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Chapter 5 by daimon daimon

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Frau Kramov besucht Simone (20. März)

Simone und Tim hatten sich gerade an den üppig gedeckten Frühstückstisch gesetzt, als es klingelte. Simone hatte eigentlich keine Lust, die Tür zu öffnen. Einerseits waren sie beide nicht wirklich gekleidet, um irgendjemanden zu empfangen, andererseits hatte sie seit dem Brief, den sie letztens erhalten hatte, richtig gehend Angst vor unangekündigten Besuchern.

Als es ein zweites Mal klingelte, erhob sich Simone mit einem Seufzen, gürtete den Morgenmantel enger und ging zur Tür. Aufgrund der Erfahrungen, die sie in den letzten Tagen gemacht hatte, blickte sie zuerst durch den Spion.

Die Frau, die vor der Tür stand, hatte sie noch nie gesehen. Sie wohnte sicher nicht im Haus und für Spendensammler oder Zeugen Jehovas war sie viel zu elegant gekleidet. Die Besucherin hatte offenbar bemerkt, dass sich der Spion verdunkelt hatte, denn sie hob ungeduldig eine ihrer perfekt gepflegten Augenbrauen.

Simone konnte sich nicht vorstellen, dass von dieser Dame irgendeine Gefahr ausgehen könnte und öffnete die Tür.

„Guten Morgen, bitte entschuldigen sie die Störung. Sie kennen mich nicht. Ich bin …“

Sie hatte an Simone vorbei einen Blick in die Küche erhascht und Tim erblickt, der ungeduldig in seinem Kaffee rührte.

„Das gibt’s doch nicht, wenn das nicht der kleine Timmi ist!“

„Tim, der zunächst versucht hatte, sich vor der grellen Frauenstimme zu verstecken, indem er fast in seiner Tasse versank, schreckte auf, als er die verhasste Verkürzung seines Vornamens hörte.

Simone, die ob des Ausbruchs der Besucherin vor Schreck etwas zur Seite getreten war, gab ihrem Liebhaber den Blick auf die etwa 50-jährige Frau frei.

„Kennst du mich nicht mehr? Also wirklich! Diese undankbare Jugend! Ich bins, deine liebe Tante Celine!“

Tim war sichtlich erschrocken. Er starrte auf die Frau wie auf einen Geist.

„Langsam finde ich es schon merkwürdig, dass du jede Frau zu kennen scheinst, die du in meiner Wohnung triffst,“ entfuhr es Simone in seine Richtung.

„Und da sagt man immer, die erste Frau vergisst man nie!“ Die Dame war offenbar bester Dinge und amüsierte sich köstlich.

Dann musterte sie zuerst Simone und dann Tim sorgfältig und musste schmunzeln.

„Seid ihr etwa …Habt ihr etwa?“

Als die beiden nur betreten und etwas verärgert dreinschauten, war es um den letzten Rest Beherrschung geschehen. Brüllendes Gelächter ließ das junge Paar zusammenzucken. Ein genervter Blick, den sie wechselten, sprach Bände:

„Die Alte ist verrückt! Hoffentlich werden wir sie bald los!“

Nach einer gefühlten Ewigkeit gewann die Dame ihre Contenance zurück

„Ihr müsst wissen, ich bin hier, weil ich einmal nachsehen wollte, wo mein Ehemann in letzter Zeit unser ganzes Geld reinpulvert. Zuerst dieser Wechsel, den er vorgestern übernommen hat. Und jetzt hat er doch glatt eine Wohnung gekauft! Ich hab schon befürchtet, er hält sich hier irgendein Flittchen.“

„Wenn ich gewusst hätte …“

Sie schüttelte – immer noch fassungslos – den Kopf

„Mein Mann heißt Kramov. Ich habe ihn geheiratet, nachdem ich aufgehört hatte, bei Tims Vater zu arbeiten.“

Simone begann nun langsam zu verstehen.

„Ihren Mann können sie gerne behalten! Und ich arbeite auch nicht für ihn, wenn sie das meinen“

„Ist schon gut. Ich verstehe. Er hat es nicht geschafft, sie zu engagieren und jetzt setzt er sie unter Druck. Ich schätze, sie sind mit der Miete im Rückstand?“

Simone musste gar nicht antworten, Frau Kramov hatte die Situation erfasst.

„Wissen sie was? Ich kann ihnen helfen! Stellen sie sich doch einmal neben Tim und lächeln sie!“

Unsicher ging Simone auf den Tisch zu. Tim wollte etwas sagen, da blitzte es und das Smartphone, das die Besucherin unbemerkt aus der Tasche gezogen hatte machte Klick.

Tim erhob sich vom Tisch, Simone ging erschrocken auf die Frau zu. Sie hatte sie einfach ohne ihre Zustimmung fotografiert.

„Schon passiert, schon gesendet. Mein Mann mag ja ein etwas eingetrübtes Urteilsvermögen und entsetzlich wenig Geschäftssinn haben, aber so wahnsinnig, dass er sich mit Tims Vater anlegt, ist er auch wieder nicht. Meine Liebe, sie haben von nun an sicherlich ihre Ruhe von der Agentur Justine.“

Sie wandte sich zum Gehen drehte sich aber kurz vor der Tür noch einmal um und meinte zu Tim:

„Du hättest wirklich nicht so entsetzt zu reagieren brauchen. Ich weiß ja selbst, wie alt und hässlich ich geworden bin. Dabei hatten wir doch so eine gute Zeit, ehe diese Schlampe Chantal auftauchte. Kaum aus den Windeln, hat sie allen Männern in meinem Leben den Kopf verdreht.“

„Chantal war 18, genauso alt wie ich!“

„Aus den Windeln, sag ich doch. Habt ihr noch Kontakt. Sie ist jetzt sicher auch keine 18 mehr!“

Tim errötete und fuhr sich durch die Haare. Die Frau öffnete sich selbst die Tür und war verschwunden. In der Küche war es mit einem Schlag beängstigend ruhig.

Tim, der genau wusste, dass er nun sehr viele Fragen zu beantworten haben würde, hörte gar nicht mehr auf, sich die Haare zu raufen.

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