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Chapter 15 by Mariania Mariania

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Chef2

Ich stehe vor seiner Wohnungstür, den Schlüssel in der Hand, den er mir vor Wochen gegeben hat. Ein stilles Zugeständnis von Vertrauen, von Normalität. Meine Finger zittern nicht mehr, wenn ich ihn ins Schloss stecke. Das leise Klicken ist vertraut geworden, ein Sound, der Heimat und verbotene Versprechungen in sich trägt.

Er ist schon da. Ich rieche sein Parfüm, vermischt mit dem Duft von gebratenem Gemüse. "In der Küche!", ruft er. Ich hänge meinen Mantel an den Haken, stelle meine Pumps auf die Matte. Nur auf meinen Nylons gleite ich über den kühlen Holzboden. Er steht am Herd, das Handtuch lässig über der Schulter, und rührt in einer Pfanne. Der Anblick lässt mir das Herz einen Schlag überspringen. Es ist diese Unvereinbarkeit – der mächtige Chef, der hier für mich kocht –, die mich immer wieder aus der Fassung bringt.

"Hungrig?", fragt er, ohne sich umzudrehen. Er spürt meine Anwesenheit, wie ein Tier die seine. "Ja", antworte ich, und es bedeutet mehr als nur das Verlangen nach Essen.

Ich setze mich auf die Barhocker-Insel, beobachte das Spiel seiner Schultermuskeln unter dem dünnen Baumwollhemd. Dies sind unsere Abende jetzt. Ein stillschweigendes Arrangement, das über die rein körperliche Begierde hinausgewachsen ist. Wir reden über Arbeit, über Politik, über belanglose Dinge, die sich plötzlich wichtig anfühlen, weil wir sie miteinander teilen.

Später, auf dem Sofa, sind die Weinflasche und die Teller beiseite geräumt. Mein Kopf ruht auf seiner Schulter, seine Hand streicht langsam über meinen Arm. Die Aussicht auf die erleuchtete Stadt ist unser privates Gemälde. Eine Weile herrscht nur Stille, eine tiefe, zufriedene Stille.

"Bitte geh nicht mehr", sagt er plötzlich. Seine Stimme ist ruhig, aber ich spüre die Anspannung in seinem Körper. "Bleib hier. Immer."

Ich hebe den Kopf, sehe ihn an. Sein Gesicht ist ernst, die grauen Augen fixieren mich mit einer Intensität, die mir den Atem raubt.

"Ich liebe dich, Julia."

Die Worte hängen im Raum. Sie sind nicht dramatisch, nicht überladen. Sie sind einfach da. Eine Feststellung. Eine Wahrheit, die sich zwischen uns aufgebaut hat, Stück für Stück, bei jedem dieser Abende. Ich habe sie kommen sehen, habe die Blicke gespürt, die länger blieben, die Sorge in seiner Stimme, wenn ich von meinen Ängsten erzählte.

Ich sage nichts. Was könnte ich auch sagen? Dass ich ihn liebe? Die Worte würden sich in meinem Mund falsch anfühlen, zu groß, zu endgültig. Stattdessen neige ich mich vor und küsse ihn. Langsam, sanft. „Ich weiß,“ antworte ich.

Er erwidert den Kuss, aber seine Hände werden aktiver, fordernder. Eine seiner Hände gleitet von meiner Schulter hinab, über meine Taille, bis sie den Saum meines Rocks erreicht. Er schiebt den Stoff nach oben, langsam, enthüllt er mein Bein, die Strumpfhose. Ich trage heute eine mit feinem Strumpfnaht-Muster. Er liebt das.

Seine Finger finden die Naht an der Rückseite meines Oberschenkels und folgen ihr nach oben, unter meinen Rock. Ich schließe die Augen und lasse mich gegen ihn sinken. Dies ist eine andere Art von Intimität als das wilde Stolpern unserer ersten Nacht. Sie ist vertraut, hingegeben.

Seine Hand flacht auf meinem Po ab, drückt mich näher an ihn. Dann wandern seine Finger zur Vorderseite, erkunden mich durch den dünnen Nylonstoff. Er spürt sofort die Form meiner Erregung, die sich gegen das Material presst. Ein leises, zufriedenes Grunzen entfährt ihm.

"Du magst das, nicht wahr?", flüstert er gegen meine Schläfe. "Du magst es, wenn meine Hand dich hier berührt, nicht wahr."

