Was findet Vanessa?
Der Umschlag
Sein Griff um meine Finger ist warm, fest, fast zärtlich. Ich spüre seinen Puls noch immer, dieses schnelle Hämmern, das mich mehr erschüttert als der Sex eben. Der Safe fällt mir in den Blick und lässt mich nicht los.
Langsam löse ich meine Finger aus seiner Hand. Einen nach dem anderen. Er lässt mich gehen, ohne Widerstand, nur seine grauen Augen folgen jeder Bewegung. Das nasse Handtuch rutscht mir von den Haaren, fällt aufs Kissen, während ich mich zur Bettkante drehe.
"Vanessa."
Seine Stimme ist leise, nur mein Name. Kein Befehl. Keine Bitte. Nur eine Warnung, die in der stickigen Luft zwischen uns hängt. Ich halte inne, den Oberkörper schon halb über die Kante gebeugt. Meine nackten Brüste streifen die zerknitterten Laken, das Sperma an meinen Oberschenkeln ist noch feucht. Ich drehe den Kopf nicht zu ihm um.
"Was ist noch im Safe außer unseren Waffen, Sebastian?"
Er antwortet nicht. Sein warmer Atem trifft meine nackte Schulter, er hat sich aufgerichtet, ist nah, aber seine Hände bleiben bei ihm. Greifen nicht ein. Halten mich nicht zurück.
Ich beuge mich weiter vor. Die Metalltür des Safes ist kalt unter meinen Fingern, als ich sie öffne. Das Licht von draußen fällt in den kleinen dunklen Raum und trifft auf einen weißen Umschlag. Mein Name steht darauf. In seiner Handschrift. Vanessa. Die Buchstaben sind präzise, kontrolliert, wie alles an ihm, bis vor einer halben Stunde.
Meine nackten Finger greifen nach dem Umschlag. Das Papier ist glatt, schwerer als erwartet. Ich ziehe ihn heraus, halte ihn in beiden Händen, während ich mich langsam wieder aufrichte. Sebastian hat sich nicht bewegt. Sein Atem streift noch immer meine Schulter, gleichmäßig jetzt, ruhig.
Ich drehe den Umschlag um. Kein Absender. Kein Siegel. Nur mein Name, geschrieben von dem Mann, der eben noch in mir war und jetzt schweigend zusieht, wie ich sein Geheimnis in den Händen halte.
Das Licht fällt auf das weiße Papier.
Ich drehe mich langsam zu ihm um, den Umschlag in beiden Händen, das Papier warm von meinen Fingern. Meine Brust ist nackt, die Oberschenkel noch feucht, aber das alles zählt jetzt nicht. Nur seine Augen.
Sebastians graue Augen sind wieder das, was sie vor einer halben Stunde waren. Kein Aufbruch mehr. Kein Riss in der Fassade. Nur Eis, das mich taxiert, während ich sein Geheimnis halte.
"Was steht da drin?" Meine Stimme ist heiser, aber fest.
Er antwortet nicht sofort. Seine Hand hebt sich von der Matratze, langsam, kontrolliert, und deutet auf den Umschlag. Kein Zittern in den Fingern. Kein Nachhall von dem, was eben zwischen uns war.
"Der Auftrag ist noch nicht abgeschlossen."
Die Worte fallen leise, präzise, wie ein Skalpell, das durch die stickige Luft schneidet. Sein Atem streift noch immer meine Schulter, aber die Wärme ist weg. Nur Kälte bleibt, die sich in meine nackte Haut frisst.
Ich halte den Umschlag fester. Das Papier knistert unter meinen Fingern.
"Was fehlt noch?"
Sebastian steht nicht auf. Er berührt mich nicht. Sein Körper bleibt aufgerichtet im Bett, die Laken um seine Hüften, die Muskeln in seinen Schultern ruhig. Aber sein Blick fixiert den Umschlag, als wäre er das Einzige im Raum.
"Du weißt es noch nicht."
Keine Erklärung. Kein Trost. Nur die Feststellung, dass ich blind war, während ich dachte, ich hätte alles gesehen.
Mein Herz schlägt langsamer, schwerer. Die Feuchtigkeit zwischen meinen Schenkeln fühlt sich plötzlich kalt an, das Sperma, das noch vor Minuten heiß auf meiner Haut war, jetzt nur noch ein nasses Zeugnis von etwas, das vielleicht nie echt war.
"Wann wolltest du es mir sagen?"
Er schweigt. Seine grauen Augen fixieren den Umschlag in meinen Händen, und das Schweigen ist die Antwort.
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