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Ausklang

Chapter 54 by Reyhani Reyhani

„Wollt ihr wirklich schon gehen? Wir können doch eine kleine Pause machen und dann vielleicht noch eine Runde ...“ Bärbel guckte hoffnungsvoll in dieselbe.

Sie standen in der Küche. Die Nachbarinnen hatten sich bereits wieder angezogen, Siegrid ihre unförmige Kittelschürze und Danny Jeans und enges Top, so wie sie gekommen waren.

„Ich würde ja gerne noch. Das bisschen Blasen macht mich auch nicht satt“, seufzte Siegrid. „Aber Klaus-Dieter muss jetzt erst mal auf die Couch und dann rührt er mich für den Rest des Wochenendes nicht mehr an. Ich kenne das schon.“

Sie sah zu Danny, wurde rot und fing an zu stottern: „Aber wenn vielleicht dein Mann, Danny ... also er kann ja sicher noch mal und wenn er auch noch mal richtig ficken will, könnte ich ...“

Danny ließ sich auf einen Küchenstuhl sinken. „Danke für das Angebot, das ist lieb gemeint, Siegrid. Aber wie soll ich es sagen ... du bist nicht so Daniels Typ, befürchte ich.“

Mit tonloser Stimme fuhr sie fort: „Ich muss da wohl allein durch. Ich dachte, wenn ich brav mitmache, habe ich das Wochenende mal Pause. Mir wird das auf die Dauer echt zu viel dieses Geficke. Ich kann mich gar nicht mehr richtig erholen. Ich verstehe nicht, wie die alten Herren das machen. Und immer muss ich ran, als ob es nicht noch andere Frauen hier gäbe. Und hinterher ist alles vollgesaut und es suppt über Stunden aus mir raus ... dabei möchte ich doch nur mal ein ruhiges Wochenende vor der Glotze …“

Die anderen waren bei Dannys Ausbruch ganz still geworden. Bärbel streichelte ihr sanft den Rücken und murmelte etwas Beruhigendes. Damit konnte sie ihre Hoffnung auf eine zweite Runde wohl begraben und begleitete sie alle zur Tür. Da warteten schon die Männer und Bärbel verabschiedete ihre Gäste einen nach dem anderen.

Als letzter verließ Hans das Haus. „Na, nun mach nicht so ein Gesicht. Ich hab genau gesehen, wie du gestrahlt hast, als Lars deine Titten besamt hat.“

Dann zog er überraschend ein kleines Geschenk aus der Tasche. Bärbel war hin und weg und auch ich hätte ihm so viel Einfühlungsvermögen gar nicht zugetraut.

„Aber erst Morgen aufmachen. Und dann gibt es noch eine andere Überraschung. Nimm dir mal besser nichts vor. Kleine Entschädigung dafür, dass es heute nur so kurz war.“

Bärbel stand eine Weile da und betrachtete das kleine, in Geschenkpapier eingeschlagene Päckchen. Dann ging sie zurück ins Wohnzimmer und begann aufzuräumen.

Als nichts weiter passierte, schloss ich irgendwann das Kamera-Fenster. Ich musste ja auch noch meine eigenen Spuren beseitigen.

Beim Abendessen unten im Restaurant war ich allein, weil ich keine bekannten Gesichter entdeckt hatte. Ein wenig Small Talk hätte mir sicher gutgetan. So schaufelte ich geistesabwesend das Essen in mich hinein, während meine Gedanken weiter um die Skatrunde kreisten.

Ich hatte mal wieder eine ganze Menge über unseren Nachbarschaftspuff gelernt. Nichts radikal Neues oder Schockierendes – darüber war ich inzwischen hinaus. Eher interessante Details. Es war ein gutes Gefühl, auf dem Laufenden zu sein.

Und außerdem war es doch eine ganz gute Show gewesen ... na ja, an der Oberfläche zumindest. Auf den Anblick der fetten Siegrid hätte ich verzichten können und auch die dürre Danny war nicht wirklich mein Typ. Andererseits durfte ich bei meinem nicht vorhandenen Sexleben wohl nicht wählerisch sein. Dennoch – so hundert Prozent zufrieden war ich nicht. Irgendwie alles ganz nett und informativ, aber da hatte ich auch schon ganz andere Sachen erlebt.

In mir keimte ein unguter Verdacht. Hatte meine Unzufriedenheit etwas damit zu tun, dass Bärbel am Nachmittag nicht total im Mittelpunkt gestanden hatte? Ich erschrak vor mir selbst. Wollte ich wirklich, dass meiner Frau jedesmal das Sperma aus allen ihren Löchern tropfte? Dass sie die nymphomane und willige Milf in unserer Siedlung ist und mein Nachbar Hans als ihr Vorstadt-Lude auftrat? Und welche Rolle hatte ich in diesem Drama … oder war es eine Komödie?

Lautes Lachen und ein Rappeln an der Fahrstuhltür unterbrachen meine schwermütigen Gedanken. Atemlos drängten zwei mit vielen Taschen behängte Frauen zu uns herein. Ines und Pam waren vom Einkaufen zurück. Ausgerechnet.

Reflexartig schob ich mich in der Kabine rückwärts, um mich hinter einem älteren Ehepaar zu verstecken. Es schien zu klappen. Meine beiden Kolleginnen waren so mit sich beschäftigt, dass sie mich nicht bemerkten. Sie redeten laut und bewunderten sich gegenseitig. Beide hatten sich nämlich völlig neu eingekleidet – ganz zünftig in schicker Trachtenmode.

Als das Ehepaar im nächsten Stockwerk ausstieg bekamen die beiden einen Lachanfall. Sie hatten mich natürlich längst bemerkt. Für die nächsten zwei Stockwerke wurde ich in die improvisierte Modenschau einbezogen.

Ich musste zugeben, die Shoppingtour hatte sich gelohnt. Dirndl in moderner Interpretation. Mit kurzen Röcken und viel Ausschnitt. Ich musste aufpassen nicht zu offensichtlich zu glotzen. Als Ines ihren Rock noch ein wenig höher zog, kam der Ansatz ihrer Strapse zum Vorschein und aus Pams Dekolleté blitzte ein Spitzen-BH hervor.

„Und wir haben noch viel mehr davon“, riefen die beiden lachend und schwenkten ihre Einkaufstaschen. Die prall gefüllte Hunkemöller-Tüte fiel mir gleich ins Auge. „Im Seminar immer schön achtgeben, dann entdeckst du sicher die neuen Teile nach und nach.“

Ich wollte grade fragen, was sie denn heute Abend noch vor hatten, da waren sie auch schon wieder ausgestiegen. Dann würde ich sie wohl anrufen müssen, so wie wir es ausgemacht hatten. Wieder auf meinem Zimmer wollte ich grade eine Nachricht schreiben, als ich sah, dass Bärbel sich gemeldet hatte. Sie würde jetzt noch mit Anna losziehen, um in ihren Geburtstag hineinzufeiern.

Das bedeutete wohl, dass es sich nicht lohnte den Rechner wieder anzuschalten. Da wo Bärbel hinging, hatte ich keine Kameras installiert. Blieben noch Ines und Pam für meine Abendgestaltung. Oder sollte ich besser noch einen Tag warten? Ich wollte vermeiden, ihnen auf die Nerven zu gehen und so meine verbleibenden Chancen gänzlich zu verspielen.

Während ich so hin- und herüberlegte, muss ich eingeschlafen sein. Mein Absturz gestern Abend steckte mir wohl noch in den Knochen.

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