ihren Füßen sich verschieben würde, als ob die Realität, die sie kannte, plötzlich brüchig wurde.
Die dritte Frau, die bisher geschwiegen hatte, trat nun näher und hob ein fein geschnittenes Gesicht mit hohen Wangenknochen. Sie musterte Sister Soucek mit einem wissenden Lächeln, als ob sie längst verstanden hätte, was in ihr vorging. „Du kannst dich nicht ewig vor deinem wahren Selbst verstecken, Irina“, sagte sie ruhig. „Das Blut wird dich immer finden.“
Mein wahres Selbst? Ein Flüstern in ihrem Inneren, ein Echo von etwas Verdrängtem, erwachte. Es war nicht mehr zu leugnen. Etwas an diesen Frauen rief sie, etwas, das tiefer ging als jeder Glaube, als jedes Gebet. Es war ihr Blut. Ein uraltes Erbe, das sie immer ignoriert hatte, das jetzt unaufhaltsam hervordrang, wie ein Fluss, der endlich seine Mauer durchbrochen hatte.
Sister Grenz versuchte erneut, sich zu wehren, aber ihre Gedanken waren träge, ihre Glieder schwer. Die fremde Frau hob die Hand und berührte sanft ihre Stirn, und in diesem Moment war es, als ob eine Schleier über ihre Sinne fiel. Alles um sie herum verblasste. Der Lärm der Stadt, das Rauschen der fernen Autos, die kühle Luft – all das verschwand in einem Nebel aus Stimmen und Erinnerungen, die nicht ihre eigenen waren.
Bilder flackerten vor ihren Augen auf. Ein Dorf, eingehüllt in Nebel. Frauen in langen, traditionellen Kleidern, die über Felder gingen, leise Lieder auf ihren Lippen. Das tiefe, rhythmische Schlagen eines Herzens, das durch Jahrhunderte hallte. Und dann sah sie sich selbst – oder war es jemand anderes? Eine Frau mit dunklem Haar, die in einem Spiegelbild lächelte, während sie eine Kette aus Gold um ihren Hals legte.
Irina. Der Name brannte jetzt in ihrem Kopf, als ob er sich in ihre Seele eingebrannt hätte. Sie konnte nicht länger leugnen, was sie fühlte. Dieses Blut, diese Vergangenheit… es gehörte zu ihr. Es war ein Teil von ihr.
„Ja“, flüsterte die Frau, als sie sah, wie Sister Grenzs Widerstand schwächer wurde. „Du erinnerst dich, nicht wahr? Du bist eine von uns.“
In dem Moment spürte Sister Grenz, wie ihr Körper sich veränderte. Ihre schlichten Schuhe, die sie als Missionarin getragen hatte, begannen sich vor ihren Augen zu verwandeln. Sie wurden länger, höher, bis sie zu glänzenden, schwarzen High Heels wurden, die auf den Pflastersteinen klackten. Ihr schlichtes Kleid, das ihre Reinheit symbolisiert hatte, schien zu zerfließen, sich in Stoffe zu verwandeln, die knapp und eng um ihren Körper lagen, als ob sie ihn einhüllen wollten.
Ein letzter Funke von Verstand blitzte in ihr auf, eine Erinnerung an das, was sie einmal war. Ich bin Sister Grenz. Ich… gehöre nicht hierher.
Doch es war zu spät. Der Nebel in ihrem Kopf hatte sie vollständig ergriffen. Ihre Hände, die noch vor wenigen Minuten in stillem Gebet gefaltet waren, zitterten nun leicht, als sie langsam ihre neue Kleidung glattstrich. Ihre Lippen öffneten sich, aber die Worte, die sie sprechen wollte – die Gebete, die ihr Rettung bringen sollten – waren vergessen. Stattdessen formten ihre Lippen fremde Laute, eine Sprache, die sie nicht gelernt, aber immer gekannt hatte.
„Ja,“ flüsterte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Seufzen, „ich bin Irina.“
What's next?
Eine Nacht voller Gefahren
Gefährlicher Heimweg, man weiß nie wer dort so auf einen lauert.
Melinda eine Studentin befindet sich nachts auf dem Heimweg, als ihr Leben eine neue Wendung nimmt.
Updated on Dec 3, 2025
by Emmchen2010
Created on Nov 30, 2025
by Emmchen2010
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