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Chapter 44 by ThormGravis

Läuft alles glatt?

Alles bleibt (zunächst) friedlich

Jeremiah Richards hatte in mehr als zwei Dutzend Ländern gekämpft. Er hatte die Drecksarbeit für Konzerne, Kartelle und dubiose Regierungsbehörden gemacht. Er hatte Massaker beobachtet, ohne mit der Wimper zu zucken. Er hatte getötet, gefoltert und vergewaltigt. Dabei war es ihm nie um Moral oder Gerechtigkeit gegangen, stets war die Bezahlung ausschlaggebend gewesen. Richtig und falsch waren Begriffe, die es für ihn nur in Bezug auf die saubere und professionelle Durchführung von Operationen gab, nicht aber in Hinsicht darauf, wer in einem Konflikt die Schuld trug und wem Mitleid gebührte. Aber was konnte man von einem abgebrühten Söldner auch anderes erwarten. Richards war kein Kind von Traurigkeit und glaubte, nicht mehr überrascht werden zu können.

Richards musste zugeben, dass er zumindest in letztgenannten Punkt unrecht hatte. Als er begleitet von Doyle und DeShon, zwei seiner besten Männer, die Vorhalle betrat, in der seine Nachhut eigentlich Wache halten sollte, stockte ihm der Atem und für einen Moment konnte er nicht glauben, was er sah. Da saßen Matt, Marty, Ron und Juri in mehr oder weniger bekleidetem Zustand mit ihren eigenen Gürtel an Stühle gefesselt und ihnen gegenüber hatte sich eine ungefähr 160 Zentimeter kleine, zierliche Latina mit dem Gesicht eines Supermodels und dem Vorbau eines Pornostars mit keck übereinander geschlagenen Beinen auf einer Konsole, rauchte eine Zigarette und winkte lässig mit der rechten Hand, als der Söldnerführer eintrat.

"Was zur Hölle..." Richards Blick wanderte von der heißen Latina, die wieder ihr knallenges Lederoutfit trug, zu seinen Männern, die peinlich berührt und schuldbewusst seinem Blick auswichen.

"Du bist Richards, nehme ich an." Max sprang in einer eleganten Bewegung auf, kam mit leicht schwingendem Becken zu ihm hinüber und streckte die Hand aus. "Ich bin Max. Wir hatten mit einander gesprochen und ich habe in der Zwischenzeit viel über dich gehört." Sie gab sich bewusst jovial und nutzte das "du". Auch mit unerwarteter Freundlichkeit konnte man Leute überrumpeln.

Richards war zwei Köpfe größer und hatte doppelt so breite Schultern wie die zierliche Latina, wirkte aber dennoch enorm vorsichtig, als er ihr die Hand reichte. Max entging seine Verwirrung nicht, ebenso bemerkte sie, dass Richards sie sowohl wachsam taxierte als auch seine Männer fassungslos anblickte. Max´ Optik schenkte er hingegen zunächst nur wenig Beachtung. Mit einer kurzen Geste bedeutete Richards seinen beiden Begleitern ruhig zu bleiben und die anderen vier loszubinden. Dann wandte er sich an Max: "Wer bist du?"

"Max." Sie lächelte ihn von unten an, doch sein Blick verriet schnell, dass Richards nicht zu neckischen Scherzen aufgelegt war, daher fuhr sie fort: "Ich wurde wie ihr hierher geschickt, um ein paar Dinge zu klären, bevor die Regierung hier Dinge findet, die besser geheim bleiben. Aber anders als ihr bin ich nur am Labor interessiert. Warum sollten wir uns also nicht zusammentun."

Richards musterte Max abermals, doch ihr war sofort klar, dass er sie eher einschätzen als ihr körperlichen Vorzüge betrachten wollte. Offenbar fragte sich der Mann, wieso irgendwer eine heiße, kleine Latina, die scheinbar auch noch unbewaffnet war, für eine solche Mission schicken sollte. Aber diese Überlegung stellte Richards zunächst zurück: "Woher weißt du so genau, was wir vorhaben?"

