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Chapter 5 by Reyhani Reyhani

Wer liegt als nächstes am Weg?

Der Rest der Truppe

Sie gingen ein paar Schritte, bis Kazmirek wieder an den Zaun trat. Dahinter kümmerte sich ein dicker Rentner mit runder Brille, Bulldoggengesicht und Strohhut liebevoll um seine Tomatenplantage. Kazmirek stellte ihn halb ironisch, halb bewundernd als Karl, ihren Power-Gärtner, vor.

"Ich würd euch ja reinbitten aber Susanne bereitet sich auf den Wettkampf vor. Da dürfen wir nicht stören", sagte Karl behutsam.

Er deutete auf seine Frau, die mit geschlossenen Augen auf einer pinken Yogamatte mitten auf dem Rasen hinter ihm lag. Sie war von derselben Statur wie ihr Mann. Es sah aus als ob ihr Bauch und die Titten in der Sonne geschmolzen waren und nun langsam von ihrem Körper tropften.

"Susanne ist sauer", grollte es laut von der Matte, "weil ihr Göttergatte sich wieder an das junge Gemüse rangemacht hat. Unter seiner fetten Wampe hat sogar seine Wurzel hervorgeguckt. Ich habe die schon so lange nicht mehr gesehen ..."

"Aber Liebling, das war doch ganz anders, das habe ich dir doch schon erklärt ..."

Karl lief zu Susanne, oder was die Sonne von ihr übriggelassen hatte, und kniete neben ihr nieder, um weiter leise auf sie einzureden. Julia und Kazmirek mussten schmunzeln und machten sich unauffällig aus dem Staub.

Sie gingen weiter den Hauptweg hinunter und der Vorsitzende stellte Julia reihum den Pächtern vor. Erna, Hubert, Marianne oder wie sie sonst noch hießen. Meist waren es rüstige Rentner oder doch zumindest in der Altersgruppe 40+. Julia hatte alle Hände voll zu tun selbige zu schütteln und nich zu auffällig auf die dazugehörigen Schwänze, soweit unter den Bierbäuchen noch sichtbar, und Hängetitten zu starren. Bei den Männern … den Frauen guckte sie natürlich sowieso in die Augen. Die Gartenfreunde begrüßten sie freundlich und waren besonders angetan von ihrer rasierten Möse. Mehrmals musste sie den besorgten Omis versichern, dass sie sich da auch wirklich gut eingecremt hatte.

Nur Simone, eine gut erhaltene Mitvierzigerin, schaute kühl, als Julia auftauchte. Sie saß mit zwei Freundinnen kaffeetrinkend vor der Laube. Ein junger Bodybuilder mähte währenddessen den Rasen. Das sei ihr Neffe, klärte Kazmirek Julia später auf. Ja, ja … eine große ****.

Sie erreichten das Ende des Weges, eine Sackgasse. Hinter einer besonders überwucherten Parzelle kam nur noch der Bahndamm und dann der Busenberg, der in Wirklichkeit aber eher ein Hügel war. Eine verfallene Pforte öffnete den Weg in Marinas Reich. Während sie sich durch einen wahren Dschungel aus übermannshohen Stauden mit handförmigen Blättern schlugen, gab Kazmirek Julia die Hintergrundinfo. Der redselige Vorsitzende war wirklich ein Schatz, er ersparte ihr eine Menge Recherche.

Marina war eine ganz besonders erfolgreiche Gärtnerin. Sie betrieb eigentlich eine Kneipe in der Nähe der TU, wo sie ihre Erträge unter der Theke verkaufte. Ein Teil der Einnahmen ging an den Verein. Klassische Win-Win-Situation. Einige ihrer Stammkunden lud sie in ihren Garten ein. Das waren meist nette Jungs, Informatik- oder Maschinenbaustudenten, nicht so langhaarige Bombenleger. Marina und ihre Studs. Es gab Gerüchte, dass Marina eine ehemalige Raketentechnikerin war aber ihr Abschluss in Deutschland nicht anerkannt wurde. Andere sagten, sie sei bloß Putzfrau in Baikonur gewesen.

"Spritz sie richtig nass", rief Marina dem Bengel mit dem Gartenschlauch zu, der die Pflanzen wässerte.

Die zierliche Frau mit lila Strähnchen in den dunklen, kurzen Haaren saß rittlings auf einer Gartenliege, unter ihr ein anderer ihrer Pfleglinge, während ein dritter sich erschöpft an einen Baum lehnte und ein matehaltiges Erfrischungsgetränk genoss.

"Hey, Marinka", grüßte Kazmirek, "verausgab dich nicht. Du nimmst doch am Wettbewerb teil, schon vergessen?"

"Keine Angst", hielt Marina in ihren Reitbewegungen inne, "das ist beste Vorbereitung. Und wer ist die da?", knurrte sie mit einem grimmigen Seitenblick auf Julia. "Wieder so 'ne Verbandstussi? Die wollen wohl mal wieder meinen Garten verbieten?!"

Der Vorsitzende lachte und erklärte, dass Julia Journalistin sei und für die Roten Laterne eine Reportage über den Verein machen wollte.

"Ah, o.k., kenn ich. Gutes Blatt. Habt ihr gehört, Jungs, wir werden berühmt."

"Ja … äh … danke", stotterte Julia.

Sie war ehrlich erstaunt, mal jemanden zu treffen, der die Porno-Postille kannte, für die sie arbeitete. Sie hätte Marina gerne noch gefragt, ob sie auch ihre ersten Reportagen über den Sexshop und die Pornoproduktion gelesen hätte und wie die angekommen wären. Aber für Marina war die Unterhaltung damit anscheinend beendet. Sie hatte wieder begonnen, in gemächlichem Tempo auf dem Studenten unter ihr herumzureiten.

In das entnervende Quietschen der Liege und das Plätschern des Wassers hinein plazierte Julia noch ein "Na dann, bis gleich …" Dann folgte sie dem Vorsitzenden zurück zum Vereinsheim.

Geht es jetzt endlich los?

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