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Chapter 4

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Echte Drachen

Katharina hatte noch nicht oft gegen echte Drachen gekämpft. Diejenigen, auf die sie bisher getroffen war, waren Wesen der Luft und des Feuers gewesen, die sich auf Fledermausflügeln in die Lüfte erhoben. Diese waren schwer zu erwischen gewesen, da sie schnell und wendig durch den Himmel jagten. Sie verließen sich auf ihre Geschwindigkeit und Agilität. Hatte man sie aber erst einmal gestellt und in den Nahkampf ****, konnte ein durchtrainierter und gut bewaffneter Mensch sie durchaus bezwingen. Mit solch einem Gegner hatte Katharina gerechnet, zwar gefährlich, aber überwindbar.

Ihr jetziger Widersacher aber schien ein Wesen des Elements Erde zu sein. Massig und bodenständig, offensichtlich stark und widerstandsfähig. Seine Schuppen an Kopf und Rücken glänzten im letzten Tageslicht metallisch und wären sicher zu hart, als dass Pfeile sie würden durchdringen können. Geduckt kroch er auf seine Beute zu, die reptilienhaften Augen zu schmalen Schlitzen verengt. Dass er sich aufrichten und dadurch ihr seinen verwundbareren Bauch zuwenden würde, konnte sie nicht hoffen.

Einen direkten Kampf zu Fuß wollte Katharina nicht wagen. Der Körperkraft und der Ausdauer des Drachen wäre sie nicht gewachsen. Ihre einzige Chance war, das Untier mit einem gewaltigen Lanzenstoß so schwer zu verletzen und durch Blutverlust zu schwächen, dass die Zeit für sie arbeiten würde und sie zuletzt eine Aussicht hätte, ihn zu bezwingen.

Auch wenn solch ein Frontalangriff höchst gefährlich war, musste sie es wagen. Die einzige Alternative wäre sich zurückzuziehen, was bedeutet hätte, die Jungfrau ihrem grausigen Schicksal zu überlassen. Das konnte Katharina weder mit ihrer Ehre noch mit ihrem Gewissen vereinbaren.

„Mache dich bereit zu sterben!", rief Katharina dem Untier ihre Herausforderung entgegen, ihre Stimme klang unter dem Helm dumpf und blechern, „ich werde dich zurück in die Hölle schicken, in die du gehörst."

Der Drache antwortete mit einem tiefen Lachen, das schrecklicherweise an das eines Menschen erinnerte. In seinen zusammengekniffenen Augen blitzte Humor auf sowie eine unerwartete Intelligenz.

Katharina gab ihrem Pferd die Sporen und stürmte mit eingelegter Lanze auf das Monster zu. Kurz bevor sie ihr Ziel erreichte, blies der Drache ihr eine heiße Feuerwolke entgegen. Katharina roch verbranntes Fell, ihr Reittier versuchte panisch auszubrechen und geblendet von Helligkeit und Rauch konnte sie ihr Ziel nicht mehr erkennen. Ein peitschender Schwanzschlag gegen die Vorderbeine ließ ihr Pferd einknicken und sie flog in hohem Bogen aus dem Sattel. Noch während sie in der Luft war, sah sie aus dem Augenwinkel, wie der Reptilienkopf blitzartig zustieß und den Nacken des Pferdes mit einem einzigen Biss durchtrennte. Der Aufschlag auf dem felsigen Boden trieb ihr die Luft aus den Lungen. Lanze und Schild hatte sie durch den Sturz verloren, aber bereits im Aufstehen riss sie ihr Schwert aus der Scheide und stellte sich breitbeinig in Kampfposition auf. Lieber würde sie im Kampf sterben, als ihre Ehre verlieren, indem sie eine Unschuldige im Stich ließ.

„Mut hast du, das muss ich dir lassen", die Stimme des Drachen klang überraschend voll und wohltönend, ein vibrierender Bass tief aus der Kehle, „es wird mir ein Vergnügen sein, dich zu besiegen."

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