Max deutete mit einem Kopfnicken deutete sie in Richtung von Matt und den anderen drei, die gerade losgebunden wurden. "Ich hab mich mit deinen Jungs unterhalten, weil ich neugierig war."

"Wer hat dich geschickt?" Richards Mimik verriet nicht, was er von ihrem Vorschlag hielt.

"Ach bitte..." Max winkte lasziv ab. "Es versteht sich doch von selbst, dass ihr meinen Auftraggeber nicht verrate. Würdet ihr doch auch nicht."

"Und woher sollen wir wissen, dass du uns nicht hintergehen willst..."

"Wenn sich unsere Ziele nicht vereinbaren ließen, hätte ich euch doch nicht auf mich aufmerksam gemacht. Ich hab den Überraschungsmoment aufgegeben, weil ich glaube, dass wir beide davon profitieren können, wenn wir uns nicht als Konkurrenz betrachten."

"Das klingt erstmal nicht schlecht." Richards nickte und begann nun auch ihre körperlichen Reize etwas intensiver zu betrachten. "Und in der Tat haben wir einige Probleme, die wir leichter meistern könnten, wenn jemand sich im Labor-Trakt befinden und mit uns kooperieren würde."

"Hört sich nach einer Win-win-Situation an." Max lächelte. Einerseits war sie erfreut, dass Richards eine Kooperation zumindest in Betracht zog, zum anderen konnte sich eine gewisse Genugtuung nicht verkneifen, dass selbst ein so abgebrühter Söldnerführer sich ihren Reizen nicht dauerhaft entziehen konnte.

"Allerdings müsste ich dir dafür vertrauen", schränkte Richards sogleich ein. "Und dazu weiß ich zu wenig über dich. Du könntest geschickt worden sein, um unser Vertrauen zu erwerben und uns dann zu sabotieren. Hölle, du hast vier meiner Leute überwältigt, obwohl du..." Er zögerte.

"Obwohl ich was..." lächelte Max keck, obwohl sie genau wusste, in welche Richtung seine Einschränkung ging.

Richards entschied sich für eine diplomatische Antwort. "Du stehst und bewegst dich wie eine Kämpferin. Das kann ich deutlich sehen, aber trotzdem hab ich keine Ahnung, wie du meine Männer überwältigt hast."

"Ich kann sehr überzeugend sein...", hauchte Max jetzt deutlich lasziver, "...in mehr als einer Hinsicht."

"Das glaub ich dir gerne." Jetzt blieb Richards Blick eindeutig an Max´ Oberweite kleben.

"Ich schlag dir einen Deal vor. Du sagst mir, wo euer erstes Problem liegt, das man von der Labor-Seite aus beheben könnte. Dann gibst du mir die Zeit, die Sache da drüber zu lösen. Und danach arbeiten wir zusammen."

Richards überlegte kurz, dann nickte er. "Okay. Wir machen Folgendes: Im jedem Stockwerk gibt es Sicherheitsschleusen, die die Laborseite mit der Bürotrakt verbinden. Sie können nur genutzt werden, wenn sie von beiden Seiten nicht blockiert sind. Für uns ist das vor allem ärgerlich, weil mit der Sicherheitsschleuse im nächsttieferen Stockwerk auch die Aufzüge verbunden sind. Solange die Tür zu ist, können wir die Aufzüge nicht benutzen und müssen ziemliche Umwege in Kauf nehmen."

"Ich kenne die Lagepläne", nickte Max zur Bestätigung, dass sie wusste, wovon er sprach.

"Gut. Der Deal sieht wie folgt aus. Du machst die Sicherheitsschleuse von der Laborseite auf und wir treffen uns wieder. Dann können wir alles Weitere besprechen. Ich postiere aber einige Männer vor dem Eingang zum Labortrakt. Solltest du da wieder rauskommen, ohne dass wir einen Deal haben, war´s das für dich."

"Klingt vernünftig. Sonst noch was?"

Hat Richards sonst noch einen Wunsch?

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