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Chapter 11

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Altbau ohne Aufzug

Babsi joggt weiter leichtfüßig in die vierte Etage hinauf, während ihr Vater schnaufend auf der Treppe zwischen erstem und zweitem Stock stehen bleibt. Er weiß nun wieder, warum er bei seinen eigenen Immobilienerwerbungen Altbauten ohne Aufzug meidet. Aber bei diesem Objekt wird er wohl eine Ausnahme machen, denn es hat andere Benefits. Im Hausmeisterbüro ist er zwar ausgeflippt und hat Hubert böse beschimpft und gedroht, aus dem Geschäft auszusteigen. Wenn er ehrlich ist, hat er diese Option aber nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Es ging ihm einzig und allein darum, dem alten Lustmolch ein für alle Mal klarzumachen, dass er seine Finger von Scheibners Tochter lassen sollte.

Nachdem ihm Babsi nicht mehr in ihrem unverschämt knappen Outfit direkt vor seiner Nase herumhüpft, kann er sich auch endlich an den anderen Augenweiden, die ihm im Treppenhaus begegnen, sattsehen. Die Tür zur großen zentralen Wohnung in der ersten Etage, die als Vierer-WG vermietet wird, steht offen und er kann von seinem leicht erhöhten Standort aus bis ins Wohn-/Ess-Zimmer sehen, das als Gemeinschaftsraum genutzt wird. Dort unterhalten sich gerade zwei junge Frauen. Die Größere, die ihrer Gegenüber auch ein paar Lebensjahre voraus zu sein scheint, redet intensiv auf die Kleinere mit den schulterlangen glatten Haaren ein. Aus derer verklemmter Körperhaltung schließt Frank, dass sie entweder unsicher oder eingeschüchtert ist. Mit ihrem biederen Aussehen, der weiten, altmodischen Bluse und der schlichten, etwas zu weiten Jeans passt sie irgendwie nicht ganz in die Umgebung.

Die großgewachsene Blondine hingegen trägt bis auf einen höllisch knappen schwarzen Tanga und ein cremefarbenes Hemdchen mit Spaghettiträgern nichts am Leib. Unter ihrem Oberteil zeichnen sich zwei perfekte pralle Halbkugeln ab, von Spitzen gekrönt, die sich deutlich sichtbar von innen gegen den zarten Stoff drücken. Angesichts des krassen Unterschieds zwischen dem Auftreten der zwei, überlegt der Betrachter, welcher Typ reizvoller ist. Die selbstbewusst auftretende große Blonde, die offen ihre Reize zur Schau stellt. Oder die kleine Schüchterne, die ihren Körper unter der weiten Kleidung verbirgt und damit indirekt dazu einlädt, sie auszupacken und zu entdecken.

Noch während er diesen Gedanken nachhängt, streben zwei Neuankömmlinge die Treppe vom Erdgeschoss hinauf. Die eine ist ein flotter Rotschopf, neben ihr geht eine lockige Brünette. Beide tragen verschwitzte Sportklamotten, aber nicht mehr lange. Noch auf den Treppenstufen streifen sie die feuchten Shirts über den Kopf. Die Rothaarige ist darunter nackt, so dass ihre befreiten Brüste bei jedem Schritt lustig auf und ab hüpfen. Ihre Partnerin hätte bei ihrer gewaltigen Oberweite hingegen vermutlich ein Problem, beim Joggen das Gleichgewicht zu halten, wenn diese nicht durch einen enganliegenden Sport-BH gehalten würde. Trotzdem kann Frank nicht anders, als sie von oben herab anzustarren. In keinem der Häuser, die er bis heute besichtigt hat, waren die Bewohnerinnen so freizügig, sich bereits im Treppenhaus oben ohne zu zeigen.

Scheibners Überlegung, ob die Mädels so unbekümmert auftreten, weil im Haus eigentlich keine Männer leben und sie sich unbeobachtet fühlen, wird umgehend widerlegt, als ihn der Rotschopf entdeckt. "Hallo, ich bin Birgit. Das ist Maren", stellt sie sich vor, "wir wohnen hier."

Frech grinsend winkt sie ihm zu und macht keinerlei Anstalten, sich zu bedecken oder peinlich berührt zu sein, dass er sie halbnackt sehen kann. Im Gegenteil gewinnt der Angesprochene den Eindruck, als ob sie ihn interessiert oder sogar einladend abschätzt. Dann treten die beiden durch die offenstehende Wohnungstür, ohne sich die Mühe zu machen, diese zu schließen. Sofort hinter der Schwelle kicken sie ihre Sneakers von den Füßen. Die Braunhaarige - Maren, erinnert sich Frank - verschwindet sofort durch eine seitliche Tür, hinter der er das Bad vermutet. Birgit aber bleibt mitten in seinem Blickfeld stehen, bückt sich nach vorne und zieht ihre Sporthose aus. Durch ihre Haltung präsentiert sie dem Beobachter auf der Treppe die volle Pracht ihres nach oben gereckten Hinterteils. Er ist sich sicher, dass auch dies kein Zufall war.

Ihm schießt das Blut in den Unterleib und kurz ist Frank versucht, umzukehren und dieser einladenden WG einen Antrittsbesuch abzustatten. Doch dann erinnert er sich, dass er eigentlich in den vierten Stock hinauf will, um seine Tochter rauszuholen. Bedauernd prustend macht er sich an den weiteren Aufstieg. Auf halbem Weg schallt ihm eine helle Stimme in unverkennbarem Französisch entgegen.

"Clodette, où sont mes bas en soie?"

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. "Dans le séchoir au sous-sol."

Noch während er seine rudimentären Sprachkenntnisse ausgräbt, um den Sinn des kurzen Austauschs zu verstehen, begegnet ihm eine geradezu göttliche Erscheinung. Eine hochgewachsene superschlanke Blondine tapst auf bloßen Füßen und nur mit knapper Seidenunterwäsche mit Spitzenbesatz bekleidet die Stufen herunter. Derartige Dessous werden nur zu einem Zweck geschaffen: jeden Mann sofort und unausweichlich scharf zu machen. Auch bei Frank verfehlen sie ihre Wirkung nicht.

"Bonjour, je suis Chloé", stellt sie sich vor und ist schon an ihm vorbeigeeilt, ehe er seine Vokabeln zusammengekramt hat, um ihr zu antworten.

Mittlerweile beginnt er, die Vorteile eines Treppenhauses gegenüber einem Aufzug zu verstehen. Ihm ist nicht mehr nur vom Treppensteigen heiß und er beeilt sich, Babsis Zimmer zu finden.

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Übersetzungen: "Clodette, wo sind meine Seidenstrümpfe?" - "Im Trockenraum im Keller." / "Guten Tag, ich bin Chloé."

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