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Darian wacht auf

Chapter 3 by vaelinalsorna

Schmerz.

Er war das Erste, was Darian wahrnahm.

Dumpf, pochend und allgegenwärtig.

Als er die Augen öffnete, blickte er gegen eine hölzerne Decke, deren dunkle Balken im Licht flackernder Kerzen verschwammen. Für einen Moment wusste er nicht, wo er war. Die Luft roch nach Kräutern, heißem Wasser und Wachs. Irgendwo klirrten Schalen, gedämpfte Stimmen erfüllten den Raum.

Dann kehrte die Erinnerung zurück.

Die brennende Bastion.

Die Flucht.

Nordwacht.

Er versuchte sich aufzurichten, doch ein stechender Schmerz schoss durch seinen linken Arm.

„Nicht bewegen.“

Die Stimme war ruhig und sanft.

Darian wandte den Kopf. Neben seinem Bett saß eine junge Frau in einer schlichten, weißen Ordensrobe. Ihr helles Haar war unter einem Leinentuch verborgen, nur einige Strähnen hatten sich gelöst und fielen ihr ins Gesicht. In ihren Händen hielt sie eine Schale mit frischem Wasser und sauberen Verbänden.

„Ihr seid endlich wach“, sagte sie mit einem müden Lächeln. „Wir hatten schon Sorge, Ihr würdet das Fieber nicht überstehen.“

Sie legte ihm vorsichtig eine Hand auf die unverletzte Schulter.

Mein Name ist Frida. Ich bin Novizin des Ordens der Heilerinnen.“

Darian wollte antworten, doch seine Kehle war trocken.

Frida reichte ihm einen Becher.

„Langsam.“

Das Wasser war kühl. Noch nie hatte etwas so gut geschmeckt.

„Wie lange...?“

„Fünf Tage.“

Er blinzelte.

Fünf Tage.

So lange hatte er zwischen Leben und Tod gelegen.

Frida begann vorsichtig den Verband an seinem Arm zu lösen. Die Wunde war sorgfältig gereinigt und mit einer grünlich riechenden Salbe bedeckt. Die Entzündung war zurückgegangen, doch die tiefen Schnitte würden Narben hinterlassen.

„Ihr habt Glück gehabt“, sagte sie leise. „Der Goblin hatte eine vergiftete Klinge. Hättet ihr Nordwacht einen Tag später erreicht...“

Sie sprach den Satz nicht zu Ende.

Darian nickte nur.

„Die Bastion...“

Frida senkte den Blick.

„Der Kommandant hat bereits erfahren, was geschehen ist.“

Darian schloss die Augen.

Er musste nichts weiter erklären.

Sie wusste es.

In den Tagen, die folgten, kehrten langsam seine Kräfte zurück.

Jeden Morgen erschien Frida mit frischen Verbänden und Kräutern. Sie wechselte die Umschläge, half ihm beim Aufstehen und achtete darauf, dass er seinen Arm nicht zu früh belastete. Anfangs sprach sie nur wenig. Doch je mehr Zeit verging, desto häufiger erzählte sie von dem Leben außerhalb des Lazaretts.Von den Schmieden, deren Feuer Tag und Nacht brannten.

Von den Zimmerleuten, die zusätzliche Palisaden errichteten.

Von den Frauen und Männern, die Pfeile schnitzten, Steine auf die Wehrgänge schleppten und Vorräte in die Festung brachten.

„Ganz Nordwacht arbeitet“, sagte sie eines Abends, während sie einen frischen Verband anlegte. „Niemand wartet mehr darauf, dass Hilfe aus dem Süden kommt.“

Darian sah sie fragend an.

„Kommt keine?“

Frida schwieg einen Moment.

„Es wurden Boten ausgesandt.“

Mehr sagte sie nicht.

Sie musste es auch nicht.

Ihr Gesicht verriet genug.

Die Tage wurden kürzer.

Immer häufiger erklangen Hörner von den Mauern, wenn neue Flüchtlinge eintrafen. Männer in zerrissenen Rüstungen, Familien mit wenigen Habseligkeiten, Kinder, die kaum noch Kraft zum Weinen hatten.

Sie alle erzählten dieselbe Geschichte.

Orks.

Goblins.

Rauch.

Feuer.

Und ein Heer, das mit jedem Tag größer wurde.

Eines Nachmittags stand Darian zum ersten Mal wieder am geöffneten Fenster des Lazaretts. Sein Arm schmerzte noch immer, doch er konnte inzwischen ohne Hilfe gehen.

Frida trat neben ihn.

Gemeinsam blickten sie auf die gewaltigen Mauern Nordwachts.

Auf den Wehrgängen herrschte geschäftiges Treiben. Soldaten bezogen ihre Posten, Ballisten wurden in Stellung gebracht und Wagen voller Steine rollten zu den Türmen.

„Glaubt Ihr... dass die Mauern halten?“, fragte Frida leise.

Darian antwortete nicht sofort.

Sein Blick ruhte auf den fernen Bergen.

Dort, wo seine Kameraden gefallen waren.

"Sie müssen halten.“

Mehr blieb ihnen nicht.

In diesem Augenblick durchschnitt ein langgezogenes Hornsignal die Stille.

Dann ein zweites.

Und ein drittes.

Nicht die üblichen Signale der Wachablösung.

Diese Hörner klangen anders.

Dringender.

Schwerer.

Von draußen ertönten Rufe.

Glocken begannen zu läuten.

Soldaten rannten über den Burghof.

Frida wurde blass.

„Das sind die Warnhörner...“

Darian trat einen Schritt näher ans Fenster.

Weit draußen vor den Mauern stiegen dunkle Staubwolken in den Himmel.

Zu groß für eine Karawane.

Zu groß für Flüchtlinge.

Er wusste sofort, was sie bedeuteten.

Langsam schloss er die Hand um das Fensterbrett.

Neben ihm hielt Frida unbewusst den Atem an.

Keiner von ihnen sprach ein Wort.

Sie mussten es nicht.

Die Belagerung hatte begonnen.

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