Ich kann nur nicken, mein Atem wird schneller. Es ist die Wahrheit. Es ist die vollkommene Akzeptanz in dieser Berührung, die mich jeden Rest von Scham vergessen lässt. Er streichelt mich, nicht wild oder gierig, sondern mit einer fast andächtigen Langsamkeit. Der Druck seiner Handfläche, das Reiben seiner Finger über die empfindlichste Stelle meines Körpers, alles durch die schützende, aber enthüllende Schicht der Strumpfhose – es ist unendlich erregend.

Mein Schwanz wölbt sich ihm entgegen, ein leises Stöhnen drängt aus meiner Kehle. Dies ist kein Akt der Eroberung mehr. Es ist eine Bestätigung. Seine Liebeserklärung war nicht nur mit Worten gemeint; sie ist in dieser Berührung, in der Art, wie er jenen Teil von mir begehrt, eingraviert.

Er dreht sich, sodass ich unter ihm liege, ohne die beruhigende Bewegung seiner Hand zu unterbrechen. Sein Blick ist weich, voller Zuneigung und ungebrochener Lust.

"Du bist perfekt für mich", sagt er, und ich glaube ihm. In diesem Moment, mit seiner Hand auf meiner nackten Haut unter dem Rock, mit dem Wissen, dass er mich kennt – wirklich kennt – und liebt, fühle ich mich tatsächlich perfekt. Ganz. Ich ziehe ihn zu mir herab und erlaube mir, in der physischen Sprache, die wir so gut beherrschen, alles zu sagen, was meine Worte noch nicht ausdrücken können und spreize meine Beine. Lasse ihn schließlich mit seinem steifen Schwanz in mich eindringen. Ein Akt, der mir eine unglaubliche Lust bereitet, viel mehr als ich je in meinem Leben zu träumen gewagt hätte. Wie langweilig doch das Leben vorher war als Mann und während er mich heftig durchfickt bin ich ganz das, was ich nie wusste, sein zu können. Eine Frau mit Extras. Und als es mir vorne und hinten gleichzeitig kommt, entfährt mir wie immer ein kleiner Schrei. Es ist einfach großartig.


Der Schlüssel dreht sich lautlos im Schloss. Zu lautlos. Die Stille in unserer Wohnung ist eine andere als sonst. Es ist erst 13:00 Uhr, ich bin viel früher fertig geworden als gedacht. Die Präsentation in Hamburg wurde verschoben, es winkt ein freier Nachmittag als unerwartetes Geschenk. Markus ist seit zwei Tagen auf Dienstreise, irgendwo in München, wie er sagte. Die Vorfreude, ihn zu überraschen, vielleicht sogar vor ihm da zu sein, hat mich den ganzen Vormittag beflügelt.

Ich stelle meine Aktentasche leise ab, möchte die Stille nicht stören. Dann höre ich es. Ein Geräusch. Leise, aber eindeutig. Es kommt aus dem Schlafzimmer. Ein rhythmisches Knarren. Das vertraute Geräusch unseres Bettes. Mein Herz macht einen Satz und bleibt dann stehen. Vielleicht ist er früher zurückgekommen. Die gleiche Idee hatte er vielleicht. Ein Lächeln will sich auf meine Lippen stehlen, aber es erfriert, bevor es geboren wird. Da ist noch ein anderes Geräusch. Eine Stimme. Tief, kehlig. Nicht seine.

Eis kriecht meine Wirbelsäule hinab. Jeder Schritt über den Fliesenboden hallt in meinen Ohren wider, obwohl ich auf Zehenspitzen schleiche. Wie eine Diebin in meinem eigenen Zuhause. Die Tür zum Schlafzimmer steht einen Spalt offen. Ein Streifen Tageslicht fällt auf den Flur. Ich taste mich näher, mein Atem ist eine dünne, gefrorene Fessel in meiner Brust.

Dann durch den Spalt sehe ich sie.

Zwei Körper. Verschlungen. Schweißglänzend im fahlen Nachmittagslicht. Markus. Mein Markus. Sein Rücken ist mir zugewandt, die Muskeln angespannt, die Schultern, die ich so oft geküsst habe, beben. Unter ihm ein anderer Mann. ****, dunkelhaarig, die Augen geschlossen vor Konzentration oder Genuss. Seine Hände krallen sich in Markus' Rücken, die weißen Fingerabdrücke heben sich von der Haut ab.

