Chapter 13
by
Reyhani
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Freundschaftspakt
Heute geschlossen!
Das Schild im verhängten Schaufenster des Weißen Salons lässt meinen Mut sinken. Aber die Tür steht sperrangelweit offen. Vielleicht ist ja doch jemand da.
Ein strenger, künstlicher Geruch nach Limette weht mir entgegen. Im Laden wirbelt eine Putzkraft. Ich lege mir meine längst verschüttetes Russisch zurecht, um nach Madeleine zu fragen. Da sehe ich es erst, es ist die Chefin persönlich. Die Leggins mit dem komischen Muster, das alte T-Shirt, die Crocs und die mit einem Tuch hochgebunden Haare – so habe ich Madeleine noch nie gesehen.
Als sie fertig ist, kommt sie raus und setzt sich zu mir auf die Stufen in die Nachmittagssonne. Sie öffnet ihre Haare und steckt sich eine Zigarette an. Ich bin geblendet von ihrem Feuerwerk.
Sie raucht schweigend. Ich bin dankbar, dass sie mir Zeit gibt. Meine Beichte fällt mir nicht leicht. Ich habe auf der Fahrt beschlossen, die Wahrheit in ein Märchen zu verpacken. Das macht es leichter für uns beide.
Ich beginne stockend. Dass es mir Leid tut, dass ich gestern so sang- und klanglos verschwunden bin. Dass mich Coco an eine Schülerin von mir erinnert hat, was mich irgendwie getriggert hat. Dass ich hoffe, dass es Coco gut geht. Dass ich mich jetzt irgendwie verantwortlich für sie fühle wegen der Ähnlichkeit.
Madeleine raucht und hört sich kommentarlos meine wirre Geschichte an. Dann glimmt ein kleiner, teuflischer Funken in ihren Augen auf. Mit einem gewissen Stolz verkündet sie:
„Das mit den Klemmen war meine Idee. Das Tüpfelchen auf dem i sozusagen. Gib zu, dass du deshalb nicht widerstehen konntest.“
Ich schweige betreten.
„Oder waren es Cocos absolut geile Titten? Die sind dir ja hoffentlich auch aufgefallen.“
„Die habe ich gar nicht berührt“, entgegne ich aggressiv. Sofort merke ich, wie lächerlich sich das anhört.
„Du kannst unbesorgt sein, Coco geht es gut. Sie hat die Show sehr genossen. Als ich den Laden um acht zugesperrt habe, ist sie sehr zufrieden nach Hause gegangen.“
„Und das macht ihr Spaß, sich so ausstellen und anfassen zu lassen? Das macht sie freiwillig?“
„Was meinst du mit freiwillig? Als Aushilfe muss sie natürlich aushelfen. Sie hätte auch **** servieren können oder den Gästen die Mäntel abnehmen. Aber so hat sie mehr gelernt und hatte mehr Spaß.“
„Und das hast du entschieden?“
„Klar, ich bin ja die Chefin. Deshalb hat Coco den Job ja angenommen, weil sie weiß, dass sie das noch nicht selbst entscheiden kann.“
Ich muss wohl sehr skeptisch geguckt haben. Ich will Madeleine ja vertrauen, aber diese Logik ist mir fremd. Das widerspricht fundamental meinem Glauben an Selbstbestimmung.
„Keine Angst“, versucht sie mich zu beruhigen, „ich passe schon auf die Kleine auf, auch wenn ich manchmal strenge Chefin spiele. Ich lasse nicht zu, dass aus ihr eine frustrierte Hausfrau oder Sachbearbeiterin oder Gebietsbereichsleiterin wird … oder ’ne frustrierte Lehrerin. Davon gibt’s ja schon genug.“
Madeleine kichert, während ich das Gesicht schmerzhaft verziehe. Schon wieder ein Volltreffer. Ich muss mehr auf meine Deckung achten. Aber bei diesem Gegner ist das leichter gesagt als getan.
Madeleine legt einen Arm um mich und zieht mich an sich heran. Ihre Haare kitzeln an meinem Hals. Ich blende den Geruch des Putzmittels aus und genieße ihre Nähe.
Nach einer Weile fährt sie fort: „Ich mache dir einen Vorschlag: Ich mag dich, lass uns Freunde werden. Dann sehen wir uns regelmäßig und ich kann dir von Cocos Fortschritten berichten. Du willst sie ja nicht unbedingt noch einmal selbst treffen, wenn ich dich richtig verstanden habe?“
„Genau, das wäre aus verschiedenen Gründen nicht gut.“
„O.k., aber du musst mir auch was versprechen. Gesteh deinen Schülern zu, dass sie mal was ausprobieren. Besonders der Schülerin, von der du erzählt hast.“
Ich nicke eifrig denn das habe ich längst getan.
Wir stehen auf und Madeleine meint, jetzt müsste der Boden trocken sein. Das Schaufenster würde sie morgen zusammen mit Coco neu dekorieren, aber ob ich ihr nicht helfen könnte, im Laden alles wieder an den rechten Platz zu räumen. Und die hinteren Räume müssten auch noch auf Vordermann gebracht werden.
Natürlich bin ich dabei. Ich habe heute nichts mehr vor und wozu sind Freunde denn da.
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Updated on Feb 13, 2026
by SecretLab
Created on Jul 29, 2025
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