Verläuft die Fahrt ansonsten reibungslos?
Es gibt eine kleine Überraschung
Jessie und Alex plauderten so auf der Fahrt weiter miteinander, über nichts Ernstes und schon gar nicht über ihre anstehende Mission, aber sie lernten einander ein wenig besser kennen. Beide waren sehr bodenständige Menschen, realistisch und ohne große Illusionen über die Welt, und bis auf Jessies Musikgeschmack gab es nur wenig, bei dem sie sich nicht einig waren. Als Alex sie ein wenig zu den anderen in ihrer kleinen Gruppe befragte, stellte er zu seiner Überraschung fest, dass sie nicht nur vor Tom, sondern auch vor Steffen den allerhöchsten Respekt zu haben schien - wann immer er die beiden im selben Raum erlebt hatte, war sie ihm eher etwas kritisch und manchmal sogar leicht sarkastisch ihm gegenüber vorgekommen.
"Oh, Eidolon will das gar nicht anders", gab Jessie zurück, als Alex sie direkt danach fragte. "Weißt du, er ist zu dieser Anführerrolle bei uns gekommen wie die Jungfrau zum Kind, und nur durch unsere Kritik wird er besser darin. Seine Worte, nicht meine."
"Interessant..." Alex dachte kurz nach. "Nachdem ich inzwischen weiß, was Atlas vorher gemacht hat, hätte ich eigentlich gedacht, er würde sich als Anführer anbieten. Mit seinem Hintergrund als Offizier, meine ich."
Jessie schüttelte den Kopf. "Gerade weil er Soldat war, macht er das nicht. Wir sind keine militärische Einheit oder so was. Atlas und seine Erfahrung helfen uns natürlich sehr bei der Planung, aber die Entscheidungen vor Ort trifft im Regelfall Eidolon. Und wenn Atlas mit denen nicht einverstanden ist, sagt er das ihm bestenfalls hinterher. Hat bisher eigentlich immer gut geklappt."
Wenn Alex an die Mission im Gefängnis zurückdachte... "Auch wenn öfter mal was schiefgeht, oder?"
"Dafür sind wir flexibel genug, um auch mit unerwarteten Problemen zurechtzukommen." Jessie lächelte fast ein bisschen stolz. "Vielleicht klappt nicht alles so wie geplant, aber heil rausgekommen sind wir bisher noch immer."
"Ja, weil ich euch immer den Rücken freigehalten habe", drang völlig unerwartet eine weibliche Stimme aus dem Lautsprecher im Auto.
Alex starrte verdutzt die Musikanlage an. "Was zum Teufel-"
Mit einem leisen Stöhnen verdrehte Jessie die Augen. "Hallo Pandora, nett, dass du dich meldest. Wie lange hörst du uns schon zu?"
"Lange genug, um mich zu dabei zu langweilen", gab die Stimme zurück. "Roadie, dein Handy ist offen wie ein Scheunentor für alle möglichen Angriffe. Nach dieser Mission gibst du es mir und ich installier dir mal ne gescheite Sicherheit drauf."
"Äh, danke." Alex hatte erst jetzt richtig verstanden, was gerade passiert war. "Du bist unsere Hackerin, nehme ich an?"
Die Frage hätte er besser nicht gestellt. "Im Moment bin ich deine Handlerin, Roadie", gab Pandora ziemlich angesäuert zurück, "und das heißt, du lässt die unqualifizierten Kommentare und tust statt dessen, was ich dir sage! Soweit kapiert?"
Da war sie bei Alex allerdings an der falschen Adresse. "Geht's noch?" schnappte er zurück. "Das war ne ganz normale Frage! In dem Ton brauchst du erst gar nicht anzufangen!"
"Dann wird das nichts mit eurer Mission", gab Pandora kalt zurück. "Ich hab Atlas ganz klar gesagt, ich mach den Handler nur unter der Voraussetzung, dass ihr auch auf mein Kommando hört. Wenn du jetzt schon bockst, bin ich raus!"
"Mach mal halblang, Pandora", mischte sich nun Jessie ein. "Es sind unsere Ärsche, die da draußen in Gefahr sind. Du sitzt sicher und trocken in deinem Kabuff und überwachst alles, und ja, wir sind dir für jede Hilfe dankbar. Aber die letzte Entscheidung, was wir machen und was nicht, die liegt bei uns und nicht bei-"
In diesem Moment leuchteten sämtliche Warnleuchten am Armaturenbrett gleichzeitig auf, und ein penetrantes Gonggeräusch hallte durch das Auto, während der Motor ausging. Alex stieß einen unterdrückten Fluch aus, versuchte den Wagen wieder zu starten, aber letzten Endes erfolglos, und er lenkte sie schließlich auf den Seitenstreifen und hielt dort an. "Fuck, was ist denn jetzt los?"
Da erloschen die Warnleuchten auch schon wieder, und das Auto sprang erneut an.
"Lass uns doch noch mal drüber reden, Syren", kam Pandoras Stimme süffisant aus der Soundanlage.
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