Die Welt schrumpft auf diesen Bildausschnitt. Auf das Knarren des Bettes, das ich mit so viel Lachen und Liebe in Verbindung gebracht habe. Auf die Geräusche, die Markus macht – Stöhnen, das ich kenne, das ich geliebt habe, das jetzt einer anderen, fremden Intimität gilt. Auf den Anblick von ihm, wie er sich in einen anderen Mann ergießt, mit einer Hingabe, die mir plötzlich wie eine Lüge erscheint. All die Monate. All die "Ich liebe dich’s“, geflüstert in dieses gleiche Kissen.

Ich stehe da. Eingefroren. Die Kälte in meinem Inneren breitet sich aus, erstarrt jedes Gefühl zu einer glasklaren, schneidenden Schicht. Ich bin nicht wütend. Noch nicht. Ich bin… leer. Ein Beobachter in einer fremden Realität.

Dann, als ob er meine Anwesenheit gespürt hätte, dreht der dunkelhaarige Mann den Kopf. Seine Augen, dunkel und glasig, treffen sich mit meinen. Sie weiten sich. Er erstarrt mitten in der Bewegung, ein ersticktes Keuchen entweicht seinen Lippen.

Markus spürt die Veränderung. Er hält inne, dreht seinen Kopf zur Seite. Sein Blick sucht den des anderen Mannes, dann folgt er seiner Blickrichtung. Zur Tür. Zu mir.

Sein Gesicht. Oh Gott, sein Gesicht. Die Lust weicht einer Sekunde der Verwirrung, dann einem Schock, so tief und absolut, dass es sein gesamtes Wesen zu entstellen scheint. Seine Augen, diese grauen Augen, die mich so oft mit Zuneigung und Verlangen gefüllt haben, sind jetzt nur noch zwei schwarze Löcher des Entsetzens.

"Julia?", sein Name ist ein erstickter Laut, eine Mischung aus Unglaube und panischer Angst.

Ich sage nichts. Ich kann nichts sagen. Die Eisschale in meiner Brust bricht. Nicht in Tränen. Nicht in Wut. Sondern in eine so absolute, vernichtende Klarheit, dass mir schwindelig wird. All die kleinen Dinge, die ich ignoriert habe. Die geheimnisvollen Telefonate. Seine Abwesenheiten, die etwas zu lang waren. Die Art, wie er manchmal mein männliches Selbst beinahe… studierte, nicht nur genoss. Es war nie nur ich. Vielleicht war ich nur ein Teil von etwas, das ich nicht verstanden habe. Ein Feigenblatt. Eine bequeme Fassade.

Mein Blick gleitet von seinem entsetzten Gesicht zu dem des Fremden, der sich jetzt hastig das Laken über die Hüften zieht, beschämt, ****. Dann schaue ich wieder Markus an. Ich sehe die Scham, die Reue, die pure, nackte Panik. Ich sehe den Mann, der mir sagte, ich sei perfekt für ihn, während er ein ganz anderes Leben lebte. Mich einfach wie eine Tarnung benutzte. Mich, einen Mann, der aussieht für eine Frau. Wie praktisch.

Langsam, mit einer Ruhe, die nicht von dieser Welt zu stammen scheint, drehe ich mich um. Ich lasse sie zurück in ihrem Chaos, ihrer Schande, ihrem zerbrochenen Bett.

"Julia, warte, das ist nicht wonach es aussieht!", höre ich ihn rufen. Seine Stimme ist gebrochen, flehend.

Ich warte nicht. Ich gehe die Diele entlang, nehme meine Aktentasche vom Boden auf. Meine Bewegungen sind mechanisch, präzise. Ich schlüpfe in die achtlos vom Fuß gestrichenen Pumps und öffne die Wohnungstür, trete in den Flur hinaus. Die Tür fällt hinter mir ins Schloss. Kein lautes Zuknallen. Nur ein leises, endgültiges Klicken.

Ich stehe im Treppenhaus und atme. Einatmen. Ausatmen. Die Welt dreht sich weiter. Irgendwo fährt ein Aufzug. Irgendwo lacht ein Kind.

Und in mir ist nur noch diese unermessliche, stille Wüste.

Ich werde meinen Weg allein weiter gehen.

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